Diakonie fordert mehr Selbstbestimmung für behinderte Menschen

Nachricht 21. Juni 2010

Hannover (epd). Menschen mit Behinderungen müssen nach Ansicht der Diakonie in Niedersachsen noch bessere Möglichkeiten für ein Leben nach ihren eigenen Vorstellungen bekommen. Zwar sichere ihnen eine UN-Konvention, die 2008 in Deutschland in Kraft trat, Selbstbestimmung in allen Lebensbereichen zu, sagte Jörg Reuter-Radatz vom Diakonischen Werk der hannoverschen Landeskirche am Montag: "Doch den Worten müssen noch konsequenter Taten folgen. Die gesamte Gesellschaft muss umdenken."

In Deutschland gebe es noch immer viele Vorurteile gegenüber Menschen mit Handicaps, beklagte Reuter-Radatz. Behinderte Menschen seien im Alltag benachteiligt, etwa wenn sie mit dem Rollstuhl Zug fahren wollten. Längst seien noch nicht alle Nah- und Fernverkehrszüge barrierefrei. Die UN-Behindertentrechtskonvention stehe für einen Mentalitätswechsel, der noch nicht abgeschlossen sei, unterstrich der Sprecher des Vorstandes der Diakonie in Niedersachsen, Thomas Feld aus Oldenburg.

"Das ist auch für die Diakonie nicht nur bequem", sagte Feld. Auch sie müsse einen Teil ihrer Konzepte umstellen und habe damit auch begonnen. Die Diakonie in Niedersachsen unterhält mehr als 240 Einrichtungen und mehr als 20.000 ambulante, teilstationäre und stationäre Angebote. Sie bemühe sich darum, sich an den Wünschen jedes Einzelnen zu orientieren, sagte Feld.

Als ein positives Beispiel stellten die Diakonievertreter das Angebot für betreutes Wohnen für Menschen mit geistiger Behinderung in der eigenen Wohnung vor. Die 23-jährige Sonja Bonin, die mit ihrem einjährigen Sohn in einer eigenen Mietwohnung in Stade lebt, berichtete gemeinsam mit ihren Betreuerinnen von der örtlichen Lebenshilfe über ihren Alltag. Für sie sei klar gewesen, dass sie eine eigene Wohnung wollte, um möglichst viel mit ihrem Kind zusammen zu sein, sagte die Mutter.

Feld kritisierte, dass diese Betreuungsangebote in Niedersachsen oft unzureichend und je nach Kommune unterschiedlich finanziert würden. Während die Sätze in Nordrhein-Westfalen landesweit einheitlich bei 52 Euro je Fachleistungsstunde lägen, schwankten sie in Niedersachsen zwischen 23 und 48 Euro.

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21.6.2010