Friedlicher Protest gegen "Sonnenwendfeier" von Neonazis - Stellvertretender Landesbischof Jantzen prangert Rassismus an

Nachricht 20. Juni 2010

Eschede/Kr. Celle (epd). Rund 100 Menschen haben am Wochenende in Eschede bei Celle friedlich gegen eine "Sonnenwendfeier" von Neonazis protestiert. Bei einer Kundgebung unter dem Motto "Kein Nazitreffen in Eschede" wandte sich der stellvertretende hannoversche Landesbischof Hans-Hermann Jantzen gegen das "dumpfe, abstruse Gedankengut", dass alte und neue Nazis unter dem Deckmantel von Sonnwendfeiern und Erntefeste pflegten: "Wir widersprechen entschieden ihren rassistischen und gewaltverherrlichenden Parolen, mit denen sie Menschen anderer Kulturen und Hautfarbe einschüchtern und ausgrenzen."

Die Demonstranten blockierten eine Zufahrtsstraße zum abgelegenen Hof des Landwirtes und NPD-Mitgliedes Joachim Nahtz. Dort trafen sich nach Polizeiangaben etwa 220 Rechtsextremisten aus ganz Norddeutschland, unter ihnen 10 bis 15 Kinder. Diese Veranstaltung endete in der Nacht zum Sonntag ohne Zwischenfälle. Zu der Gegendemonstration am Sonnabend hatte der Deutsche Gewerkschaftsbund aufgerufen.

Der Landwirt Nahtz hat bei der evangelischen Kirche etliche Hektar Land gepachtet. Die Kirchengemeinde Eschede werde den Pachtvertrag nicht über 2014 hinaus verlängern, kündigte Jantzen an. Bis dahin sollten die Pachteinnahmen in Projekte gegen Rechts fließen.

Die demokratische Gesellschaft dürfe hier nicht wegsehen, denn Schweigen könne als Duldung oder Zustimmung gewertet werden, sagte der Lüneburger Regionalbischof Jantzen: "Der Rechtsextremismus ist kein Randphänomen mehr." Inzwischen verunglimpften Neonazis mit neuheidnischen Sprüchen wie "Odin statt Jesus" das Christentum und verträten eine Sozialauslese nach dem Recht des Stärkeren.

Im vergangenen Jahr hatten Polizeibeamte bei der "Sonnenwendfeier" auf dem Hof Nahtz mehrere Pfeffersprays, zwei Teleskop-Schlagstöcke sowie 78 CDs mit strafbarem Inhalt sichergestellt. Im Jahr davor war es zu einem gewalttätigen Übergriff auf einen Journalisten gekommen.

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20.6.2010