Lutherischer Bischof in Kirgistan bestürzt über Entwicklungen in seinem Land

Nachricht 17. Juni 2010

Leipzig (17. Juni 2010). Bestürzt äußerte sich der Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kirgistan, Alfred Eicholz, gegenüber dem Gustav-Adolf-Werk e.V. (GAW) über die derzeitigen Entwicklungen in seinem Land. Wenn das Land nicht zur Ruhe kommt, fürchtet Eichholz, wird ein Großteil der Mitglieder seiner Kirche Kirgistan verlassen.



Die Lutheraner Kirgistans, von denen viele deutsche Wurzeln haben, sind in den ethnischen Konflikt zwischen Kirgisen und Usbeken noch nicht hineingezogen worden. Noch beschränkt sich der Konflikt auf diese beiden Volksgruppen. Eichholz: „Dieser Konflikt ist gezielt geschürt worden.“ Und auch der gestürzte Präsident Bakijew habe das seine dazu getan, im Land Unruhe zu stiften. Ob die russische Regierung tatsächlich schlichtend in den Konflikt eingreifen kann, sei fraglich, so Eichholz.



Die einzige Überlebenschance, die die Evangelisch-Lutherische Kirche in Kirgistan hat, so Bischof Eicholz, ist, dass sie mit nicht-deutschstämmigen Kirgisen arbeitet. „Das tun wir bereits seit langem, müssen uns aber hier noch stärker engagieren.“



Der lutherische Prediger aus der umkämpften Stadt Osch berichtet von alkoholisierten Randalierern. Kaum jemand traue sich noch auf die Straße, nicht einmal, um Tote zu bergen. Der Konflikt hat außerdem zu erheblichen Versorgungsengpässen und damit verbunden zu Teuerungen geführt.



Pfarrer Enno Haaks, Generalsekretär des Gustav-Adolf-Werks e.V. (GAW): „Wir sind mit unseren Gedanken und Gebeten bei den Menschen in Kirgistan!“ Bischof Alfred Eicholz befindet sich derzeit auf Besuch in Deutschland und wurde von den erneut ausbrechenden Unruhen hier überrascht. Anfang Juli wird er die Rückreise nach Kirgistan antreten.



Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Kirgistan ist eine Partnerkirche des Gustav-Adolf-Werks e.V. (GAW). Sie hat insgesamt 16 Gemeinden mit ungefähr 2 000 Mitgliedern und Unterstützern und geht auf die zahlreichen Russlanddeutschen zurück, die während des Zweiten Weltkrieges nach Kirgistan umgesiedelt worden waren. Insgesamt gehören ein Fünftel der Bevölkerung Kirgistans christlichen Kirchen, vor allem der Russisch-Orthodoxen Kirche, an. Die überwiegende Mehrheit der 5,2 Millionen Einwohner sind Muslime.



Gustav-Adolf-Werk e.V. ist das älteste evangelische Hilfswerk in Deutschland. Es wurde 1832 in Leipzig gegründet. Heute wird die Arbeit von bundesweit 24 Hauptgruppen und 17 Frauengruppen getragen. Das GAW hilft seinen Partnerkirchen in Europa, Lateinamerika und Nordasien beim Gemeindeaufbau, bei der Renovierung, beim Kauf und beim Neubau von Kirchen und Gemeinderäumen, bei sozialdiakonischen und missionarischen Aufgaben, bei der Aus- und Weiterbildung von kirchlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern u. a. Jährlich werden verschiedene Projekte mit insgesamt 3 Mio. Euro unterstützt, davon 1,6 Mio. mit dem Projektkatalog.



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17.6.2010