Osnabrücker Bischof entschuldigt sich eindringlich bei Missbrauchsopfern

Nachricht 08. Juni 2010

Osnabrück (epd). Mit Tränen in den Augen und Zittern in der Stimme hat der Osnabrücker katholische Bischof Franz-Josef Bode seine Scham über die Missbrauchsfälle in seiner Kirche ausgedrückt. Mehrfach entschuldigte er sich während einer Pressekonferenz am Dienstag. Er habe selbst mit einigen Opfern gesprochen und sei tief erschüttert. Das Erlittene sei ihnen auch nach Jahrzehnten noch so präsent, als wäre es gestern passiert: "Ich habe allen Grund um Verzeihung zu bitten. Vertrauen ist schwerstens missbraucht worden."

Auch Verantwortliche in der Kirche hätten sich schuldig gemacht, betonte Bode. Sie seien zu sehr auf das Ansehen der Kirche fixiert gewesen, statt die Opferperspektive einzunehmen. Die "klimatischen Bedingungen" innerhalb der katholischen Kirche hätten den Missbrauch begünstigt. In einer geschlossenen, nach innen gerichteten Struktur und einem unfreien und undurchsichtigen Klima sei vieles tabuisiert worden: "Es gab keine Sprache für Sexualmoral und Sexualität und keinen differenzierten Umgang damit."

Bode forderte die Bischofskonferenz auf, sich erneut mit dem Thema zu befassen. Es müsse jetzt darum gehen, durch ein neues Miteinander von Priestern und Laien in der Kirche Vertrauen wiederherzustellen. Wahrhaftigkeit, Verlässlichkeit und Durchschaubarkeit müssten sich durchsetzen. Moral und Ethik sollten den Menschen nicht von oben herab übergestülpt werden.
Außerdem sollten die Priester mehr auf die Lebenswirklichkeit der Menschen eingehen. Zudem müsse konkrete Präventionsarbeit in der Jugendarbeit geleistet werden. In der Priesterausbildung müsse die Sexualität noch mehr als bislang thematisiert werden. Frauen sollten noch stärker in Entscheidungsprozesse einbezogen werden.

Seit Februar sind nach Angaben des Bistums insgesamt 28 Hinweise eingegangen. Sie richteten sich gegen 18 Theologen, von denen zwei seit längerem dem Erzbistum Hamburg angehörten, und drei ehrenamtliche Mitarbeiter. Die Vorwürfe beträfen überwiegend sexuelle Übergriffe gegen Kinder und Jugendliche. Sie reichten bis in die 1940er Jahre zurück. Von den 16 Verdächtigten sei ein Priester noch im Dienst gewesen, nach den Vorwürfen aber bis auf weiteres entpflichtet worden. Ein strafrechtliches Ermittlungsverfahren laufe.

Elf weitere Beschuldigte seien bereits tot. Vier seien pensioniert. Einer von ihnen sei 2001 wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt worden. Weitere Hinweise, die an die vom Bischof eingesetzte Kommission gegangen seien, hätten andere Bistümer oder Orden betroffen und seien an die zuständigen Stellen weitergeleitet worden. In sechs Fällen hätten ungenaue anonyme Angaben keiner Person zugeordnet werden können.

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8.6.2010