Große Anteilnahme bei Trauerfeier für getötete Sprengmeister

Nachricht 08. Juni 2010

Hannover/Göttingen (epd). Mit einem ökumenischen Gottesdienst in Hannover haben sich Angehörige, Freunde und Kollegen am Dienstag von den in Göttingen tödlich verunglückten Sprengmeistern verabschiedet. "Wir dürfen niemals vergessen, was die Verstorbenen Großes geleistet haben, um ihre Mitmenschen, uns alle, vor den tödlichen Spätfolgen des Krieges zu schützen", sagte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) in der evangelischen Marktkirche.

Im Altarraum der gotischen Backsteinkirche standen zwischen Blumenkränzen Fotos der Toten. Die drei erfahrenen Sprengstoffexperten des niedersächsischen Kampfmittelbeseitigungsdienstes waren vor einer Woche bei der Explosion eines Blindgängers aus dem Zweiten Weltkrieg getötet worden. Gerd Ehler (55), Torsten Erhardt (38) und Thomas Gesk (52) hinterlassen Frauen und Kinder. Den Angehörigen gelte sein besonderes Mitgefühl, sagte Schünemann.

An der Feier nahmen auch Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sowie hochrangige Vertreter von Polizei und Kommunen teil. Zahlreiche Kollegen zeigten ihre Anteilnahme. Viele der mehreren Hundert Trauergäste trugen Uniformen von Polizei und Berufsfeuerwehr. Nach Angaben eines Sprechers waren eigens Delegationen aus Frankreich und den Niederlanden angereist. Das Polizeimusikkorps Niedersachsen spielte zusammen mit der Orgel Bach-Choräle.

Der Tod der drei Männern sei auch eine Mahnung für die Zukunft, sagte der Innenminister: "Der 1. Juni in Göttingen hat uns vor Augen geführt, wie gefährlich die Arbeit der Kampfmittelbeseitiger ist." Er sprach auch den sechs Verletzten des Unglücks seine Anteilnahme aus. Die Zehn-Zentner-Fliegerbombe war kurz vor der geplanten Entschärfung aus bislang ungeklärter Ursache vorzeitig detoniert.

"65 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges sind Gerd Ehler, Torsten Erhardt, Thomas Gesk und die Verletzten Opfer des Krieges geworden", sagte Marktkirchen-Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann. Auch nach langer Friedenszeit seien die Folgen des Krieges präsent und gefährdeten Leben. Mit hohem Risiko setzten die Sprengstoffexperten ihr Leben ein, um das Leben vieler zu retten. "Und sie werden es künftig unter einer noch höheren Belastung tun."

Selbst aus Amerika sei ein Kondolenzschreiben gekommen, berichtete die Pastorin: "Mitarbeiter des FBI sind sehr traurig, dass die Bombe, die von amerikanischen Piloten abgeworfen wurde, so viele Jahre später Menschen tötet. Und das, wo wir mit den USA mittlerweile befreundet sind."

Die Verletzten seien auf dem Weg der Besserung, sagte ein Polizeisprecher. "Bis die seelischen Wunden heilen, braucht es aber noch viele Tage und Wochen, weil es ein so einschneidendes Erlebnis war." Auch im weiteren Kollegenkreis werde vielen das Ausmaß der Trauer erst langsam bewusst. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst ist Teil der Zentralen Polizeidirektion in Niedersachsen.

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
8.6.2010