Wegner: Expo hat Verhältnis von Kirche und Unterhaltung entkrampft

Nachricht 01. Juni 2010

Hannover (epd). Die Weltausstellung Expo 2000 vor zehn Jahren hat nach Ansicht des Theologen Professor Gerhard Wegner das Verhältnis von Kirche und Unterhaltungskultur deutlich entkrampft. "Wir haben als Kirche durch die Expo gelernt, qualitativ hochwertig und gleichzeitig locker und freundlich aufzutreten", sagte Wegner am Sonntag in Hannover im epd-Gespräch. Der Beginn der Expo jährt sich an diesem Dienstag (1. Juni) zu zehnten Mal.

Die evangelische Kirche war bei der ersten Weltausstellung in Deutschland im Jahr 2000 mit dem "Christuspavillon" aus Stahl und Glas vertreten. Er lockte bis zum Ende der Expo rund 1,8 Millionen Besucher an. Wegner war Expo-Beauftragter der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Die Kirchen waren zudem mit dem "Pavillon der Hoffnung" des Christlichen Vereins Junger Menschen (CVJM) und des Hilfswerks "World Vision" in Form eines Wals sowie mit einem Pavillon des Vatikan auf der Weltausstellung präsent.

Der Evangelische Kirchentag 2005 in Hannover sei auch deshalb so gut angekommen, weil er die Menschen an die Expo erinnert habe, sagte Wegner. Mit dem Christuspavillon habe die Kirche den Anspruch des Expo-Mottos "Mensch - Natur - Technik" auf Nachhaltigkeit eingelöst, betonte Wegner. Der rund neun Millionen Mark teure Bau, den die evangelische Kirche gemeinsam mit Sponsoren finanziert hatte, wurde 2001 im Kloster Volkenroda in Thüringen wiederaufgebaut und ist dort seither ein Anziehungspunkt für Pilger und Touristen. Der Wal-Pavillon dient inzwischen als Gottesdienst-Raum und Veranstaltungszentrum.

Die Weltausstellung mit 173 teilnehmenden Nationen zog von Anfang Juni bis Ende Oktober 2000 rund 18,1 Millionen Besucher an, deutlich weniger als die erwarteten 40 Millionen. Sie schloss mit einem Defizit von 1,1 Milliarden Euro. Die Erinnerung an die Expo wird heute von einem Museum auf dem Expo-Gelände aufrecht erhalten. Der frühere kirchliche Expo-Beauftragte Gerhard Wegner leitet seit 2007 das Sozialwissenschaftliche Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Hannover.

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1.6.2010