Bischöfe aus Niedersachsen bedauern Rücktritt von Horst Köhler / Niedersächsische SPD schlägt Käßmann als Nachfolgerin Köhlers vor

Nachricht 31. Mai 2010

Hannover/Hildesheim (epd). Die niedersächsische SPD hat die frühere hannoversche Bischöfin Margot Käßmann als mögliche Nachfolgerin des zurückgetretenen Bundespräsidenten Horst Köhler vorgeschlagen. "Nun ist es an der Zeit, dass jemand, der die Sorgen und Nöte der Menschen fest im Blick hat, wie zum Beispiel Margot Käßmann, dieses Amt ausfüllt", sagte der neue SPD-Landesvorsitzende Olaf Lies am Montag in Hannover. Unterdessen bedauerten Bischöfe aus Niedersachsen und der amtierende Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, Köhlers Rücktritt und würdigten seine Verdienste.

Köhler hatte am Montag überraschend seinen Rücktritt vom Präsidentenamt erklärt. Seine Entscheidung begründete er am Nachmittag in Berlin mit der Kritik an seinen Äußerungen im Zusammenhang mit dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr. Die Unterstellung, er habe einen grundgesetzwidrigen Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung von Wirtschaftsinteressen befürwortet, entbehre jeder Rechtfertigung, sagte Köhler. Das lasse den notwendigen Respekt vor dem höchsten Staatsamt vermissen.

Käßmann, ehemalige Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), hatte Ende Februar wegen einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss ihre kirchlichen Leitungsämter niedergelegt. Die Pressestelle der EKD teilte auf Anfrage mit, der Respekt vor dem Amt des Bundespräsidenten verbiete es, bereits innerhalb weniger Stunden nach dem Rücktritt Horst Köhlers über eine Nachfolge zu spekulieren.

Der stellvertretende hannoversche Landesbischof Hans-Hermann Jantzen bedauerte den Rücktritt Köhlers. Gleichzeitig habe er großen Respekt vor seiner Entscheidung, sagte der Lüneburger Landessuperintendent dem epd: "Wir verlieren mit ihm eine große Persönlichkeit. Ich habe Horst Köhler auch in persönlichen Begegnungen stets als glaubwürdigen Vertreter des christlichen Glaubens erlebt."

Der braunschweigische evangelische Bischof Friedrich Weber sagte: "Wir verlieren eine aufrechte und klare Gestalt." Köhler habe sich als Christ bekannt, ohne damit die Menschen anderer Religionen und Kulturen herabzusetzen. Der Hildesheimer katholische Bischof Norbert Trelle erklärte: "Mit Köhler verlieren wir nicht nur eine große Persönlichkeit, sondern auch einen wohlwollenden Freund. Er habe den zurückgetretenen Bundespräsidenten als "überzeugten und überzeugenden Christ" erlebt.

Der amtierende Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, regierte mit Bedauern und Respekt auf den Rücktritt Köhlers. Die politische Verantwortung für das Wohl aller Menschen habe er aus seinem christlichen Glauben heraus wahrgenommen: "Er ist damit im besten Sinne ein öffentlicher Protestant gewesen." Gleichzeitig forderte Schneider eine gesellschaftliche Debatte, in der es um die Balance zwischen dem notwendigen Respekt vor dem höchsten Amt des Staates und der an Sachfragen orientierten Kritik gehen müsse.

Nach Köhlers Rücktritt ist Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) vorübergehend erster Mann im Staat. Als Bundesratspräsident übernimmt er stellvertretend die Amtsgeschäfte. Es ist das erste Mal, dass ein deutscher Bundespräsident während seiner Amtszeit zurücktritt. Köhler war der neunte Inhaber des Amtes seit 1949. Der frühere Direktor des Internationalen Währungsfonds war im Mai 2009 für eine zweite Amtszeit gewählt worden.

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen
31.5.2010