Mehr Hilfe für Opfer sexuellen Missbrauchs - Bundesregierung und evangelische Kirche richten telefonische Anlaufstellen ein

Nachricht 28. Mai 2010

Hannover (epd). Das Hilfsangebot für Opfer sexuellen Missbrauchs hat sich erweitert. Betroffene können sich nun auch telefonisch an die Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Christine Bergmann (SPD), wenden. Auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) richtet eine entsprechende telefonische Beratung ein, wie am Freitag bekannt wurde. Die katholische Kirche schaltete bereits am 30. März eine bundesweite Telefon-Hotline für Opfer frei.



Auch in der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers gibt es seit Mitte Mai ein telefonisches Beratungsangebot (täglich von 9-21 Uhr, Telefon 0511-1241-477)



Wie die Missbrauchsbeauftragte Bergmann in Berlin mitteilte, ist die telefonische Anlaufstelle ab Freitagnachmittag (16 Uhr) kostenfrei unter der Rufnummer 0800-22 55 530 erreichbar.

Gleichzeitig startet unter www.beauftragte-missbrauch.de die Homepage der Beauftragten, die weitere Kontaktmöglichkeiten und Informationen für Betroffene bieten soll. Die Gespräche werden den Angaben zufolge anonym und individuell geführt. Bei der Anlaufstelle gibt es jedoch keine therapeutische oder rechtliche Beratung.



Bisher konnten sich Opfer sexuellen Missbrauchs nur schriftlich an die frühere Bundesfamilienministerin wenden. Rund 500 Briefe und E-Mails seien bereits eingegangen, sagte Bergmann. Dabei hätten mehr Männer als Frauen ihre Missbrauchserfahrungen mitgeteilt. Die meisten seien in Einrichtungen missbraucht worden. In der Hälfte der Fälle seien katholische Einrichtungen genannt worden. Missbrauchsfälle im familiären Bereich seien dagegen bislang kaum gemeldet worden.



Wie die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) mitteilte, wird ihre bundesweite Hotline unter der Rufnummer 0180-1111353 Mitte Juni freigeschaltet. Jeweils dienstags, mittwochs und donnerstags seien dann Seelsorger mit therapeutischer Ausbildung zwischen 13 und 21 Uhr erreichbar. Zudem bestehe die Möglichkeit eines geschützten E-Mail-Kontaktes, sagte der EKD-Koordinator in Hannover, Wolf von Nordheim.



Die "Missbrauchsopfer-Hilfe der evangelischen Kirche" solle ein niedrigschwelliges Angebot für Betroffene, aber auch für deren Angehörige und Freunde sein, erläuterte Nordheim. Sie sei in erster Linie für Menschen gedacht, die durch Mitarbeiter der Kirche oder ihren diakonischen Einrichtungen missbraucht worden seien. Die kostenlose Beratung, bei der Anonymität gewahrt werde, stehe jedoch allen Menschen offen.



Nach Vorlage des Abschlussberichts der Missbrauchsbeauftragten des Jesuitenordens, Ursula Raue, sieht das Bonner Aloisiuskolleg weiterhin Klärungsbedarf. "Aufgrund vieler offener Fragen haben wir die Sorge, dass der Bericht die Erwartungen von Betroffenen nicht erfüllen könnte", erklärte die Schule in einer Stellungnahme.



Weil die Ergebnisse des bundesweiten Abschlussberichts in Bezug auf das Aloisiuskolleg nicht zufriedenstellend seien, werde eine Fortsetzung des Aufklärungsprozesses durch einen unabhängigen Experten begrüßt. Die Rechtsanwältin Raue hatte am Donnerstag in München ihren Abschlussbericht zu den Missbrauchsfällen vorgelegt.

Danach hat der Jesuitenorden sexuellen Missbrauch und Gewalt gegen Kinder in seinen Einrichtungen über Jahrzehnte hinweg systematisch vertuscht.



Erreichbarkeit der Beauftragten Bergmann:



Sprechzeiten der telefonischen Anlaufstelle unter 0800-22-55-530:

Mo: 8-14 Uhr; Di, Mi, Fr: 16-22 Uhr; So: 14-20 Uhr. Internet:

www.beauftragte-missbrauch.de E-Mail:

kontakt@beauftragte-missbrauch.de



Postadresse: Unabhängige Beauftragte zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs, 11018 Berlin



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28.5.2010