Osnabrücker Regionalbischof kritisiert Überhöhung des Leistungsgedankens im Sport

Nachricht 27. Mai 2010

Osnabrück (epd). Der Osnabrücker evangelische Regionalbischof Burghard Krause hat die Überhöhung des Leistungsgedankens im Sport kritisiert. Die Selbsttötung des Fußball-Torwarts Robert Enke habe deutlich gemacht, dass es eine "heimliche Übereinkunft des Gesamtsystems gibt, dass man sich öffentlich nicht zu Schwächen bekennen darf", sagte Krause am Mittwochabend in Osnabrück. Allerdings gelte das nicht nur für den Sport, sondern auch gesamtgesellschaftlich: "Wir bekommen es nicht hin, den Verlierer von der Rolle des Versagers zu trennen."

Der Landessuperintendent diskutierte mit dem Fanforscher Gunter Pilz, dem Sportmoderator Tom Bartels und ehemaligen Spielern des VFL Osnabrück über die Schattenseiten des Leistungssports. Der Kirchenkreis Osnabrück hatte anlässlich einer Veranstaltungsreihe zur bevorstehenden Fußball-Weltmeisterschaft zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.

Der Sport sollte eigentlich der Gesellschaft helfen, den Umgang mit Niederlagen zu trainieren, forderte Krause. Auch die Erziehung von Kindern und Jugendlichen müsse darauf abzielen, "sie leistungstauglich und niederlagenfähig" zu machen. Dazu könne auch die christliche Erziehung einen Beitrag leisten. Denn dort laute die Botschaft: "Bei Gott bist du ein Gewinner."

Der hannoversche Soziologe Gunter Pilz sieht im Fußball gesellschaftliche Probleme wie in einem Parabolspiegel gebündelt. Er habe erlebt, wie schon sechsjährige Fußballkinder von ihren Müttern beim Spiel als Verlierer beschimpft worden seien. Tom Bartels warnte davor, alle Kritik auf den Sport zu konzentrieren. Die Menschen seien auch im Beruf oder etwa in der Musikerziehung erfolgsorientiert. Zudem leiste der Sport Überragendes für die Integration. "Man muss nicht nur siegen im Sport."

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27.5.2010