Worpsweder Kirchenstreit eskaliert weiter

Nachricht 26. Mai 2010

Worpswede (epd). Der Streit um den evangelischen Kirchenvorstand in Worpswede bei Bremen eskaliert weiter und treibt mittlerweile auch einen Keil zwischen die betroffene Kirchenregion und das zentrale Landeskirchenamt in Hannover. Der Grund ist die Dauer von Ermittlungen, für die noch kein Ende absehbar ist. Das lange Verfahren sei für alle Beteiligten eine schwere Belastungsprobe, räumte der juristische Vizepräsident des Landeskirchenamtes, Rolf Krämer, am Mittwoch gegenüber dem epd ein. "Doch es gibt Rede und Gegenrede - alle Argumente müssen abgewogen und überprüft werden."

Seit Dezember 2009 liegt dem Landeskirchenamt der Antrag vor, den ehrenamtlichen Kirchenvorstand "mangels gedeihlichen Wirkens" aufzulösen. Ein solcher Schritt sei selten, sagte Kirchenjurist Krämer. "In den zurückliegenden zehn Jahren gab es bei rund 1.300 Gemeinden in der Landeskirche nur einen Fall." Initiator des Antrages ist der Vorsitzende des Kirchenkreistages Osterholz-Scharmbeck, Eckart Richter. Er wirft den Kirchenvorstehern unter anderem vor, sie mobbten Mitarbeiter und verweigerten die Kooperation mit anderen Gemeinden und dem Kirchenkreis.

Der Kirchenkreisvorstand unter dem Vorsitz von Superintendentin Jutta Rühlemann unterstützt den Vorstoß. Eine Auflösung sei aber nur möglich, wenn der Kirchenvorstand seine Pflichten beharrlich verletzt habe, sagte Krämer. "Das sind ganz hohe Hürden, weil das Ehrenamt in der Landeskirche das Salz in der Suppe ist. Da muss säuberlich ermittelt werden." Nächste Woche soll es eine Sondersitzung des Kirchenkreisvorstandes geben. Im Juni ist eine Anhörung des Worpsweder Kirchenvorstandes in Hannover geplant, der bereits einen solchen Termin ungenutzt verstreichen ließ.

Richter wirft den Juristen im Landeskirchenamt vor, sie verschleppten die Entscheidung, weil dem Kirchenvorstand immer neue Fristen eingeräumt würden. Der Lüneburger Landessuperintendent Hans-Hermann Jantzen habe zudem einseitig moderiert. Richter lässt aus Protest ab sofort seine kirchlichen Ehrenämter als Kirchenvorsteher, Kirchenkreistagsvorsitzender und Landessynodaler ruhen, bis Hannover entschieden hat.

Auch der Kirchenkreisvorstand unter dem Vorsitz von Superintendentin Jutta Rühlemann kritisiert das Landeskirchenamt. In einer Stellungnahme vom Mittwoch befürchtet das leitende Gremium, dass sich das Prüfverfahren "auf unabsehbare Zeit" verlängert. "Deshalb herrscht ein Schwebezustand, der eine konstruktive Lösung in der Kirchengemeinde verhindert." Das sei "eine Zumutung für alle Betroffenen". Der Sprecher der Landeskirche, Johannes Neukirch, wies alle Vorwürfe zurück.

Richter hatte auch beantragt, den Worpsweder Pastor Ewald Dubbert zu versetzen. Im April wurde Dubbert in den vorzeitigen Ruhestand verabschiedet. Die Landeskirche hat nun einen neuen Theologen für die 4.900-Seelen-Gemeinde benannt. Dabei handelt es sich um Pastor Kurt Liedtke (55) aus Hannover, der am 1. August das Pfarramt in Worpswede übernehmen soll. Aus Sicht der Landeskirche sei es wichtig gewesen, die vakante Pfarrstelle schnell mit einem erfahrenen Seelsorger zu besetzen, sagte der Stader Landessuperintendent Christian Brandy. Er solle versöhnend für alle Gemeindemitglieder tätig sein.

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26.5.2010