Hildesheimer wollen mit weißen T-Shirts gegen Neonazis protestieren - Aufmarsch von Rechtsextremen trifft mit Europäischem Michaelisfest zusammen

Nachricht 26. Mai 2010

Hildesheim (epd). Mit weißen T-Shirts wollen die Kirchen in Hildesheim gegen einen geplanten Neonazi-Aufmarsch am 5. Juni demonstrieren. Die Hemden tragen den Aufdruck "Engel gegen Rechts." 3.500 Stück sind bereits bedruckt und werden ab sofort verkauft, sagte der Superintendent des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Hildesheim-Sarstedt, Helmut Aßmann am Mittwoch in Hildesheim.



Der angekündigte Neonazi-Aufmarsch trifft mit dem Europäischen Michaelisfest am 5. und 6. Juni zusammen, dass nach Angaben der Gemeinde seit zwei Jahren geplant ist. Dabei feiern Abgesandte von Michaeliskirchen aus neun europäischen Ländern in Hildesheim ein Fest der Kulturen. Es gilt als Höhepunkt der Feierlichkeiten zum 1.000-jährigen Bestehen der Hildesheimer St. Michaeliskirche, die zum Weltkulturerbe der Unesco gehört. Die Michaeliskirchen sind nach dem biblischen Engel Michael benannt.



Dass eine rechtsextreme Initiative zeitgleich mit fremdenfeindlichen Parolen zu einem Marsch aufruft, wird als Affront gewertet. Aßmann rief alle Hildesheimer dazu auf, an diesem Tag weiße Oberbekleidung zu tragen: "Die gewaltbereiten Gruppen von links wie rechts ziehen sich schwarze Kleidung an. Das Weiß soll dem als Signal klar entgegenstehen."



Als Zeichen dafür, dass Hildesheim "trotz dieser Störung eine lebensfreundliche und weltoffene Stadt ist und bleibt", sollen die Veranstaltungen des Michaelisfestes am 5. Juni laut Aßmann wie geplant stattfinden. Unter anderem sollen rund 100 Delegierte von Michaeliskirchen zu einem ökumenischen Mittagsgebet auf dem Marktplatz zusammenkommen. Dazu werden auch Vertreter der anglikanischen Kirche in England und der griechisch-orthodoxen Kirche erwartet.



"Wir verstehen das als einen sichtbaren Widerspruch gegen Gewalt und als ein Plädoyer für ein Leben in Frieden und Würde", sagte Aßmann. Vorgesehen sind weiterhin Arbeitsgruppen rund um den Marktplatz.



Unter dem Namen "Keine Zukunft für Nazis" hat sich in Hildesheim bereits ein breites Bündnis aus Kirchen, Gewerkschaften, Politikern, Schulen und anderen Einrichtungen gebildet. Es will nach eigenen Angaben mit Gegenkundgebungen ein Zeichen gegen Rassismus und Faschismus setzen.



Aßmann betonte, dass die Kirchen das Bündnis inhaltlich mittrügen, auch wenn ihr Schwerpunkt an diesem Tag an einer anderen Stelle liege. Falls die Neonazi-Demonstration nicht doch noch von der Stadt verboten werde, träfen die Besucher auf Demonstranten, Gegendemonstranten, Absperrungen und ein großes Polizeiaufgebot.



Internet: www.europafest.michaelis2010.de



epd lnb fra mig / 26. Mai 2010

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