EKD rät nach Schaffung von Retorten-Zelle zur Vorsicht

Nachricht 22. Mai 2010

Hannover (epd). Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) rät angesichts der Schaffung einer Zelle mit künstlichem Kern durch den US-Wissenschaftler Craig Venter zur Vorsicht. So harmlos und harmonisch, wie es bei Venter klinge, sei das Verhältnis zwischen Evolution und künstlichen Lebewesen nicht, sagte der Präsident des EKD-Kirchenamtes, Hermann Barth, am Sonnabend in Hannover dem epd: "Wissen wir, wie sich künstliche Lebewesen in unserer Lebenswelt verhalten? Wissen wir genug über die Risiken? Oder sind Craig Venter und sein Team unterwegs auf einem Blindflug?"

Dem US-Biochemiker Craig Venter ist es laut Medienberichten als erstem Wissenschaftler gelungen, im Labor hergestelltes künstliches Erbgut in einen Einzeller einzupflanzen und so ein künstliches Bakterium zu erzeugen. Venter, der vor zehn Jahren maßgeblich an der Entschlüsselung des menschlichen Genoms beteiligt war, spricht von einer "synthetischen Zelle". Die Arbeit des Wissenschaftlers wurde auf der Website der Wissenschaftszeitschrift "Science" vorgestellt.

Craig und sein Team hätten keinesfalls die Rolle des Schöpfers übernommen, sagte Barth. "Richtig ist, dass sie sich aus den vorhandenen Bausteinen des Lebens wie aus einem Setzkasten bedient und sie zu einem neuen Lebewesen zusammengesetzt haben." Gott, der Schöpfer, erschaffe dagegen aus dem Nichts. Craig Venter selbst habe betont, dass er Leben nicht von Grund auf neu schaffe, sondern das Material des Lebens, die Bausteine der DNS, neu zusammensetze und damit auf mehr als drei Milliarden Jahren Evolution aufbaue.

Barth empfahl, den Rat zu beherzigen, den die jüdische Weisheit im biblischen Buch Jesus Sirach an die Hand gibt: "Strebe nicht nach dem, was zu hoch ist für dich, und frage nicht nach dem, was deine Kraft übersteigt (...) Dir ist schon mehr gezeigt, als Menschenverstand fassen kann" (3, 22 25).

Kirchenvertreter und Politiker hatten Venters Arbeit in den vergangenen Tagen als wissenschaftliche Leistung gewürdigt, aber zugleich vor Größenwahn gewarnt. Der Vatikan wertete die Erzeugung eines künstlichen Bakteriums als Erfolg für die Forschung. Der SPD-Forschungspolitiker René Röspel sagte, Venter habe eine große technische Leistung vollbracht. Es bleibe aber Vorsicht geboten, wenn Erbgut versetzt werde. "Man muss vor Größenwahn warnen", so Röspel.

epd lnb bas mil/22.5.2010
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