Ökumene ist Hoffnungsträgerin für Kirchen

Nachricht 15. Mai 2010

„Mauern können von einem Tag auf den anderen fallen“, sagte ÖRK-Generalsekretär Tveit auf dem Kirchentag. Hoffnung und Hartnäckigkeit sind unabdingbar für die ökumenische Bewegung, betonte der Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) Pfarrer Dr. Olav Fykse Tveit auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag, der vom 12. bis 16. Mai in München stattfindet.



„ Die ökumenische Bewegung und der Ökumenische Rat der Kirchen sind in aller Paradoxie und aller Gegensätzlichkeit, die wir dabei erfahren, Hoffnungsträger für viele Kirchen und für viele Menschen in einer Minderheitensituation, für Kirchen im Kampf um Befreiung, für Kirchen, die im Streit miteinander liegen. Deshalb gibt es keine Alternative zur Ökumene,“ sagte Tveit bei einer Podiumsdiskussion über „Ökumene: Reizwort und Hoffnungsthema“ am Freitag.



„Damit Ihr Hoffnung habt“ ist das Leitwort des Kirchentags, zu dem Hunderttausende Christinnen und Christen aus ganz Deutschland sowie gut viertausend Gäste aus dem Ausland angereist sind. Es ist das zweite ökumenische Glaubensfest dieser Art in Deutschland – der erste Ökumenische Kirchentag fand 2003 in Berlin statt – und das erste mit gleichberechtigter Beteiligung von orthodoxen Kirchen und evangelischen Freikirchen.



Die Hoffnung für die Ökumene ist berechtigt, so der Tenor vieler Redner/innen auf dem Kirchentag. „Mauern, die Menschen trennen, können fallen: Mauern zwischen Staaten, Völkern, Religionen, Kirchen,“ ermutigte Tveit die Teilnehmenden des Eröffnungsgottesdiensts auf der Münchner Theresienwiese am Mittwoch. „Ganz oft sind diese Mauern auch in unseren eigenen Köpfen.“



Die Erinnerung an die Hoffnung auf christliche Einheit kommt zum richtigen Zeitpunkt für viele Kirchenmitglieder, die vom langsamen Fortschritt der Ökumene frustriert sind, weil beispielsweise überkonfessionelle Abendmahlsfeiern selbst bei dem Fest der christlichen Gemeinsamkeit in München nicht möglich sind.



So fragte etwa der Journalist und Autor Klaus Harpprecht in einer Stellungnahme unter dem Titel „Vergesst die Ökumene!“, die bei der Diskussion am Freitag verlesen wurde, wie viele Minuten christlichen Widerständler vor ihrer Hinrichtung wohl darauf verschwendet haben, ob sie die letzte Tröstung vom evangelischen oder katholischen Gefängnisgeistlichen erhalten würden. Die Kirchenleitungen, so der Vorwurf des 83-Jährigen, der aus Gesundheitsgründen nicht persönlich vor Ort sein konnte, ließen das Zeugnis dieser Märtyrer bei ihren Positionen außer Acht.



Dass die bei vielen vorherrschende Frustration ein Anlass sei, das Gespräch aufzukündigen, ließ die katholische Theologin Prof. Dr. Dorothea Sattler so nicht gelten: „Wir können gar nicht entscheiden zwischen Ökumene ja oder nein. Ökumenisch zu leben, das ist die göttliche Berufung.“



Sie plädierte für „ein ökumenisches Gespräch auf Augenhöhe“: „Dann sind nicht die einen die Guten und die anderen die Bösen. Zeiten, in denen dies so gesagt wurde, liegen eigentlich schon lange hinter uns.“



Die beiden höchsten Repräsentanten der Volkskirchen in Deutschland – Erzbischof Robert Zollitsch, Vorsitzender der Deutschen Katholischen Bischofskonferenz, und Präses Nikolaus Schneider, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland – betonten indes die bereits gelebte Gemeinschaft auf Gemeindeebene und die Bedeutung dessen, dass die Kirchen in der Gesellschaft gemeinsame Positionen vertreten.



„Wir wachsen schon jetzt real zusammen und aufeinander zu, dadurch dass wir in den Gemeinden Ökumene leben,“ so Präses Schneider.



„Wer gut zusammenarbeitet, findet auch immer mehr im Herzen und in den Überzeugungen zusammen,“ ergänzte Erzbischof Zollitsch. Zum Thema Abendmahl sagte er: „Ich habe durchaus Hoffnung auf eine Überraschung noch zu meinen Lebzeiten, wo wir sagen: da ist uns mehr geschenkt, als wir zu hoffen wagten.“



„Mauern können von einem Tag auf den anderen fallen“, sagte Tveit unter Verweis auf die Berliner Mauer, deren Fall im November 1989 für viele völlig unerwartet kam. „Daher geht es in der ökumenischen Bewegung darum, stetig weiter zu machen, hartnäckig dran zu bleiben, solange bis die Mauern fallen, die uns daran hindern gemeinsam Abendmahl zu feiern.“



„Es gibt theologische Gründe für die jetzige ökumenische Situation, aber es gibt noch wichtigere theologische Gründe dafür, dass wir weitergehen müssen“ sagte Tveit in der abschließenden Gesprächsrunde. „ Es gibt auch eine ethische Verpflichtung für ein gemeinsames christliches Zeugnis. Das wir das tun können, diese Hoffnung teile ich.“



Generalsekretär Tveit und weitere ÖRK-Vertreter/innen sind auf dem Kirchentag auch an ökumenischen Feiern und Veranstaltungen zu den Themen soziale Gerechtigkeit, Gewalt überwinden, Mission und die sich verändernde ökumenische Landschaft beteiligt.



Pressemitteilung des ÖRK - http://www.oikoumene.org/de/

14.5.2010