Debatte um gemeinsames Abendmahl - Bischöfe mahnen auf Kirchentag zur Geduld

Nachricht 14. Mai 2010

München/Oldenburg (epd). Auf dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München wird kontrovers über das Abendmahl diskutiert. Reform- und Basisgruppen fordern eine sofortige Aufhebung der Trennung zwischen Katholiken und Protestanten bei der wichtigen christlichen Glaubenspraxis. Es gebe keine theologischen Hürden mehr, hieß es. Der amtierende Vorsitzende des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, sagte dagegen im Deutschlandradio Kultur, es werde noch einige Zeit benötigen, einige schwierige Fragen zu lösen, wie die Frage des Amtsverständnisses, die Frage des Kirchenverständnisses und die Frage des gemeinsamen Abendmahls.

"Da müssen wir uns auch gegenseitig die Zeit geben, diese dicken Bretter zu bohren", sagte der EKD-Ratsvorsitzende. Schneider: "Der Wunsch nach einem gemeinsamen Abendmahl entspringt dem Wunsch unserer Gemeinden. Unsere Gemeindemitglieder leben Ökumene und fragen sich dann, warum sie am Tisch des Herrn nicht zusammensitzen sollen."

Der evangelische Bischof der württembergischen Landeskirche, Frank Otfried July, wünscht sich ein gemeinsames Abendmahl mit katholischen Bischöfen: "Ich wünsche mir, dass ich mit meinem katholischen Kollegen zu meinen Lebzeiten gemeinsam Eucharistie feiern kann." Er wisse, dass viele Christen beider Konfessionen für ein gemeinsames Mahl am Tisch des Herrn beten und darauf hoffen, sagte July. Allerdings müsse man respektieren, dass die katholische Kirche an dieser Stelle noch große Fragen und Bedenken habe, sagte der Landesbischof der evangelischen Agentur für Privatfunk in Württemberg.

Dorothea Sattler, Leiterin des Ökumenischen Institutes der katholisch-theologischen Fakultät Münster, zeigte sich auf dem Kirchentag skeptisch zu einer Abendmahlsgemeinschaft von Katholiken und Protestanten. Sie persönlich glaube kaum, dass sie diese noch erlebe. Allerdings zeige sich auf dem Kirchentag in München eine hohe Bereitschaft, auch "heiße Eisen" in der Ökumene anzufassen.

Ein gemeinsames Abendmahl wird sich nach Ansicht des Bischofs der evangelischen oldenburgischen Landeskirche, Jan Janssen, bald von selbst ergeben. "Auf dem Kirchentag treffen Geistesverwandte aufeinander, die nicht nach Konfession oder Herkunft fragen, sondern miteinander feiern wollen, auch das Abendmahl", sagte er am Rande des Kirchentages dem epd.

Nach Ansicht des bayerischen evangelischen Landesbischofs Johannes Friedrich kann ein Zwischenschritt zu einer gemeinsamen Abendmahlsgemeinschaft der gegenseitige Besuch beim Abendmahl sein. Der katholische Bischof Gebhard Fürst von der Diözese Rottenburg-Stuttgart wies auf die Eucharistie-Enzyklika von Papst Johannes Paul II. hin. Darin habe der Papst betont, dass es ein "Grund zur Freude" sei, dass manche Christen anderer Konfessionen an der römisch-katholischen Eucharistie teilnehmen.

Kardinal Karl Lehmann warnte unterdessen vor Resignation in der evangelisch-katholischen Ökumene. "Ökumene braucht einen langen Atem", sagte der Mainzer Bischof und frühere Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz in München. Mit den bisher erreichten Ergebnissen dürften sich die Christen und Kirchen nicht zufrieden geben. "Wir wollen ausloten, welche neuen Spielräume sich für die Ökumene auftun, um gegenwärtige Lähmungen zu überwinden."

In der Annäherung der Konfessionen gilt das unterschiedliche Abendmahlsverständnis bei Protestanten und Katholiken als großes Hindernis. Katholiken ist der Empfang des Abendmahls in einer evangelischen Kirche nicht gestattet. Nach katholischer Lehre wird in den evangelischen Kirchen dieses Sakrament nicht gültig gespendet. An der katholischen Eucharistiefeier dürfen in der Regel nur katholische Christen teilnehmen. Ausnahmen gelten etwa in "schweren Notlagen" wie Todesgefahr. Dann können katholische Priester das Sakrament der Eucharistie auch anderen Christen spenden.

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14.5.2010