Kirchen protestieren gegen geplante Neonazi-Demonstration in Hildesheim

Nachricht 12. Mai 2010

Hildesheim (epd). Das Europäische Michaelisfest in Hildesheim steht nach Angaben der Michaelisgemeinde unter dem Schatten einer Neonazi-Kundgebung, die für den 5. Juni angemeldet ist. "Das ist ein politisches Ärgernis allererster Güte für die Stadt und die Kirche", sagte Superintendent Helmut Aßmann am Mittwoch dem epd. Die evangelische und katholische Kirche laden zu einem großen "Mittagsgebet" auf dem Marktplatz ein, mit bis zu 100 Delegierten christlicher Kirchen aus neun europäischen Ländern. Zeitgleich rufe die rechtsextreme Initiative "Zukunft statt Überfremdung" zu einem Marsch durch die Innenstadt auf. 

"Wir haben uns nach langen Überlegungen entschieden, an unserem Programm festzuhalten, das wir seit zwei Jahren planen", sagte Aßmann. Das Mittagsgebet solle jetzt Anlass sein, "um gegen rassistisches und nationalistisches Gedankengut zu protestieren". Die Kirchen wollten den rechten politischen Kräften nicht das Feld überlassen. Ihr Vorbild sei der Namenspatron der evangelischen Michaeliskirche, der Erzengel Michael. Der streitbare Kämpfer trete mit dem Schwert für die Sache Gottes ein: "Mit ihm als Symbol werden wir deutlich machen, was gut und was böse ist", betonte Aßmann.

Unter dem Namen "Keine Zukunft für Nazis" hat sich bereits ein breites Bündnis aus Kirchen, Gewerkschaften, Politikern, Schulen und anderen Einrichtungen gebildet. Es will nach eigenen Angaben mit Gegenkundgebungen ein Zeichen gegen Rassismus und Faschismus setzen. Aßmann betonte, dass die Kirchen das Bündnis inhaltlich mittrügen, auch wenn ihr Schwerpunkt an diesem Tag an einer anderen Stelle liege. 

Falls die Neonazi-Demonstration nicht doch noch von der Stadt verboten werde, träfen die Besucher auf Demonstranten, Gegendemonstranten, Absperrungen und ein großes Polizeiaufgebot, sagte Aßmann: "Der destruktive Effekt der Nazidemo ist schon jetzt erheblich." Kinderchöre, die am Open-Air-Mittagsgebet teilnehmen wollten, hätten bereits abgesagt. "Als Kirchen bauen wir darauf, dass die Stadt nicht nur eine entschlossene Haltung gegen neonazistische Demonstranten äußert, sondern auch mit Taten gegen sie vorgeht."

Das Michaelisfest vom 4. bis 6. Juni gilt nach Angaben der Kirchen als Höhepunkt des 1.000-jährigen Bestehens der Michaeliskirche, die zum Weltkulturerbe zählt. Es werden auch Vertreter der anglikanischen Kirche in England und der griechisch-orthodoxen Kirche erwartet. Den Abschluss bildet ein ökumenischer Gottesdienst, in dem die "Hildesheimer Erklärung Michaelis 2010" unterzeichnet werden soll. In diesem Aufruf wollen Christen "Position gegen wissenschaftliche, moralische oder politische Anmaßungen beziehen", sagte Aßmann.

Internet: www.michaelis2010.de

epd lnb mil sel/12.5.2010
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