Erster Neubau einer liberalen Synagoge in Deutschland beginnt am Freitag

Nachricht 06. Mai 2010

Hameln (epd). In Hameln beginnt an diesem Freitag der erste Neubau einer liberalen Synagoge in Deutschland. "Durch unermüdliches Engagement von vielen Menschen wird dieser Traum nun bald sichtbar wahr", sagte die Vorsitzende der liberalen jüdischen Gemeinde, Rachel Dohme, am Donnerstag dem epd. Das neue Gemeindezentrum soll für rund eine Million Euro am Standort der früheren Synagoge entstehen und im Februar 2011 eingeweiht werden.

Die alte Synagoge war in der Reichspogromnacht am 9. November 1938 von den Nationalsozialisten zerstört und wenig später auf Kosten der damaligen jüdischen Gemeinde abgerissen worden. "72 Jahre nach der Zerstörung unserer Synagoge durch krankhaften Rassenwahn werden wir ein Zentrum für unsere Gottesdienste, jüdisches Leben und die Begegnung mit anderen Religionen errichten", sagte Dohme.

An Kosten beteiligen sich die Stadt Hameln und der Landkreis Hameln-Pyrmont mit einem Drittel. Ein weiteres Drittel kommt vom Land. Den Rest bringt die "Stiftung Liberale Synagoge Hameln" aus Spenden und Darlehen auf. Mehrere Firmen beteiligen sich außerdem mit Sachspenden an der Innenausstattung.

Das Gemeindezentrum nach Plänen des Mindener Architekten Frank Taylor werde sowohl religiösen als auch weltlichen Zwecken dienen, sagte Dohme. Neben den Gottesdiensten soll es Vorträge und Konzerte geben. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) hat bereits sein Interesse signalisiert, an der Einweihungsfeier teilzunehmen. Die Hamelner liberale jüdische Gemeinde hat rund 200 Mitglieder, überwiegend Zuwanderer aus Russland.

Im vergangenen Jahr war in Hannover ein ehemaliges evangelisches Gemeindezentrum zu einer liberalen Synagoge umgebaut worden. Die liberale jüdische Gemeinde Göttingen ließ im November 2008 eine alte Fachwerk-Synagoge aus dem Weserdorf Bodenfelde in die Universitätsstadt versetzen und wieder aufbauen. Kennzeichen des liberalen Judentums ist die Gleichberechtigung der Frau in allen religiösen Belangen.

Internet: www.jghreform.org

epd lnb mig mir/6.5.2010
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