Stellvertretender Bischof Jantzen befürwortet religiösen Amtseid von Aygül Özkan

Nachricht 02. Mai 2010

Volkenroda/Hannover (epd). Der stellvertretende hannoversche Landesbischof Hans-Hermann Jantzen hat den religiös gefassten Amtseid der neuen niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) befürwortet. "Ich kann darin nichts Verwerfliches sehen", sagte er am Sonntag in einem evangelischen Gottesdienst im thüringischen Volkenroda. Die Muslimin Özkan hatte ihren Amtseid mit den Worten "So wahr mir Gott helfe!" bekräftigt. Dies hatte zu einer Diskussion über das unterschiedliche Gottesbild von Christen und Muslimen geführt. Die türkischstämmige Juristin war in der vergangenen Woche als erste muslimische Ministerin in Deutschland im Landtag in Hannover ins Amt eingeführt worden. 

"Natürlich lässt sich theologisch viel über die gravierenden Unterschiede im christlichen und muslimischen Gottesbild sagen", führte Jantzen aus. "Aber ist es in diesem Fall nicht wichtiger, dass eine Ministerin ihre politische Verantwortung in einen weiteren Horizont stellt als den, der durch menschliche Interessen und Parteiprogramme vorgezeichnet ist?" Jantzen unterstrich damit die Linie der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Diese hatte erklärt, dass der Bezug auf Gott in der Eidesformel und in der Präambel des Grundgesetzes nicht exklusiv an das christliche Gottesverständnis gebunden sei.

Der Lüneburger Regionalbischof Jantzen sprach anlässlich der 4. Ökumenischen Christuswallfahrt, die am Sonntag im Kloster Volkenroda eröffnet wurde. In seiner Predigt plädierte er für ein Zusammenwirken der christlichen Konfessionen in "versöhnter Verschiedenheit". Das Jesuswort "In meines Vaters Haus sind viele Wohnungen" sei eine heilsame Mahnung an die Kirchen in der Welt: "Keine für sich ist Bauherr des göttlichen Mehrfamilienhauses. Keine kann die Hausordnung diktieren." Christinnen und Christen bildeten vielmehr eine "weltweite Wohngemeinschaft". Im Kloster Volkenroda wurde 2001 der Christuspavillon der Kirchen von der Expo 2000 in Hannover neu aufgebaut.

Volkenroda ist zudem durch einen mehr als 300 Kilometer langen Pilgerweg mit dem Kloster Loccum in Niedersachsen verbunden. Pilgerschaft sei ein Wesensmerkmal des christlichen Glaubens, sagte Jantzen: "Die Wohnungen im Haus des Vaters sind nicht dazu gedacht, dass wir uns häuslich niederlassen. Sie sind kein Altersruhesitz. Wir bleiben unterwegs." Die Pilgerbewegung habe diesen Gedanken aufgegriffen und in der evangelischen Kirche zu neuem Leben erweckt. Jantzen hatte Ende Februar nach dem Rücktritt von Margot Käßmann die Amtsgeschäfte des Bischofsamtes in Hannover übernommen.

epd lnb mig/2.5.2010
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