Kirchlicher Sozialexperte für starke Gewerkschaften

Nachricht 29. April 2010

Hannover (epd). Der Leiter des Sozialwissenschaftlichen Instituts der Evangelischen Kirche in Deutschland, Gerhard Wegner, hat zum "Tag der Arbeit" die Bedeutung der Gewerkschaften betont. "Die Realisierung gerechter Teilhabe für möglichst viele Menschen in Deutschland ist ohne starke Gewerkschaften kaum möglich", schreibt Wegner in einem Gastbeitrag der "Evangelischen Zeitung", die am Wochenende in Hannover und Hamburg erscheint.



In Deutschland sei jedoch der Anteil der Mitglieder gering, so Wegner. Er habe im Jahr 2004 bei nur 22 Prozent der Beschäftigten gelegen, während in Schweden sogar 76 Prozent gewerkschaftlich organisiert waren. Ein Grund dafür sei das generell wachsende Desinteresse an Organisationen wie auch den Parteien und den Kirchen. Jedoch seien auch die Gewerkschaften herausgefordert, sich zu erneuern.



"Sitzungen, Gremien, Kampagnen vor allem aber das Einordnen in die Organisationsdisziplin, ist wenig sexy", schreibt Wegner. Das Umfeld der Gewerkschaften habe sich stark verändert. So versprächen sich gerade jüngere, gut qualifizierte Arbeitskräfte in befristeten Stellen wenig Unterstützung von ihnen. "Wollen die Gewerkschaften ihre klassische Funktion der Interessenvertretung der Arbeitnehmer in Zukunft beibehalten, so müssen sie sich für neue Schichten und Milieus, für Individuen, kreative Einzelne und Hochqualifizierte öffnen."



Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat den "Tag der Arbeit" am 1. Mai bundesweit unter das Motto "Wir gehen vor! Gute Arbeit. Gerechte Löhne. Starker Sozialstaat" gestellt. Allein in Niedersachsen sind nach DGB-Angaben rund 65 Veranstaltungen geplant. Zu den Rednern gehören der ver.di-Vorsitzende Frank Bsirske in Hannover, der IG-Metall-Vorsitzende von Niedersachsen und Sachsen Anhalt Hartmut Meine in Salzgitter und der DGB Landesvorsitzende Hartmut Tölle in Braunschweig.



epd lnb mir mil / 29. April 2010

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