Bischof Weber: Özkan-Äußerungen "gut gemeint, aber schlecht gemacht"

Nachricht 26. April 2010

Hannover/Braunschweig (epd). Die Forderung der designierten niedersächsischen Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) nach einem Kruzifixverbot ist aus Sicht des evangelischen Ökumene-Bischofs Friedrich Weber "gut gemeint, aber schlecht gemacht". Vermutlich seien die Äußerungen vor allem an die Muslime gerichtet, sagte der braunschweigische Landesbischof am Montag im epd-Gespräch. Sie habe Menschen mit Migrationshintergrund deutlich machen wollen, dass Staat und Religion in Deutschland getrennt seien.



Als künftige Sozialministerin habe Özkan allerdings kein Mandat, sich zu einer Frage zu äußern, für die das Kultusministerium zuständig sei. Außerdem sei der Vorstoß politisch nicht abgestimmt gewesen, sagte Weber, der auch Catholica-Beauftragter der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD). Özkan liege mit ihrer Position auf der Linie des Verfassungsurteils von 1995 mit dem sich der Staat zur religiösen Neutralität verpflichtet habe.



Allerdings müsse gegenüber diesem Urteil auch die positive Religionsfreiheit in Deutschland geltend gemacht werden, sagte Weber: "Menschen haben ein Recht, ihre Glaubensüberzeugung öffentlich darzustellen." Zudem sei das Kreuz nicht nur ein Symbol der Kirche: "Der Staat erinnert damit an seine Herkunft." Und dazu gehöre ganz entscheidend das christliche Erbe.



Deshalb fänden sich Kreuze auch in den Wappen vieler Städte und Gemeinden und an zahlreichen Bauwerken. Diese Kreuze könnten als Folge des Verfassungsurteils von 1995 auch nicht einfach alle abmontiert oder gestrichen werden. Ob eine Sozialministerin Christin oder Muslimin sei, spiele für ihn keine Rolle, wenn sie sich nur für die Integration von Zuwanderern einsetze, betonte Weber: "Ich erwarte aber auch, dass sie unsere Traditionen und Wurzeln anerkennt."



epd lnb mig mil / 26.April 2010

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