Künftige Ministerin Özkan für Kruzifixverbot an Schulen

Nachricht 26. April 2010

München/Hannover (epd). Die designierte niedersächsische Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) fordert ein Kruzifixverbot an öffentlichen Schulen und stößt damit auf Widerstand in ihrer eigenen Partei. "Christliche Symbole gehören nicht an staatliche Schulen", sagte Özkan dem Münchner Nachrichtenmagazin "Focus". "Die Schule sollte ein neutraler Ort sein." Kritik für ihren Vorstoß erntete die erste muslimische Ministerin in Deutschland von CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. Der künftige niedersächsische Kultusminister Bernd Althusmann (CDU) sagte bei einer kirchlichen Veranstaltung in Stade, der Bildungsauftrag der niedersächsischen Schulen basiere auf christlichen Grundwerten: "Und das wird auch weiterhin so bleiben."



Özkan hatte erklärt, ein Kind müsse selbst entscheiden können, wie es sich religiös orientiere. Darum hätten auch Kopftücher "in Klassenzimmern nichts zu suchen". Für Schulen in kirchlicher Trägerschaft solle allerdings kein Kruzifixverbot gelten.



Gröhe sagte der "Neuen Ruhr/Neuen Rhein Zeitung" (Montagsausgabe) zur Forderung der türkischstämmigen Politikerin: "Ich schätze Frau Özkan sehr, bin aber hier eindeutig anderer Meinung." Das Kreuz stehe auch für "die prägende Kraft des Christentums in unserer Kultur" und müsse daher nach Ansicht der CDU im öffentlichen Raum, auch in staatlichen Schulen, "selbstverständlich seinen Platz haben", erklärte Gröhe. "Kein Kind wird dadurch beschädigt."



Der stellvertretende hannoversche Landesbischof Hans-Hermann Jantzen sagte am Rande der Amtseinführung des neuen Stader Landessuperintendenten Hans Christian Brandy, die Landeskirche freue sich über die Ernennung Özkans: "Eine Ministerin mit Migrationshintergrund tut unserem Land gut." Allerdings sei er sehr erstaunt über ihre Forderung nach einem Kruzifixverbot: "Unser Land darf seine kulturellen Wurzeln nicht verleugnen."



Wie der "Focus" berichtet, wird Özkan seit Donnerstag von Personenschützern der Hamburger Polizei und des Landeskriminalamtes Niedersachsen (LKA) begleitet. Nach mehreren Drohungen habe das LKA in Hannover ein Sicherheitskonzept erstellt, das unter anderem Leibwächter vorsehe. In mehreren E-Mails und Internet-Foren hätten Unbekannte nach der Berufung der Ministerin gedroht, "es passiert etwas", wenn sie den Ministerposten annehme.



epd lnb bas mil / 25. April 2010

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