Menschenkette gegen Atomkraft - 120.000 Menschen protestieren in Norddeutschland

Nachricht 25. April 2010

Hamburg/Lüneburg (epd). In Norddeutschland haben am Sonnabend nach Polizeiangaben rund 120.000 Menschen gegen eine weitere Nutzung der Atomkraft demonstriert. Sie bildeten eine 120 Kilometer lange Menschenkette vom Kernkraftwerk Krümmel zum Meiler Brunsbüttel. SPD-Chef Sigmar Gabriel nannte die Menschenkette in Schleswig-Holstein und Hamburg einen "Riesenerfolg". Der von der Bundesregierung geplante Wiedereinstieg diene nicht dem Allgemeinwohl, sondern den Interessen der vier großen Atomkonzerne. Gabriel forderte eine ergebnisoffene Suche nach einem geeigneten atomaren Endlager. Die Festlegung auf Gorleben sei ein Fehler.



Die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Katrin Göring-Eckardt, sagte in Brunsbüttel, die hohe Beteiligung an der Menschenkette zeige, dass vielen Menschen der Atomausstieg "eine Herzensangelegenheit" sei. Die Bewahrung der Schöpfung sei ein bleibender Auftrag Gottes und keine Verhandlungsmasse. Es müsse Schluss sein mit dem "Quatsch von der Brückentechnologie", fügte die Grünen-Politikerin hinzu. Atomkraft sei eine Brücke in die Vergangenheit - ohne Geländer und mit maroden Brückenpfeilern.



Der stellvertretende hannoversche Landesbischof Hans-Hermann Jantzen sagte, die Landeskirche sehe in der Nutzung der Kernenergie keinen wirksamen Beitrag zum Klimaschutz. Sie sei auch keine Technologie, die im Sinn des biblischen Auftrags zur Bewahrung der Schöpfung verantwortet werde könne. Die Risiken seien unermesslich: "Wir halten die Atomtechnologie für nicht beherrschbar und im tiefsten Grunde für menschenverachtend."



Die größte evangelische Landeskirche in Deutschland habe die Sorge, dass die Regierungskoalition die mühsam erreichte Einigung auf einen baldigen Ausstieg aus der Atomenergie wieder infrage stelle. Deshalb protestiere die Kirche "gegen längere Laufzeiten der Risikomeiler und veralteten Kraftwerke", betonte der Lüneburger Landessuperintendent. Außerdem wehre sie sich gegen die alternativlose Weitererkundung des Salzstocks in Gorleben.



Internet: www.anti-atom-kette.de



epd lnb bas/mil mil / 25. April 2010

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