Eine Wunderbeere als Vorgeschmack auf die Ewigkeit

Nachricht 22. April 2010

Die Himmelsterrasse ist der Beitrag der Kirchen zur Landesgartenschau in Niedersachsen

Von Martina Schwager (epd)



Osnabrück (epd). Der Blick reicht bis weit hinaus zum Wiehengebirge. Ein kleines Café bietet Gelegenheit zum Ausruhen. Eine Bank, hineingebaut in eine überdimensionale Wabe, fordert auf, Platz zu nehmen und leise Musik oder Texte zu genießen. Sogar Wunderbeeren wachsen auf der Himmelsterrasse. "Wir laden ein zum Verweilen, Hören, Schauen und Staunen", sagt Projektleiter Ingo Scherbhoff, evangelischer Pastor im Kirchenkreis Melle. Die Himmelsterrasse ist der Beitrag der Kirchen zur vierten niedersächsischen Landesgartenschau in Bad Essen bei Osnabrück. Sie wird am Freitag von Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) eröffnet und dauert bis Mitte Oktober.



Unter dem Motto "Ein Bad im Blütenmeer" werden dann auf rund 22 Hektar Fläche mehr als 50 Themengärten, Gartenfestivals und Blumen-Schauen präsentiert. Schauplätze sind der historische Ortskern, der Kur- und Solepark, das ehemalige Hallenbad und das Schloss Ippenburg, das bereits seit Jahren eigene Gartenfestivals veranstaltet. Rund 400.000 Besucher werden insgesamt erwartet.



Eine besondere Attraktion ist bereits die Konstruktion der Himmelsterrasse. Sie ist aufgeschichtet aus 135 Kubikmetern Buchenholz-Scheiten und sieht aus wie ein überdimensionales Kaminholzlager. Oben erhebt sich ein mit Blumen geschmückter Altar aus Grassoden aus dem Boden. Für die Bepflanzung hat Projektleiter Scherbhoff Großpflanzen aus Italien kommen lassen. "Wir haben uns an den biblischen Pflanzen orientiert", erläutert Scherbhoff. Dattelpalmen, Feigenbäume oder Granatapfelbäume gebe es eben in Deutschland kaum.



Nur die Wunderbeere hat mit der Bibel nichts zu tun. Sie stammt aus Mittelamerika. Wer ihre Frucht oder ersatzweise Bonbons aus ihrem Extrakt lutscht, dem schmeckt danach 15 Minuten lang alles wunderbar süß, sogar eine Zitrone. "Das ist doch wie ein Vorgeschmack auf die Ewigkeit", meint der 31-Jährige lachend. "Wir wollen diesen Effekt nutzen und zum Beispiel in Andachten über das Thema Ewigkeit nachdenken." Tausende Pastillen sollen bis zur Eröffnung noch aus den USA eintreffen.



Ein besonderes Projekt verbirgt sich auch hinter dem Café, das jeweils von freitags bis sonntags von 12 bis 17 Uhr geöffnet sein wird. Die Diakonie im Kirchenkreis Melle will dort Langzeitarbeitslosen eine Chance geben, sich für den Arbeitsmarkt zu bewähren. "Dafür haben wir lange gekämpft, denn eigentlich gibt es für die gesamte Landesgartenschau einen eigenen Caterer", berichtet Scherbhoff.



Ein Kreuz sucht der Besucher auf der Himmelsterrasse zumindest auf den ersten Blick vergeblich. Auf der Erde sind jedoch große beschriftete Sandsteine kreuzförmig angeordnet. Auf den Steinen sind Worte zu lesen wie "glauben", "lieben", "staunen". "Wir wollen die Besucher nicht mit unserer Botschaft erschlagen, sondern eher leise darauf aufmerksam machen", sagt Scherbhoff. Die Himmelsterrasse liegt ganz am Ende des Rundgangs. Das betrachtet Scherbhoff durchaus als Chance. "Da geht man nicht einfach vorbei, sondern hält eher noch mal inne."



Zudem ist die Kirche mit mehr als 250 von insgesamt rund 700 Veranstaltungen sogar Hauptveranstalter der Gartenschau. "Musik, Gottesdienste, Theater, Ausstellungen, Lesungen und Aktionen rund um Blumen und Pflanzen, Gärten und Paradiese, Himmel und Gottes vielfältige Schöpfung erwarten die Besucher", sagt Scherbhoff, der mit einer halben Stelle vom Kirchenkreis für die Landesgartenschau freigestellt ist. Mehr als 2.000 Menschen sind insgesamt beteiligt. Andachten und Gottesdienste sind ausnahmslos ökumenisch. Die katholische Kirche ist Mitorganisator der Himmelsterrasse. Eingeweiht wird sie im Rahmen eines Gottesdienstes am Sonntag, 2. Mai um 14 Uhr mit dem evangelischen Regionalbischof Burghard Krause.



Internet: www.himmelsterrasse.de, www.landesgartenschau-badessen.de



epd lnb mas mir/mil / 20./22. April 2010

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