Gedenkfeier in Bergen-Belsen erinnert an Befreiung des Konzentrationslagers

Nachricht 18. April 2010

Wulff: Jeder Form der Gewalt und Verfolgung entgegentreten

Bergen-Belsen/Kr. Celle (epd). Mit einer Gedenkfeier im niedersächsischen Bergen-Belsen haben am Sonntag fast 200 Überlebende sowie Vertreter von Politik und Gesellschaft an die Befreiung des Konzentrationslagers vor 65 Jahren erinnert. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) rief dazu auf, jeder Form von Gewalt, Unterdrückung, Ausgrenzung und Verfolgung entgegen zu treten. Diese Aufgabe erwachse aus dem Auftrag der Überlebenden, die Erinnerung weiterzutragen.

Auf dem Gelände der Gedenkstätte bei Celle erinnerte Wulff an die 52.000 Häftlinge des Konzentrationslagers und die 20.000 Kriegsgefangenen, die dort seit 1941 umkamen. "Unendlich viele Lebenszusammenhänge wurden zerstört." Nur die Überlebenden wüssten, welchen Unterschied ein Tag, Stunden oder auch nur Minuten vor und nach der Befreiung durch britische Truppen am 15. April 1945 ausgemacht hätten.

Die Überlebenden waren in Begleitung von Ehepartnern, Kindern und Enkeln aus aller Welt nach Deutschland gereist. Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) würdigte ihr Kommen: "Ihre Anwesenheit an der Gedenkveranstaltung ist eine große Geste." Als Zeitzeugen hätten die Überlebenden der Lager maßgeblich zur Aufklärung über die Verbrechen des NS-Regimes beigetragen. Sie hätten damit entscheidende Anstöße für die Errichtung von Gedenkstätten an den authentischen Orten gegeben.

Die Stimmen der Zeitzeugen verstummten eines Tages, sagte Neumann. Dann werde es schwerer jungen Menschen zu vermitteln, wie wichtig Zivilcourage und Mut seien. Gedenkstätten wie Bergen-Belsen komme dann eine wichtige Rolle dabei zu, die Erinnerung wachzuhalten und die Verantwortung aus dem Geschehenen auch nachfolgenden Generationen bewusstzumachen. "Für die Bundesregierung kommt dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus eine unvergleichlich hohe Bedeutung zu - jetzt und für alle Zeit."

Der Präsident des Weltverbandes der Bergen-Belsen-Überlebenden, Sam Bloch, warnte vor dem Vergessen. "Die Lehren des Holocaust dürfen nicht zu einer Fußnote der Geschichte verkommen", sagte er: "Das Vergessen ist nicht nur Verrat an der Vergangenheit, sondern auch an der Gegenwart und Zukunft." Manfred Böhmer vom Niedersächsischen Landesverband der Sinti und Roma erinnerte an den Völkermord an den Sinti und Roma, der in Deutschland lange Zeit nicht zur Kenntnis genommen worden sei. Erst 1982 habe die damalige Bundesregierung diesen Völkermord offiziell anerkannt. 

In einer Grußbotschaft warnte der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, vor einem Wiedererstarken des Antisemitismus auch in Europa. Er selbst konnte nicht kommen. Ursprünglich sollte auch Andrzej Przewoznik, der Generalsekretär des Rates zum Schutz des Gedenkens an Kampf und Martyrium in Polen, sprechen. Er gehört jedoch zu den 97 Opfern des Flugzeugunglücks von Smolensk vom 10. April, die mit dem polnischen Präsidenten Lech Kaczynski auf dem Weg zu einer Gedenkfeier in Katyn waren.

Der braunschweigische Landesbischof Friedrich Weber erinnerte bei einer weiteren Gedenkveranstaltung am Wochenende auch an die Schuld, die christliche Kirchen während des Nationalsozialismus auf sich geladen hätten. Es habe lange gedauert, bis die Kirchen "zur Buße im Blick auf ihr eigenes Versagen" gekommen seien, sagte der Bischof, der auch Ratsvorsitzender der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen ist. "Weil dieser Lernprozess noch lange nicht an sein Ende gekommen ist, müssen Erinnerungen bewahrt, authentische Orte erhalten und Verantwortung übernommen werden, müssen Gedenkveranstaltungen wie diese stattfinden."

epd lnb mir jön/18.4.2010
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