Am „Tag der Bahnhofsmission“ feiern 140 Mitglieder am Hildesheimer Bahnhof ihr 100. Jubiläum

Nachricht 17. April 2010

Ein Ehrentag für stille Helfer

Sie sind in stiller Weise immer da, gehören auf den Bahnhöfen einfach dazu – aber so sichtbar wie an diesem Vormittag sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahnhofsmission selten. Gut 140 fröhlich plaudernde Menschen in blauen Weste steigen aus Zügen, begrüßen einander und tummeln sich bei belegten Brötchen und Kaffee auf dem Bahnsteig. Angereist sind diese Gäste aus ganz Norddeutschland – unter anderem aus Braunschweig, Emden, Göttingen, Osnabrück, Lüneburg und Halberstadt. 

„Von dort haben die Kollegen auch extra Würstchen mitgebracht“, sagt Barbara Ziegler und strahlt in die Runde. Als Geschäftsführerin der Landesgruppe Hannover hat sie Kollegen aus 18 Missionen zur Sternfahrt nach Hildesheim eingeladen, schließlich gilt es ein zentrales Jubiläum zu feiern. „100 Jahre besteht die Bahnhofsmission nun als ökumenische Einrichtung – ein idealer Termin, um mal zusammenzukommen. Viele Kollegen kennen sich, weil man hin und wieder beieinander vorbeischaut, wenn man zufällig auf den entsprechenden Bahnhöfen ist. Aber heute können wir wirklich miteinander feiern, uns nach Herzenslust austauschen und neue Menschen aus anderen Regionen kennen lernen.“

„Grenzen überwinden“ heißt dementsprechend das Motto des bundesweiten „Tages der Bahnhofsmission“, wobei Barbara Ziegler vor allem eins wichtig ist: Bei all der Freude kann an einem solchen Tag auch die engagierte Leistung der zahlreichen, oft ehrenamtlichen Mitarbeiter angemessen gewürdigt werden. „Es ist schön, dass wir dafür Öffentlichkeit bekommen, denn die Bahnhofsmissionen bieten wirklich vielfältigste Hilfe. Wenn einmal ein Knopf angenäht werden muss ebenso wie bei wirklich schweren Notlagen.“

Und so werden die sonst so stillen Helferinnen und Helfer von Fernsehkameras und Fotografen umringt, während sie sich vor dem Hildesheimer Bahnhof versammeln. Hier findet auch die ökumenische Andacht statt, die vom katholischen Stadtdechanten Wolfgang Voges aus Hildesheim und seinem evangelischen Kollegen Superintendent Helmut Aßmann geleitet wird. sich für Mitmenschen und die Gesellschaft im hohen Maße engagieren.“ 

Superintendent Helmut Aßmann legt in seiner Ansprache auf diese Leistung ein besonderes Augenmerk: „Der christliche Glaube hat da seine besten Momente, wo er die Welt nicht in Gut und Böse einteilt, sondern auf die notleidenden Menschen zugeht. Seit ihrer Gründung haben sich die Bahnhofsmissionen immer den Problemen gestellt, die sich im Bahnhof abzeichnen, sich nicht abgewendet, sondern aktiv Liebe, Glaube und Hoffnung gespendet – dafür gebührt ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern großer Dank und großer Respekt.“

Mit diesen stärkenden Worten im Rücken – und in strahlendem Festtags-Sonnenschein – machen sich die 140 Gäste anschließend auf in Richtung Michaelis-Kirche, die von allen gemeinsam besichtigt werden soll. Es ist eine fröhliche Prozession, die hier in ihren leuchtend blauen Westen aufbricht: Ein Zug von tatkräftigen Helfern, die an ihrem Ehrentag ausnahmsweise einmal selbst im Mittelpunkt stehen dürfen.

Hildesheim, 17.4.2010
Kultur & Kommunikation
Ralf Neite