Diakoniebeschäftigte in Niedersachsen fordern Tarifverträge

Nachricht 16. April 2010

Gifhorn (epd). Die Beschäftigten der Diakonie in Niedersachsen wollen von der Gewerkschaft ver.di ausgehandelte Tarifverträge. Die derzeit in der Diakonie gültigen Arbeitsvertragsrichtlinien (AVR) benachteiligten die Arbeitnehmer, sagte der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Mitarbeitervertretungen in Niedersachsen, Manfred Freyermuth, am Freitag in Gifhorn. Die Vollversammlung der Mitarbeitervertretungen habe beschlossen, den sogenannten Dritten Weg aufzugeben.

In Kirche und Diakonie gilt im Arbeitsrecht der "Dritte Weg". Im Gegensatz zum Lohndiktat des Arbeitgebers ("Erster Weg") und dem in Deutschland weit verbreiteten Tarifvertragssystem ("Zweiter Weg") sollen in Kirche und Diakonie die arbeitsrechtlichen Grundlagen sowie Lohn- und Gehaltsstrukturen partnerschaftlich nach dem Prinzip einer kirchlichen Dienstgemeinschaft geschaffen werden. Dazu entsenden beide Seiten ihre Vertreter in die Arbeitsrechtliche Kommission (ARK).

Die Arbeitgeber sehen keinen Grund den "Dritten Weg" zu verlassen. "Wir sind vom Erfolg des Systems überzeugt", sagte der stellvertretende Vorsitzende des diakonischen Arbeitgeberverbandes (DDN), Rüdiger Becker aus Neuerkerode, dem epd auf Nachfrage. Außerdem könnten nur die fünf evangelischen Landeskirchen in Niedersachsen den Ausstieg aus dem "Dritten Weg" auf ihren Synoden beschließen.

Becker warnte vor möglichen Nachteilen für die Beschäftigten in der Diakonie: Bei der Arbeiterwohlfahrt oder dem Paritätischen handle ver.di die Gehälter aus. Sie lägen alle unter denen der Diakonie.

Freyermuth sagte, aufgrund des steigenden Kostendrucks im Gesundheitssystem erhöhten die Arbeitgeber den Druck auf die Beschäftigten: "Wir fordern das Recht auf die Vertretung durch unsere zuständige Gewerkschaft und damit das Recht auf das Machtmittel des Streiks. Nur so können wir in Zukunft unsere Interessen mit dem erforderlichen Nachdruck vertreten."

Die Arbeitsvertragsrichtlinien könnten Freyermuth zufolge ohne Veränderungen in ein Tarifsystem überführt werden. Die derzeitige Arbeitsrechtliche Kommission sei noch ein Jahr im Amt. "Das ist Zeit genug, um in Ruhe den Dritten Weg zu verlassen und ein ordentliches Tarifsystem zu installieren."

Internet: www.ag-mav.de; www.ddniedersachsen.de

epd lnb jön mir/16.4.2010
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