Trauergäste aus Politik und Kirche nehmen Abschied von Bischof Josef Homeyer

Nachricht 11. April 2010

Hildesheim (epd). Mehr als 1.000 Trauergäste aus Politik, Kirche und Gesellschaft haben am Sonnabend in Hildesheim Abschied von dem verstorbenen früheren katholischen Bischof Josef Homeyer genommen. Der stellvertretende Vorsitzende der deutschen katholischen Bischofskonferenz, der Aachener Bischof Heinrich Mussinghoff, würdigte Homeyer als sozialpolitischen und kirchlichen Impulsgeber, der nie den Blick für die Menschen verloren habe. An der Trauerfeier in der Hildesheimer Basilika St. Godehard nahmen auch der niedersächsische Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) und der Hildesheimer Oberbürgermeister Kurt Machens teil.

Homeyer war am 30. März im Alter von 80 Jahren unerwartet nach einer Operation gestorben. Er stand von 1983 bis 2004 an der Spitze des Bistums Hildesheim mit rund 630.000 Katholiken im östlichen Teil Niedersachsens. Rund 50 Bischöfe und hohe Kirchenvertreter anderer christlicher Konfessionen gaben ihm in St. Godehard die letzte Ehre. Etwa 200 Priester des Bistums gingen den letzten Weg mit ihrem früheren Bischof. Homeyer wurde nach der Trauerfeier im nördlichen Querschiff der Kirche beigesetzt.

Bischof Mussinghoff sagte, Homeyer habe die einzelnen Menschen und die großen Zusammenhängen des kirchlichen, gesellschaftlichen und politischen Lebens gleichermaßen im Blick gehabt. Auf seinen Reisen in zahlreiche Länder habe er sich für Frieden und Verständigung eingesetzt. "Als Gläubiger liebte Bischof Homeyer die Menschen und das Leben, er konnte Nähe gewähren, war großzügig und konnte Vertrauen schenken", sagte Mussinghoff: "Seine gewinnende Art ließ manche Unrast und Ungeduld, die es auch gab, erträglich werden."

Homeyers Nachfolger Bischof Norbert Trelle erinnerte daran, dass Homeyer von den Trümmererfahrungen am Ende des Zweiten Weltkriegs geprägt worden sei. Als 16-Jähriger habe der Verstorbene das Kriegsende erlebt und diese Erfahrungen auch in seine Bischofszeit mit hinein genommen. "Sie wurden zur permanenten Antriebskraft für seine Glaubensverkündigung bei den Menschen, für seinen Dienst der Versöhnung unter den Völkern Europas, für sein Bemühen um weltweite Partnerschaften", sagte Trelle in seiner Predigt. Das Bistum dürfe dankbar sein für diesen Bischof.

Homeyer wurde 1929 in Harsewinkel bei Gütersloh als Sohn eines Bauern geboren. Er studierte katholische Theologie und Philosophie in Münster und Innsbruck, promovierte in Philosophie über ein Thema der Soziologie und wurde 1958 in Münster zum Priester geweiht. Nach Jahren als Seelsorger und Schulreferent in Westfalen wurde er 1972 Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz.

Als Hildesheimer Bischof gehörten die Jugendarbeit und die Verbindungen nach Osteuropa und Bolivien zu seinen besonderen Anliegen. Homeyer galt auch als Sozialexperte sowie als Förderer der Philosophie und spiritueller Gemeinschaften. 1997 gehörte er zu den maßgeblichen Autoren des gemeinsamen Sozialwortes der evangelischen und katholischen Kirche "Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit". Gegen Ende seiner Amtszeit unterzeichnete er aufgrund zurückgehender kirchlicher Finanzmittel ein Sparpapier, das tiefgreifende Einschnitte in die kirchliche Arbeit vorsah und das Bistum zukunftsfähig machen sollte.

Auf deutscher und europäischer Ebene engagierte sich Homeyer in vielen bischöflichen Gremien und erhielt mehrere Auszeichnungen, unter ihnen den Polnischen Verdienstorden, die Ehrendoktorwürde der Universität Hannover und die Niedersächsische Landesmedaille. Seine letzten Lebensjahre verbrachte Homeyer lesend und schreibend am Hildesheimer Domhof.

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10.4.2010