Bewegende Trauerfeier für getötete Soldaten

Nachricht 09. April 2010

Selsingen/Kr. Rotenburg (epd). In einem bewegenden Gottesdienst haben Angehörige, Freunde und Politiker am Freitag im niedersächsischen Selsingen um die drei deutschen Soldaten getrauert, die vor einer Woche in Nordafghanistan getötet wurden. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprach den Angehörigen bei dem zentralen Gedenkakt in der evangelischen St.-Lamberti-Kirche im Namen der Bundesrepublik ihr Mitgefühl aus. Die Soldaten hätten ihr Leben für die Sicherheit ihres Landes eingesetzt: "Ihnen gebührt meine Hochachtung und mein Dank." Merkel verneigte sich vor den drei aufgebahrten Särgen.

Sie könne verstehen, dass die Soldaten in Afghanistan von Krieg sprächen, sagte die Kanzlerin: "Es gibt keinen Abgeordneten und kein Regierungsmitglied, das nicht schon einmal Zweifel gehabt hätte, ob dieser Einsatz unabweisbar ist." Nur wer diesen Zweifel zulasse, können auch Verantwortung tragen.

"Ich stehe sehr bewusst hinter diesem Einsatz der Soldaten, weil er der Sicherheit unseres Landes dient", betonte Merkel. "Afghanistan soll nie wieder von Terroristen und Taliban beherrscht werden, die das Land zu einere Brutstätte des Terrors machen wollen." Die Anschläge von Madrid und London zeigten, das der Terror auch Europa bedrohe.

Der 35-jährige Hauptfeldwebel Nils Bruns aus dem niedersächsischen Stadtoldendorf, der 25-jährige Stabsgefreite Robert Hartert aus Freital in Sachsen und der 28-jährige Hauptgefreite Martin Augustyniak aus Bielefeld waren als Angehörige der in Seedorf stationierten Luftlandebrigade 31 erst seit Mitte März in Afghanistan. Nun standen ihre Särge in der mit etwa 600 Trauernden voll besetzten Kirche. 900 Soldaten bildeten zu Beginn des ökumenischen Gottesdienstes vor dem Eingang ein großes Ehrenspalier.

Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) schilderte sichtlich bewegt die Lebensläufe der Getöteten: "Sie haben ihr Leben verloren, als und weil sie im Namen ihres Landes, also auch für uns, überaus tapfer und mutig ihren Dienst geleistet haben." An die Angehörigen gewandt sagte der Minister: "Mit ihnen trauert ein Land, nicht verschämt, sondern gottlob offen." Was in Afghanistan geschehe, sei für ihn Krieg. Andere Soldaten kämpften weiter für Sicherheit. Dafür bräuchten sie die Unterstützung und den Rückhalt der deutschen Gesellschaft.

In der Traueransprache sagte der evangelische Leitende Militärdekan Armin Wenzel aus Kiel den Angehörigen: "Der Freitag vergangener Woche ist für Sie zu einem persönlichen Leidenstag geworden." Der Tod der Soldaten werfe die Frage auf, wie Gott das zulassen könne. Er zeige aber auch, wie sehr Afghanistan nach vielen Jahren des Krieges, der Menschenverachtung und des Hasses noch von Frieden, Gerechtigkeit und Rechtsstaatlichkeit entfernt sei.

Die drei Fallschirmjäger seien Vorbilder für viele Kameraden, betonte Wenzel. "Ich habe in den letzten Tagen viele Anrufe erhalten von Menschen, die den Gefallenen Dank und Anerkennung für ihr Eintreten für Recht und Freiheit ausgesprochen haben." Auch Bundeswehr-Generalinspekteur Volker Wieker und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) gaben den am Karfreitag nahe Kundus in einem Feuergefecht mit radikalislamischen Taliban getöteten Männern ein letztes Geleit.

Acht weitere Bundeswehrsoldaten sind bei den bisher schwersten Gefechten der deutschen Truppen mit Taliban-Kämpfern am 2. April im Unruhedistrikt Char Darah teilweise schwer verletzt worden. Auch afghanische Soldaten kamen ums Leben. Seit Beginn des deutschen Afghanistan-Einsatzes 2002 starben bisher insgesamt 39 Bundeswehrsoldaten.

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