Schritt für Schritt gegen Arbeitslosigkeit - Pilger wandern 850 Kilometer bis zum Kirchentag nach München

Nachricht 09. April 2010

von Karen Miether (epd)



Hannover/München (epd). Schritt für Schritt werben drei Pilger um Solidarität mit Arbeitslosen. Maren Warnecke, Steffen Siegert und Dieter Morawietz haben am Freitag ihre bisher längste Etappe angetreten. 35 Kilometer wandern sie von Hannover nach Peine. Es ist seit dem Start in Uelzen ihr fünfter Tagesmarsch in Folge. "Da brennen die Füße und die ersten von uns haben Blasen", sagt Morawietz. Doch sie sind erst am Anfang eines langen Weges mit ungewöhnlicher Mission. "Ziel 850 Kilometer Uelzen - München - Ökumenischer Kirchentag" haben sie sich auf Banner hinten an ihre Rucksäcke sticken lassen.



An 38 Orten auf dem Weg zum Christentreffen, das vom 12. bis zum 16. Mai in der bayerischen Landeshauptstadt gefeiert wird, wollen die Pilger aus Niedersachsen auch das Projekt Woltersburger Mühle aus Uelzen vorstellen. Auf dem historischen Mühlengelände am Rande der Stadt bauen dabei Arbeitslose ein Qualifizierungszentrum für Jugendliche auf, die ebenfalls ohne Job sind. "Beim Pilgern geht es um ein Miteinander, genauso wie bei der Mühle", sagt Maren Warnecke.



Unterwegs besuchen sie Initiativen für Erwerbslose. In Unterlüß bei Celle empfingen die Mitglieder eines Arbeitslosen-Stammtisches sie mit heißer Gulaschsuppe und zum Erfahrungsaustausch. Mit dem "Zentrum für integrative Berufsbildung" in Burgdorf bei Hannover haben sie Ideen für eine Zusammenarbeit entwickelt. "Ein Highlight wird ein Tag mit Initiativen wie dem Arbeitslosenchor 'La Bohème' rund um die Nikolaikirche in Leipzig werden", freut sich Maren Warnecke. "Wir wollen ein Netz spannen von Uelzen bis München", erläutert die 35-jährige Journalistin, die selbst seit gut einem Monat arbeitssuchend ist.



Die Pilger übernachten in Gemeindehäusern, in Privatquartieren und auch mal in einer Pension - zumeist auf Einladung. "Es gibt eine große Welle der Hilfsbereitschaft", sagt Dieter Morawietz (68). Zu Anfang ihres Weges habe der örtliche Bundestagsabgeordnete der CDU sie ein Stück begleitet. Die Abgeordnete der SPD habe ihnen Forellenbrötchen zur Stärkung gebracht. Weiteren Begegnungen sehen sie noch entgegen. So wollen sie sich in Magdeburg mit dem früheren Ministerpräsidenten Reinhard Höppner treffen. Über ihre Erfahrungen berichten sie in täglichen Blogs in Internet.



Steffen Siegert gab den Anstoß für die Tour. Der gelernte Facharbeiter für Glastechnik, der in der DDR Soziologie studierte, war 13 Jahre arbeitslos. "Die Woltersburger Mühle ist ein Kleinod", sagt der 48-Jährige über das Projekt der gemeinnützigen Initiative "Integration durch Arbeit (IDA)", die auch ihm neue Perspektiven eröffnet hat. Seit einem Jahr macht er die Öffentlichkeitsarbeit für IDA, noch ein weiteres Jahr wird diese Stelle gefördert. Mit dem Pilgerweg könne er jetzt seine Neugier und Abenteuerlust mit der Werbung für das Projekt verbinden, sagt er.



Beim Kirchentag werden die Pilger mit dem Theologen und IDA-Begründer, Gerard Minnaard, auf einem Podium zum Thema "Aufstehen im Alltag" vertreten sein. Mit kleinen Schritten könne jeder etwas zu einer solidarischeren Gesellschaft beitragen, ist Morawietz überzeugt. Der frühere Lebensberater engagiert sich ehrenamtlich für die Uelzener Initiative. In Hannover bittet Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann in der zentralen Marktkirche um den Segen für den Weg der Wanderer. Sie gibt ihnen besondere Pilgerzeichen mit: Anstecknadeln, die für soziale Projekte wie das Straßenmagazin "Asphalt" in der Stadt werben.



www.woltersburger-muehle.de




epd lnb mir mil / 9. April 2010

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