Babyklappen bleiben umstritten - Mehr Beratung für Schwangere gefordert

Nachricht 08. April 2010

Berlin/Hannover (epd). Babyklappen stehen in Deutschland auch im zehnten Jahr ihres Bestehens in der Kritik. Es gebe keine Hinweise darauf, das sie tatsächlich Leben retteten, sagte die Vorsitzende des Bundestags-Familienausschusses, Sibylle Laurischk (FDP), am Donnerstag in Berlin. Statistiken belegten, dass die Zahl der getöteten Babys seit Einführung der Klappen nicht zurückgegangen sei, unterstrich die stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Ethikrates, Christiane Woopen.



Die FDP-Bundestagsabgeordnete Laurischk will statt Babyklappen künftig mehr Beratung und Versorgung von Schwangeren: "Babyklappen sind kein Modell der Zukunft", sagte die Politikerin. Mütter bräuchten vielmehr Schutz und Unterstützung in einer Notsituation. Einen schleichenden Abbau von gut funktionierenden, bestehenden Beratungs- und Betreuungsstrukturen dürfe es daher nicht geben.



Die Kölner Medizinethik-Professorin Woopen hält ebenfalls den Ausbau der anonymen Beratung für sinnvoller als Babyklappen. Außerdem plädierte sie im Deutschlandradio Kultur für eine gesetzliche Grundlage für eine "vertrauliche Kindesabgabe". Der Ethikrat hatte im November vorgeschlagen, die bestehenden Beratungsangebote zu verbessern und ein Gesetz zur "vertraulichen Kindesabgabe mit vorübergehend anonymer Meldung" zu beschließen. Dabei wird der Frau zugesichert, dass ihre Daten ein Jahr lang ab der Geburt des Kindes nur der Beratungsstelle und nicht den Meldebehörden mitgeteilt werden.



Babyklappen helfen nach Ansicht von Woopen den anonym bleibenden Müttern zu wenig: "Sie gehen mit der ganzen Not auch wieder nach Hause." Woopen plädierte jedoch dafür, die Babyklappen nicht "überstürzt zu schließen".



Vor zehn Jahren war in Hamburg die erste Babyklappe eingerichtet worden, am 8. April 2000 lag zum ersten Mal ein Säugling in dem Wärmebettchen. Heute gibt es bundesweit fast 100 Babyklappen, 130 Krankenhäuser bieten anonyme Entbindungen an. Die Betreiber der Babyklappen wollen, dass ungewollt schwangere Frauen in Notsituationen nach der Geburt ihr Kind anonym in geschützte Obhut geben können. In Hannover wurde 2001 auf Initiative der damaligen evangelischen Bischöfin Margot Käßmann das Projekt "Mirjam - ein Netzwerk für das Leben" gegründet, das unter anderem ein "Babykörbchen" in einem Diakonie-Krankenhaus bereithält.



epd lnb bas mig / 8.April 2010

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