Bundeswehr plant Trauerfeier für tote Soldaten - Kirche verstärkt Seelsorge

Nachricht 06. April 2010

Seedorf/Kr. Rotenburg (epd). Für die in Afghanistan getöteten drei deutschen Soldaten aus dem niedersächsischen Seedorf plant die Bundeswehr an diesem Freitag eine Trauerfeier. Sie ist nach Medienberichten in der evangelischen St.-Lamberti-Kirche Selsingen unweit von Seedorf vorgesehen. Dazu wird Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) erwartet. Der evangelische Leitende Militärdekan Armin Wenzel aus Kiel soll die Traueransprache halten. Die drei Soldaten der Luftlandebrigade 31 waren am Karfreitag bei Kundus von Taliban getötet worden. Acht weitere Bundeswehrangehörige wurden zum Teil schwer verletzt.



Die Kirche in der Region hat unterdessen ihre Seelsorge verstärkt. "In der Kapelle der Luftlandebrigade ist ein Ort der Trauer eingerichtet worden", sagte der evangelische Militärpfarrer Bernd Göde am Dienstag dem epd. Göde steht auch den trauernden Familien der getöteten Soldaten zur Seite. Am Montag habe es bereits intensive Gespräche mit den Soldaten gegeben, die ihre getöteten Kameraden auf dem Flug in die Heimat begleitet hätten. "In der Truppe herrscht große Betroffenheit, der Gesprächsbedarf steigt", ergänzte der Theologe.



Die Bevölkerung rund um den Bundeswehr-Standort fühlt sich eng verbunden mit den Soldaten. So stehen die Fahnen vor der Kaserne in Seedorf und vielerorts auch in der Region auf Halbmast. "Gerade jetzt ist es wichtig, dass wir Anteil nehmen am Einsatz der Soldaten und ihnen und ihren Familien den Rücken stärken", sagte der Bürgermeister der benachbarten Stadt Zeven, Hans-Joachim Jaap (CDU). So wird in der Selsinger St.-Lamberti-Kirche nach Angaben von Gemeindepfarrer Andreas Paulig ein Kondolenzbuch ausgelegt.



Die Kirche wolle einen öffentlichen Ort der Besinnung und der Trauer schaffen, sagte Paulig dem epd. "In unseren Gedanken sind wir bei den drei Familien der gefallenen Soldaten", heißt es auf der ersten Seite des Buches. St. Lamberti wird den Angaben zufolge in den nächsten Tagen jeweils von 10 Uhr bis 18 Uhr für Gebete geöffnet. Der evangelische Superintendent der Region, Wilhelm Helmers, hatte die Gemeinden aufgerufen, schon in den Ostergottesdiensten für die Soldaten und ihre Familien zu beten.



Der Tod der deutschen und weiterer afghanischer Soldaten zeige, "wie unmöglich eine Befriedung mit militärischen Mitteln erscheinen muss", sagte Helmers. Er betrachte es nicht als Widerspruch, den Afghanistan-Einsatz kritisch zu sehen und gleichzeitig ganz nah bei den betroffenen Familien zu sein. Wer daraus einen Widerspruch konstruiere oder einen Keil zwischen Seelsorge und politische Verantwortung treibe, "möchte vielleicht auch von eigener Ratlosigkeit ablenken", sagte der leitende Theologe.



Internet: www.kirche-selsingen.de




epd lnb sel mig / 6. April 2010

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