Mehrere hundert Friedensaktivisten bei Ostermärschen

Nachricht 05. April 2010

Osnabrück/Bremen (epd). Mehrere hundert Friedensaktivisten haben an Ostern bei Ostermärschen in Niedersachsen und Bremen wieder gegen Krieg und Gewalt demonstriert. Im Mittelpunkt der Kundgebungen von Karfreitag bis Ostermontag stand unter anderem die Forderung nach einem Ende des Bundeswehr-Einsatzes in Afghanistan. Der Tod dreier in Niedersachsen stationierten Bundeswehrsoldaten am Karfreitag sei eine erneute Mahnung, den Krieg am Hindukusch zu beenden, sagten Sprecher der Friedensbewegung.



In Bremen demonstrierten am Sonnabend rund 500 Menschen, die Polizei sprach von 250. Dabei forderte die Bundestagsabgeordnete Christine Buchholz (Linke) ein Ende der Auslandseinsätze der Bundeswehr. Der Tod der drei Soldaten sei eine Folge der deutschen Afghanistan-Politik gewesen, sagte sie: "Es ist bitter, aber es war absehbar, dass weitere Soldaten sterben werden." Die drei getöteten Soldaten waren in der Nähe von Bremen stationiert. Sie gehörten zu Fallschirmbataillon 373 in Seedorf bei Rotenburg/Wümme. Bei der Kundgebung wandte sich der evangelische Pastor Harmut Drewes zudem gegen Rüstungsexporte. In keiner anderen deutschen Stadt sei die Rüstungsproduktion so dicht wie in der Hansestadt, kritisierte er.



Im Eichsfeld zogen am Ostermontag nach Angaben der Initiatoren rund 120 Menschen unter dem Motto "Krieg überwinden - Dialog auch mit dem Gegner" über die ehemalige innerdeutsche Grenze von Wehnde in Thüringen nach Duderstadt. Zwei Dutzend Friedensaktivisten fuhren am Ostermontag mit dem Fahrrad die 60 Kilometer lange Strecke zwischen Osnabrück und Münster, den Städten des "Westfälischen Friedens". Unter dem Motto "Atomwaffenfrei - Next Stopp New York" wollten sie nach Angaben von Initiator Johannes Bartelt für den Abzug der letzten zwanzig US-amerikanischen Atomwaffen aus Deutschland demonstrieren.



In Braunschweig beteiligten sich nach Angaben der Initiatoren am Sonnabend rund 200 Menschen an einem Fahrradkorso durch die Innenstadt. Sie forderten eine atomwaffenfreie Bundesrepublik sowie Frieden für Afghanistan und für Israel und Palästina. Mitinitiator Frieder Schöbel erinnerte daran, dass Braunschweig vor 50 Jahren einer der fünf Ausgangspunkte für den ersten deutschen Ostermarsch 1960 gewesen war. In Hannover sammelten Mitglieder des Friedensbüros am Ostersonntag vor der Neustädter Hof- und Stadtkirche Unterschriften gegen den Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan und gegen Militärkonzerte in Kirchen. Das christliche Gebot "Du sollst nicht töten!" werde weltweit durch Kriegseinsätze mit Füßen getreten, hieß es.



In Gorleben schmückten nach Angaben der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg rund 200 Menschen bei einem "Spaziergang" den Zaun des Erkundungsbergwerks für Atommüll mit bunten Ostereiern. Mit einem großen Styropor-Ei und dem Slogan "Atommüll in Gorleben - ach du faules Ei!" protestierten sie gegen Pläne von Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU), das Lager weiter auszubauen. Zwischen der Anti-Atom-Bewegung und der Friedensbewegung bestehe eine enge Verbindung, sagte Wolfgang Ehmke von der Bürgerinitiative. Sie seien "siamesische Zwillinge".



Bundesweit beteiligten sich in diesem Jahr nach Angaben des Netzwerks
Friedenskooperative mehrere zehntausend Menschen an mehr als 70 Orten an den Demonstrationen. Die traditionellen Ostermärsche fanden in diesem Jahr zum 50. Mal in der Bundesrepublik statt. Zum ersten Ostermarsch hatten sich Friedensaktivisten 1960 in Hamburg versammelt. Die Osteraktionen mit ihrer eindeutigen pazifistischen Zielsetzung stünden für den Mehrheitswillen der Bevölkerung und damit gegen die Parlamentsmehrheit, die nach wie vor an Auslandseinsätzen der Bundeswehr festhalte, erklärten die Veranstalter von der Informationsstelle Ostermarsch 2010. Das militärische Engagement in Afghanistan werde wider jede Vernunft ausgeweitet.



epd lnb bas/mig / 5. April 2010

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