Stichworte: Karwoche und Ostern

Nachricht 30. März 2010

Karwoche

Die Karwoche, auch stille oder heilige Woche genannt, leitet ihren Namen vom althochdeutschen kara = Wehklage, Trauer ab. In dieser Woche versenkt sich die christliche Gemeinde in ganz besonderer Weise in die Leidensgeschichte Jesu. Sie beginnt mit dem Einzug Jesu in Jerusalem, der im Matthäus-Evangelium mit diesen Worten geschildert wird (Kapitel 21): „Eine sehr große Menge breitete ihre Kleider auf den Weg; andere hieben (Palm-) Zweige von den Bäumen und streuten sie auf den Weg“. Von diesem biblischen Text leitet sich dann auch der Name dieses Sonntages ab: Palmarum: Palm-Sonntag. Bis weit hinein in das letzte Jahrhundert war der Palm-Sonntag übrigens der klassische Konfirmations-Termin.
 
Was den Gründonnerstag betrifft, so wird er in der Kirche als Tag der Einsetzung des Abendmahls durch Christus begangen. Woher die seit dem 12. Jahrhundert gebräuchliche Bezeichnung „Grün“-Donnerstag stammt, ist wissenschaftlich umstritten. Einige meinen, der Name leite sich von dem lateinischen „dies viridium“ = „Tag der Grünen“ ab. Mit „Grünen“ wären dann die Büßer gemeint, die an diesem Tag, in grüne Gewänder gekleidet, wieder in die Kirche aufgenommen wurden. Andere Erklärungen verweisen auf den Gebrauch grüner Paramente (Altar- und Kanzeltücher) oder das Essen grüner = bitterer Kräuter an diesem Tag. Auch wird bisweilen eine Ableitung von dem althochdeutschen „grinen“ = klagen angenommen. In jedem Fall lässt sich aber sagen, dass mit der Liturgie des Gründonnerstags, dem Vorbild Christi entsprechend (Johannes 13, 1-11), schon früh die Fußwaschung verbunden war. Sie wurde zunächst nur in Bischofskirchen an 12 alten Menschen vollzogen. Inzwischen ist sie allgemein in die Liturgie des Gründonnerstags eingefügt worden. Im Gedenken an diese „mandatum“ genannte Fußwaschung, der „Mandat-Feier“, bürgerten sich diverse Bräuche ein. So wurden seit dem 13. Jahrhundert Brotspenden, das sogenannte „Mandat-Brot“, von Klöstern oder auch Stadtobrigkeiten an Arme verteilt. Kinder erhielten Honigbrote und Lebkuchen.
 
Den Höhepunkt der Karwoche bildet der Karfreitag, an dem der Kreuzigung Christi gedacht wird. Gottesdienste zur Todesstunde Jesu (15.00 Uhr) werden dazu in vielen Kirchengemeinden angeboten. In der Reformation wurde dieser Tag als halber Feiertag mit Lesen und Predigen der Leidensgeschichte begangen. In Preußen war er später zeitweilig auch Konfirmationstag. Seit dem 19. Jahrhundert ist man in der evangelischen Kirche bestrebt, den Karfreitag als höchsten Feiertag im Bewusstsein der Gläubigen zu verankern. Zur Tradition des Karfreitags gehört dabei auch das Singen der Passionsgeschichte, das seit dem 4. Jahrhundert bezeugt ist. Noch heute werden an diesem Tag Passions-Kompositionen, etwa von Johann Sebastian Bach, aufgeführt.
 
Mit dem Karsamstag, dem Gedächtnis der Grabesruhe Jesu, geht die Karwoche zu Ende. Bis Karsamstag schweigen auch die Glocken. Von daher leitet sich der früher in ländlichen Gegenden gepflegte Brauch ab, dass Gruppen von Knaben mit hölzernen Klappern von Haus zu Haus zogen und damit zum Gottesdienst einluden. Als „Lohn“ erhielten sie dafür Eier oder dergleichen. Die Feier der Osternacht eröffnet dann die österliche Freudenzeit, die in dem Osterruf: „Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden“ ihren jubelnden Ausdruck findet.
 
(Aus: „1x1 des Kirchenjahres“ von Jörg Buchna)
 
 

Ostern

Das Fest der Auferstehung Christi hat in der Christenheit einen Namen jüdischer und einen heidnischer Herkunft. Der ältere ist „Pascha“ – benannt nach dem jüdischen Passa-Fest. Der jüngere Name „Ostern“ geht auf das germanische „Austro“ zurück. Die immer wieder behauptete Ableitung dieses Namens von einer angelsächsischen Göttin des Frühlings „Eostre“ ist nicht sicher. Vielleicht ist das altgermanische „Austro“ auch von „Aust“ = Ost abzuleiten.
 
Ursprünglich wurde Ostern übrigens an jedem Sonntag gefeiert als dem „Herrentag“, dem Tag der Auferstehung Christi. Der Ausgangspunkt des heutigen Osterfestes, das ab dem zweiten Jahrhundert gefeiert wurde, ist aber das christliche Passa-Fest, an dem ein jährlich wiederkehrendes Gedächtnis von Kreuz und Auferstehung Christi begangen wurde. Die hieraus erwachsene Osterfeier ist als Ursprung des Kirchenjahres anzusehen. Als Termin für dieses Osterfest wurde nach langen und heftigen Auseinandersetzungen durch das Konzil von Nicäa im Jahre 325 der erste Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond festgelegt. Daraus folgt, dass Ostern frühestens am 22. März, spätestens aber am 25. April gefeiert wird.
 
Mit dem Osterfest verbinden sich bis heute zahlreiche Bräuche, die zum Teil heidnischen Ursprungs sind. Das nimmt man etwa auch für die Osterfeuer an, die auf germanische Frühlingsfeuer zurückgehen sollen. Entsprechendes schließt man aus einem Brief des Papstes Zacharias an Bonifatius aus dem Jahre 751. Für eine feste Osterfeuer-Tradition gibt es erst seit dem 15. Jahrhundert Belege. Am geweihten Osterfeuer wurde auch die Osterkerze entzündet.
 
Was die Ostereier angeht, so ist die kirchliche Weihe derselben im Rahmen der österlichen Speisenweihe erstmals für das 12. Jahrhundert bezeugt. Aus dem 17. Jahrhundert stammen die ersten Nachweise, dass man Ostereier im Freien versteckte, sie durch Kinder suchen ließ und diesen erzählte, der Osterhase habe sie gelegt. Hinsichtlich der Osterhasen lässt sich belegen, dass es früher das Privileg gab, zu Ostern Hasen zu jagen. Es ist möglich, dass solche Bräuche in scherzhafte Verbindung zu den Ostereiern gebracht wurden und dann die Geschichte von dem eierlegenden Osterhasen entstand.
 
Die Herleitung des Osterlammes ist hingegen unzweifelhaft. So wurde zum jüdischen Passa-Fest nach 2. Mose 12,3 ff ein Lamm verzehrt. Barockes Erbe sind schließlich die auch heute noch im katholischen Alpenraum begegnenden Oster-Ritte um die Felder mit dem Pfarrherrn an der Spitze, die segnenden Charakter haben.
 
(Aus:  „1x1 des Kirchenjahres“ von Jörg Buchna)