Pläne für kirchliche Gesamtschule in Ostfriesland vorerst auf Eis gelegt

Nachricht 19. März 2010

Aurich (epd). Die Pläne für eine evangelische Integrierte Gesamtschule (IGS) in Ostfriesland sind zunächst auf Eis gelegt. Der Landkreis Aurich werde die Eltern in der Gemeinde Krummhörn erneut und detailliert informieren und anschließend nach ihren Wünschen befragen, sagte Kreisrat Frank Puchert am Freitag vor Journalisten. Als Alternative zur kirchlichen IGS solle im Landkreis das Modell einer staatlichen IGS mit Hauptsitz in Marienhafe bei Emden und einer Außenstelle in Pewsum geprüft werden. In den Orten Pewsum und Hinte hätte die erste evangelische IGS Niedersachsen gegründet werden sollen. 

Die Bürgermeister der beiden ostfriesischen Orte in der Region Krummhörn waren im vergangenen Jahr auf die hannoversche Landeskirche zugegangen, weil sie für die dortigen Haupt- und Realschulen aufgrund ihrer Schülerzahlen auf Dauer keine Überlebenschance sahen. Daraufhin hatte die Landeskirche ihrerseits Pläne für eine IGS an zwei Standorten entwickelt. Die kirchliche Schuldezernentin Kerstin Gäfgen-Track hatte aber erklärt, nicht gegen den Willen der Eltern und der Kommunen arbeiten zu wollen. Neben der Gemeinde Krummhörn plant auch die Stadt Wunstorf bei Hannover eine evangelische IGS. 

Kreisrat Puchert warf den Bürgermeistern von Pewsum und Hinte Aktionismus vor. Der Landkreis sei erst im Januar von den fortgeschrittenen Gesprächen mit der Kirche "überrascht" worden. Außerdem habe die Elternbefragung nicht alle Alternativen aufgezeigt. "Die Eltern wurden vor die Wahl gestellt, ob sie eine kirchliche oder gar keine Schule wollen." Darum müssten nun alle Überlegungen zur Zukunft der Schulen neu begonnen werden.

Grundsätzlich dürfe eine Privatschule zum Beispiel in kirchlicher Trägerschaft, nur eine Ergänzung zu den öffentlichen Schulen sein, betonte Puchert. Ob die Kirche als Schulträger überhaupt gewünscht werde, ließ er offen. "Dies ist kein Votum gegen die Kirche." Höchste Priorität habe der Elternwille. Zudem hätten sich die Lehrer in Pewsum mit großer Mehrheit gegen eine kirchliche Trägerschaft ausgesprochen. Bereits am Donnerstag hatte auch die Fraktion der SPD im Kreistag gegen die Kirche votiert.

Bisher befinden sich vier allgemeinbildende Schulen in Niedersachsen in Trägerschaft der hannoverschen Landeskirche. Seit mehreren Jahrzehnten werden das Gymnasium Andreanum in Hildesheim und die Paul-Gerhardt-Schule in Dassel von der Kirche unterhalten. 2007 kam eine Grundschule in Wolfsburg hinzu, 2008 ein Gymnasium in Nordhorn. 2011 soll eine weitere allgemeinbildende Schule in Meine bei Gifhorn eröffnet werden. Die Landeskirche will in den kommenden Jahren weitere evangelische Schulen gründen.

 

epd lnb jön mil/19.3.2010
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