Von der Tagung der Synode der Konföderation

Nachricht 13. März 2010

Am 13. März 2010 haben sich die Mitglieder der 9. Synode der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen zu ihrer zweiten Tagung versammelt.

Die Dokumente zu dieser Synodentagung stehen auf der Seite der Konföderation (www.evangelische-konfoederation.de):
- die Erklärung des Rats der Konföderation zum Rücktritt von Dr. Margot Käßmann
- der Bericht des Ratss der Konföderation im Wortlaut
- die Pressemitteilung "Zukunft der Konföderation Evangelischer Kirchen in Niedersachsen: Rat der Konföderation empfiehlt Beratungsprozess"
- das Sondervotum "Kinder brauchen Religionsunterricht" des Ratsvorsitzenden Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber

Pressemitteilung der Konföderation:
Zukunft der Konföderation Evangelischer Kirchen in Niedersachsen: Rat der Konföderation empfiehlt Beratungsprozess
 
Der Vorsitzende des Rates der Konföderation Evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Landesbischof Prof. Dr. Friedrich Weber, hat in dem Bericht des Rates vor der Synode der Konföderation einen gemeinsamen Beratungsprozess vorgeschlagen, der zu einer neuen Form der Zusammenarbeit der fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen führen soll. Der Beratungsprozess, so Weber, "wird ergebnisoffen geführt - und er wird strukturiert und moderiert verlaufen. Die einzelnen Beratungsgänge werden definiert und zeitlich beschrieben werden. Die einfache Weiterführung der Konföderation als Selbstzweck steht nicht am Anfang und auch nicht am Ende dieses Beratungsprozesses". 
 
Die konföderierte Synode hat einstimmig beschlossen, diesen Beratungsprozess den jeweiligen Landessynoden zu empfehlen. Es soll dazu ein "Ad-hoc-Ausschuss" gebildet werden, der aus je drei Mitgliedern jeder Kirche besteht und den Prozess begleitet. Die Landessynoden der fünf evangelischen Kirchen müssen dem Beratungsprozess zustimmen.
 
In der Synode der Konföderation im März 2012, spätestens in einer Sondersynode im Herbst 2012 sollen die Ergebnisse des Beratungsprozesses vorgelegt werden.
 
Hintergrund / zur Begründung:
 
Am 14.3.2009 hat die Synode der Konföderation Evangelischer Kirchen in Niedersachsen beschlossen, dass die jeweiligen Landessynoden um ihr Votum gebeten werden,  ob ein Konzept zur Schaffung einer evangelischen Kirche in Niedersachsen erarbeitet werden soll. Mit unterschiedlichen Begründungen haben die Synoden mit Ausnahme der hannoverschen gegen die Schaffung einer gemeinsamen evangelischen Kirche in Niedersachsen gestimmt. Der Rat der Konföderation hat in einem Votum im Mai 2009 festgestellt: "Die Bildung einer gemeinsamen evangelischen Kirche in Niedersachsen ist in weite Ferne gerückt". Der Rat und der Ständige Ratsausschuss der Konföderation haben sich dann darauf verständigt, dass die Konföderation in ihrer jetzigen Struktur nicht mehr zukunftsfähig sei. Es müsse nun geprüft werden, wie die vom Loccumer Vertrag geforderte Zusammenarbeit der fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen zukünftig gestaltet werden kann. Deshalb soll ein ergebnisoffener Beratungsprozess initiiert werden, der spätestens Ende 2012 abgeschlossen ist.
 
Der Beratungsprozess soll klären, wie die gemeinsame Vertretung der fünf Kirchen gegenüber dem Land Niedersachsen wahrgenommen werden kann. Weiterhin, wie die Interessen der Kirchen in den gemeinsamen Angelegenheiten von Kirche und Staat (u.a. Anstaltsseelsorge, Schule und Religionsunterricht, theologisch-wissenschaftliche Ausbildung den Hochschulen, kirchlicher Dienst in Polizei und Zoll, Evangelische Erwachsenenbildung) berücksichtigt werden und die die Verwaltung der Kirchensteuer gesichert werden können.
 
Im Blick auf das Verhältnis der fünf Kirchen untereinander soll geklärt werden, wie die Identität der Regionen und Konfessionen in der Zusammenarbeit gewahrt werden können. Zur Vermeidung doppelter Strukturen soll überlegt werden, welche Arbeitsfelder der Konföderation auf der Grundlage der Gesetzgebung der Evangelischen Kirchen in Deutschland (EKD) geregelt werden können, so z.B. die Pfarrerbesoldung und -versorgung, das Gerichtswesen oder das Mitarbeiterrecht. Schließlich soll geprüft werden, welche Synergien z.B. in der Vikarsausbildung, Akademiearbeit, Religionspädagogik, Kirchenmusik, bei den Evangelischen Schulen, bei der Finanzwirtschaft oder beim Fundraising erreicht werden können. 
 
Das Ziel des gemeinsamen Beratungsprozesses ist eine neue Form der Zusammenarbeit der evangelischen Kirchen in Niedersachsen.
 
Hannover, 13. März 2010
Pressestelle der Konföderation
Dr. Johannes Neukirch, Pressesprecher
 
Meldungen des Evangelischen Pressedienstes epd:

Weber: Religionsunterricht ist unverzichtbar - Konföderationssynode diskutiert auch über neue "Evangelische Zeitung"

Hannover (epd). Der Religionsunterricht an öffentlichen Schulen ist nach Ansicht des Ratsvorsitzenden der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen, Friedrich Weber, unverzichtbar. "Kinder haben ein Recht auf Religion", sagte der Braunschweiger Bischof am Sonnabend vor dem Kirchenparlament der fünf evangelischen Kirchen in Hannover. Die Auseinandersetzung mit religiösen Erfahrungen und Vorstellungen gehöre zur Persönlichkeitsentwicklung, da die Bibel und die christliche Theologie die westliche Kultur prägten.

Allerdings habe der Religionsunterricht im Fächerkanon der Schule und im Bewusstsein von Eltern, Schülern und Schulleitern nur eine Randstellung, kritisierte Weber in seinem Ratsbericht: "Er wird häufig gar nicht oder gekürzt erteilt." Es sei die wichtigste und schwierigste Aufgabe der Erziehung, dem Kind dabei zu helfen, einen Sinn im Leben zu finden.

Vor der Synode hob Weber auch die neue "Evangelische Zeitung" hervor. Sie erscheint seit Januar in einer Auflage von rund 30.000 Exemplaren als gemeinsame evangelische Kirchenzeitung in Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Hamburg. Die neue 24-seitige Zeitung ging aus den Wochenzeitungen "Die Nordelbische" (Hamburg, Kiel) und "Evangelische Zeitung" (Hannover) hervor. Beteiligt sind auch die Landeskirchen von Braunschweig und Oldenburg, die weiterhin wie die hannoversche Landeskirche eigenständige Regionalseiten bekommen. "Es ist ein Zeichen unserer Zusammengehörigkeit in Niedersachsen, dass wir mit einer gemeinsamen Kirchengebietspresse möglichst viele Menschen erreichen wollen", betonte der Ratsvorsitzende.

Der Vorsitzende des Bildungs- und Medienausschusses des Kirchenparlaments, Andreas Weiß (Königslutter), kündigte für die Frühjahrssynoden der Landeskirchen an, über ein Konzept für die mittelfristige Zukunft der "Evangelischen Zeitung" zu beraten. Gemeinsam mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Ausschusses, Jörn Surborg (Wolfsburg), sprach sich Weiß dafür aus, die Trägerschaft für die Wochenzeitung auf die Konföderation zu übertragen. Dies habe sich beim Evangelischen Pressedienst (epd) und dem Evangelischen Kirchenfunk (ekn) schon lange bewährt. "Die Evangelische Zeitung könnte zu einem Produkt der konföderierten Kirchen werden, von dem alle profitieren", sagte Surborg. Ein entsprechender Prüfantrag wurde von der Synode mit Mehrheit beschlossen.

Die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen entstand 1971. Zu ihr gehören die vier evangelisch-lutherischen Landeskirchen Braunschweig (rund 400.000 Mitglieder), Hannover (knapp 3 Millionen), Oldenburg (450.000) und Schaumburg-Lippe (61.000) sowie die Evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz in Leer (188.000).

13.3.2010
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Konföderationssynode "betroffen und traurig" über Rücktritt Margot Käßmanns

Hannover (epd). Das gemeinsame Kirchenparlament der fünf evangelischen Kirchen in Niedersachsen hat sich "betroffen und traurig" über den Rücktritt der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann gezeigt. Als Ratsvorsitzender der Konföderation dankte der Braunschweiger Landesbischof Friedrich Weber Käßmann am Sonnabend vor der Synode in Hannover für ihren engagierten Dienst. Ihre Glaubenszuversicht und ihr klares Urteil in politischen und sozialen Fragen hätten ihr großen Respekt eingetragen. Dies gelte auch für ihren Rücktritt: "Wir bedauern außerordentlich, dass ihr in bestimmten Berichterstattungen in den letzten Wochen mit Häme begegnet worden ist", sagte der Bischof.

"Die Art, wie sie mit ihrem Fehlverhalten umgegangen ist, hat gezeigt, dass sie ihr Handeln an den Maßstäben misst, die für ihr bischöfliches Wirken immer bestimmend waren", so Weber. Auf diese Weise habe Käßmann Schaden abgewendet, Verantwortung übernommen und Gradlinigkeit bewahrt. Die promovierte Theologin war am 24. Februar nach einer Autofahrt unter Alkoholeinfluss von ihren Ämtern zurückgetreten. In ihren gut zehn Jahren als Landesbischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers gehörte Käßmann dem Rat der Konföderation an und war von Januar 2000 bis Ende 2002 auch turnusmäßige Ratsvorsitzende.

13.3.2010
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