Bischöfe äußern in Sonntagspredigten nochmals Respekt für Käßmann

Nachricht 28. Februar 2010

Hannover (epd). In Gottesdiensten haben evangelische Bischöfe am Sonntag ihren Respekt vor der Rücktrittsentscheidung von Margot Käßmann bekräftigt. "Es ist gut, dass es Menschen in unserer Kirche gibt, die so glaubwürdig handeln", sagte der Berliner Bischof Markus Dröge in einer Kanzelabkündigung in der St. Marien Kirche. "Wegen ihres Rücktritts um des Bischofsamtes und um ihrer eigenen Glaubwürdigkeit willen gebühren ihr Respekt und Anerkennung."



Nach ihrer nächtlichen Autofahrt unter Alkohol habe die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) die volle Verantwortung für diesen Fehler übernommen. "Zu den Brüchen in ihrem eigenen Leben und nun auch zu ihrem schweren Fehler hat sie öffentlich gestanden", sagte Dröge. "Mit dem Vertrauen auf das Evangelium auch im Angesicht der eigenen Krisen gibt sie vielen Menschen, die selbst angefochten sind, Glaubenskraft und Lebensmut."



Der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Johannes Friedrich, ging in einer Predigt in Tutzing ebenfalls auf die Verfehlung der früheren hannoverschen Bischöfin ein. Er warnte vor einer Verharmlosung und "Bagatellisierung der Sünde". Dagegen habe er "höchsten Respekt vor Menschen, die ihre Schuld offen eingestehen, wie letzte Woche Margot Käßmann", sagte Friedrich. Schuld einzugestehen befreie und mache einen Neuanfang möglich.



Nach einer Umfrage der "Bild am Sonntag" halten 58 Prozent der Protestanten den Käßmann-Rücktritt für richtig, 41 Prozent halten ihn für falsch. Bei den Deutschen insgesamt und bei den Katholiken waren lediglich 51 Prozent für den Rücktritt, 47 Prozent waren dagegen, wie aus der repräsentativen Befragung des Meinungsforschungsinstituts Emnid hervorging. Unter den Nichtchristen waren 52 Prozent der Ansicht, Käßmann hätte wegen ihrer Autofahrt mit 1,54 Promille nicht zurücktreten müssen.



epd lnb bas mir / 28. Februar 2010

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