Regionalbischöfe der hannoverschen Landeskirche bedauern Käßmanns Rücktritt

Nachricht 25. Februar 2010

Hannover (epd). Die Regionalbischöfe aus den sechs Kirchenregionen der hannoverschen Landeskirche haben mit großem Bedauern auf den Rücktritt von Landesbischöfin Margot Käßmann reagiert. Zugleich zollten sie der Bischöfin für ihre Entscheidung Respekt. "Es ist deutlich, dass sie damit Schaden vom bischöflichen Amt und unserer Kirche abwenden möchte", sagte der Landessuperintendent des Sprengels Hildesheim-Göttingen, Eckhard Gorka, am Donnerstag: "Sie hat einen Fehler begangen. Sie steht dazu. Sie hat dafür die Verantwortung übernommen. Das ist längst nicht überall gängige Praxis."



Der Lüneburger Regionalbischof Hans-Hermann Jantzen sagte, der Rücktritt Käßmanns sei ein großer Verlust für die Landeskirche und die gesamte EKD. Die Bischöfin habe sich mutig eingemischt, auch in die gesellschaftlichen Kontroversen. Sie habe innerkirchliche Reformprozesse in Gang gesetzt. "Nicht zuletzt hatte sie stets ein offenes Ohr für die Anliegen von Menschen in schwierigen Lebenssituationen." Mit seinem Dank an sie verbinde er die Hoffnung, "auch weiterhin von Margot Käßmann zu hören". Er hätte sich noch etwas mehr Zeit gewünscht, um in den kirchenleitenden Gremien mit Käßmann zusammen nach einer Lösung zu suchen.



Auch der Osnabrücker Regionalbischof Burghard Krause hat im Namen des gesamten Sprengels sein Bedauern über den Rücktritt von Margot Käßmann ausgedrückt. Sie habe dem Evangelium in der Öffentlichkeit und in gesellschaftlichen Fragen Stimme und Gesicht gegeben, Gemeinden zum Aufbruch ermutigt und trotz mancher umstrittener Äußerungen bei vielen Menschen neues Vertrauen zur Evangelischen Kirche geweckt. "Zugleich verdient ihre persönliche und schnelle Entscheidung, ihre Ämter aufzugeben, großen Respekt", schreibt Krause in einer Stellungnahme.



Der Landessuperintendent des Sprengels Ostfriesland, Detlef Klahr, nannte Rücktritt Käßmanns einen "sehr schmerzlichen Schritt". Dieser Schritt sei jedoch notwendig gewesen, weil Käßmann nicht darüber habe hinwegsehen können und wollen, "dass das Amt und ihre Autorität als Landesbischöfin sowie als Ratsvorsitzende beschädigt sind", sagte Klahr. Die EKD und die hannoversche Landeskirche verdankten ihr, dass sie der evangelischen Kirche ein Gesicht gegeben habe.



Landessuperintendentin Ingrid Spieckermann sagte, der Sprengel Hannover zolle Käßmanns geradlinigen Entscheidung hohen Respekt. "Wir alle empfinden die Tragik, dass sie ihr Amt - in dem es ihr immer um die Glaubwürdigkeit ging - aus Glaubwürdigkeit nicht mehr führen kann." Hannover sei Käßmanns Amtssitz und das Zentrum ihres Wirkens gewesen. Hier habe sie Menschen ermutigt und getröstet. "Es ist für mich persönlich als ihre hannoversche Vertreterin und für uns alle traurig und ein herber Verlust, dass sie mit ihrem Charisma dies jetzt so nicht mehr wahrnehmen kann."



Auch Helmut Blanke, stellvertretender Landessuperintendent für den Sprengel Stade, äußerte Respekt. Käßmann habe ihre Entscheidung gefällt. "Wir nehmen dies mit großer Anerkennung vor der von ihr geleisteten Arbeit für die protestantische Kirche in Deutschland zur Kenntnis." Die evangelische Kirche in Deutschland sei in eine schwierige Situation gekommen, sagte Blanke: "Wir werden uns als protestantische Christen darauf besinnen, dass die Stärke der Kirche in der Botschaft liegt, die ihr zu sagen anvertraut ist."



epd lnb mir/mas/jön mil / 25.2.2010

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