Reaktionen zum Rücktritt von Dr. Margot Käßmann

Nachricht 24. Februar 2010

Gemeinsames Statement des stellvertretenden Ratsvorsitzenden, Präses Nikolaus Schneider, und der Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring−Eckardt

Wir bedauern zutiefst, dass Margot Käßmann von ihren Ämtern zurückgetreten ist.

Die Gradlinigkeit und Klarheit in ihren theologischen, sozialpolitischen und gesellschaftspolitischen Positionen werden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) fehlen. Ihr Rücktritt ist ein schwerer Verlust für den deutschen Protestantismus. Das schmerzt uns auch persönlich sehr. Zugleich entspricht ihre Rücktrittsentscheidung eben dieser Gradlinigkeit, die wir an Margot Käßmann schätzen.

Der Rat der EKD hat Margot Käßmann gestern einmütig das Vertrauen ausgesprochen. Darin kommen die Bereitschaft und der Wille zum Ausdruck, weiter mit ihr als Ratsvorsitzende zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig war klar, dass unser ungeteiltes Vertrauen ihr die Entscheidung über den weiteren Weg im Umgang mit ihrem schlimmen Fehler überlässt. Ein christlicher Umgang mit einem schlimmen Fehler war und ist auch vom Wissen um die eigene menschliche Fehlerhaftigkeit und die Vergebungsbedürftigkeit von Schuld getragen. Dass Margot Käßmann ihren Fehler sofort eingestanden und aus ihrer Fehlerhaftigkeit keinen Hehl gemacht hat, ist für viele Menschen - auch für uns - Ausweis dessen, dass sie eine glaubwürdige Zeugin für ein Leben aus der Vergebung Gottes ist.

Aber wir respektieren ihren Schritt und wissen uns auch zukünftig im gemeinsamen Glauben getragen und in unserer Kirche verbunden.

Berlin/Düsseldorf, 24. Februar 2010

Erläuterung: Aus der Grundordnung der EKD folgt, dass der stellvertretende Vorsitzende des Rates der EKD den Vorsitz bis zu einer Neuwahl weiterführt. Diese Neuwahl erfolgt voraussichtlich auf der nächsten Tagung der Synode der EKD. Sie findet vom 5. bis 10. November 2010 in Hannover statt.

Reinhard Mawick
Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)



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Beckstein bedauert Käßmann-Rücktritt

München (epd). Der Vizepräses der EKD-Synode, Günther Beckstein, hat mit Bedauern auf den Rücktritt der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann reagiert. "Es ist ihre Entscheidung, die ich respektiere", sagte Beckstein am Mittwoch dem epd. "Von mir aus hätte sie bleiben können", sagte der ehemalige bayerische Ministerpräsident und CSU-Politiker. Nach evangelischem Amtsverständnis sei ein Bischof oder eine Bischöfin auch nur ein fehlbarer Mensch.

Beckstein erinnerte daran, dass Käßmann im Unterschied zu ihrem Vorgänger Wolfgang Huber, der ein disziplinierter Intellektueller gewesen sei, stets eine "tiefe Menschlichkeit" habe durchblicken lassen. "Käßmann hat ergreifende Predigten gehalten", so Beckstein.

Nach Einschätzung Becksteins wird der Rat der evangelischen Kirche demnächst eine andere Persönlichkeit in den Ratsvorsitz wählen. Eine Alternative wäre, bis Oktober abzuwarten, wenn die nächste Synode tagt.

epd lnb lbm/bas sel / 24.2.2010
Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen


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Dr. Helmut Blanke zum Rücktritt von Dr. Margot Käßmann von ihren Ämtern
Stellvertretender Landessuperintendent im Sprengel Stade nimmt Stellung


Stade/Elbe-Weser-Raum. Die Nachricht vom Rücktritt der hannoverschen Bischöfin Dr. Margot Käßmann von ihrem Amt als Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sowie als Bischöfin der hannoverschen Landeskirche ist im Elbe-Weser-Raum mit Betroffenheit aufgenommen worden.

Dr. Helmut Blanke, stellvertretender Landessuperintendent für den Sprengel Stade, äußerte seinen Respekt vor der Entscheidung Käßmanns. „Bischöfin Dr. Margot Käßmann hat ihre Entscheidung gefällt und wir nehmen dies mit großer Anerkennung vor der von ihr geleisteten Arbeit für die protestantische Kirche in Deutschland zur Kenntnis. Die evangelische Kirche in Deutschland ist in eine schwierige Situation gekommen. Wir werden als protestantische Christen uns darauf besinnen, dass die Stärke der Kirche in der Botschaft liegt, die ihr zu sagen anvertraut ist.“

24.2.2010



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Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr

Der Rücktritt von Dr. Margot Käßmann als EKD-Ratsvorsitzende und Landesbischöfin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers ist für die EKD und die hannoversche Landeskirche, aber auch für mich ganz persönlich ein sehr schmerzlicher Schritt. Dennoch war dieser Schritt notwendig, weil Frau Dr. Käßmann nicht darüber hinwegsehen kann und will, dass das Amt und ihre Autorität als Landesbischöfin sowie als Ratsvorsitzende beschädigt sind.

Die EKD und die hannoversche Landeskirche verdanken ihr, dass sie der evangelischen Kirche ein „Gesicht“ gegeben hat. Als Landessuperintendent der hannoverschen Landeskirche bin ich meiner Landesbischöfin dankbar für sehr vieles, was sie durch ihre Leitung und Verkündigung für die hannoversche Landeskirche geleistet hat. Sie hat unsere Kirche in wichtigen Arbeitsfeldern und bei vielen aktuellen Themen entscheidend vorangebracht. Es war ihr unbedingtes Anliegen, mit dem Evangelium mitten in der Welt präsent zu sein und den Verkündigungsauftrag der Kirche öffentlich wahrzunehmen. Dadurch hat sie viele Menschen angesprochen, sie mit der Botschaft des Evangeliums erreicht und neues Vertrauen zur Evangelischen Kirche geweckt.

Landessuperintendent Dr. Detlef Klahr
Aurich, den 24.2.10
 

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Landessuperintendent Eckhard Gorka:

EZum Rücktritt von Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann # Mit großem Bedauern nimmt der Sprengel Hildesheim-Göttingen der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers den Rücktritt von Frau Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann wahr. Zugleich verdient ihre persönliche Entscheidung, von ihren Ämtern zurückzutreten, großen Respekt. Es ist deutlich, dass sie damit Schaden vom bischöflichen Amt und unserer Kirche abwenden möchte. Sie hat einen Fehler begangen. Sie steht dazu. Sie hat dafür die Verantwortung übernommen. Das ist längst nicht überall gängige Praxis. 

Gleichwohl überwiegt das Bedauern, dass sie unserer Kirche nicht mehr als Leitende Geistliche vorsteht. Wer Margot Käßmann auf ihre Fernsehauftritte und Mitwirkung bei Großereignissen reduzieren will, übersieht ihre Liebe und Nähe zu den kleinen, traditionsreichen und ursprünglich selbständigen Gemeinden in Südniedersachsen. Die Gemeinden und Kirchenkreise im südhannoverschen Raum haben sie ganz oft vor Ort als vitale und begeisterungsfähige Predigerin erlebt. Frau Landesbischöfin Dr. Käßmann hat gern Einladungen zur Feier von Kirchenjubiläen und Vorträgen angenommen und so den in Regionalisierungsprozessen befindlichen Gemeinden gezeigt, dass sie die Menschen sieht, ihr Unbehagen versteht und zu neuen Aufbrüchen Mut macht.

Bei allem Respekt vor ihrer persönlichen Entscheidung bedauern wir ihren Rücktritt sehr, sind der fröhlichen Zeugin des Glaubens bleibend dankbar und wünschen ihr Gottes Segen für ihr Wirken an einem neuen Ort.

Landessuperintendent Eckhard Gorka
Sprengel Hildesheim-Göttingen 24.2.2010

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Pastor Renke Brahms, Schriftführer in der Bremischen Evangelischen Kirche:

" Es tut mir sehr leid für Margot Käßmann, die eine sehr schwere Entscheidung zu treffen hatte. Und es tut mir leid für die Evangelische Kirche. Ich bedaure den Rücktritt von Margot Käßmann außerordentlich. Sie hat der Evangelischen Kirche in Deutschland in den wenigen Monaten ihrer Amtszeit ein sympathisches, sachkundiges und klares Profil gegeben. Inzwischen gibt es eine große Zahl von Spekulationen und Vorverurteilungen zu dem Vorfall, an denen ich mich nicht beteiligen möchte.

Nach so viel Alkoholgenuss Auto zu fahren, ist ein ernsthaftes Vergehen, das Menschenleben gefährdet. Dafür muss sie nun auch die rechtlichen Konsequenzen tragen. Man kann nur glücklich sein, dass niemand zu Schaden gekommen ist. Wir alle kennen vergleichbare Situationen, in denen wir uns fragen, wie wir uns verhalten sollen und vielleicht die falsche Entscheidung treffen. Frau Käßmann hat die Situation offensichtlich völlig falsch eingeschätzt.

Man kann aber von niemanden erwarten, dass er fehlerlos ist. Das wäre übermenschlich. Für mich steht im Vordergrund, wie ein Mensch mit seinen einmal gemachten Fehlern umgeht. Dazu gehört für mich unabhängig von einer Entscheidung über die eigene berufliche Zukunft die eigene Einsicht, aber auch die Bereitschaft zur Vergebung. Margot Käßmann hat jetzt offen und klar Stellung bezogen und für sich nur die Konsequenz des Rücktritts gesehen. Sie will damit die repräsentativen Ämter der Ratsvorsitzenden und der Landesbischöfin von Hannover und die ganze evangelische Kirche vor Schaden schützen. Das schmälert nicht ihre Verdienste. Ihrer Entschlossenheit gilt mein ganzer Respekt. 

Als Theologe einer Nachbarkirche blicke ich auf Jahre überaus konstruktiver Zusammenarbeit mit Margot Käßmann zurück. Ich schätze sie als großartige Pastorin, immer nah an den Menschen und mitten im Leben stehend. In vielen wichtigen Fragen hat sie das richtige Wort zur richtigen Zeit gewählt. Dem deutschen Protestantismus und den Nachbarn in Bremen wird diese sachkundige, entschlossene Stimme zukünftig sehr fehlen."

Pastor Renke Brahms
Bremen, 24.2.2010

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Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke Ev.-luth. Landeskirche Schaumburg-Lippe

Den Rücktritt von Frau Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann von ihren kirchlichen Ämtern bedauere ich zutiefst. Frau Käßmann hat in der Öffentlichkeit wichtige Anliegen des Protestantismus in Deutschland zu Gehör gebracht und verständlich gemacht. Insofern wird sie nicht nur in der hannoverschen Landeskirche, sondern auch in der Zusammenarbeit der evangelischen Kirchen in Niedersachsen und in der Evangelischen Kirche in Deutschland mit ihrer Stimme und Persönlichkeit sehr fehlen. Das abrupte Ende ihrer Amtszeit als EKD-Ratsvorsitzende und als Bischöfin der Landeskirche Hannovers hat für mich tragische Züge. Die persönliche Entscheidung von Frau Käßmann sehe ich mit großem Respekt. Die Anliegen des Protestantismus und der Evangelische Kirche in Deutschland werden durch die einzelnen Landeskirchen und viele Frauen und Männer, die sich in der Kirche engagieren, vertreten. Nicht nur wenige Personen, sondern zahlreiche Vertreter aus unterschiedlichsten Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, Pfarrerinnen und Pfarrer, Bischöfinnen und Bischöfe stehen mit ihrem Einsatz für die Kirche ein. Das Engagement und persönliche Wirken von Frau Margot Käßmann in ihren kirchenleitenden Ämtern wird für viele auch in Zukunft Verpflichtung und gute Grundlage dafür sein, die Klarheit und Schönheit des christlichen Glaubens in Wort und Tat zu leben. Die Evangelische Kirche in Deutschland ist immer dann überzeugend gewesen, wenn sich Menschen in ihr von der Sache des Evangeliums begeistern lassen.

Landesbischof Dr. Karl-Hinrich Manzke,
Bückeburg, 24.2.2010

 

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Superintendent Heinz Behrends, Kirchenkreis Leine-Solling:

Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann hat ihre Ämter mit großer Leidenschaft, geistlicher Kraft und Zielstrebigkeit ausgeübt. Deshalb ahne ich, wie groß und wie schwer ihre Entscheidung ist. Ich hatte gehofft, dass sie nicht zurücktritt und ihr heute morgen aus Leine-Solling noch Blumen geschickt. Für mich hatte ihre Glaubwürdigkeit durch den fahrlässigen Fehler nicht gelitten. Aber sie hat entschieden. Sie hat auf ihr Herz gehört. Das ist mit großem Respekt zu akzeptieren, auch wenn es weh tut. Ich wünsche der Welt der Männer in leitender Verantwortung mehr von dieser Kraft der Aufrichtigkeit.

Superintendent Heinz Behrends
24.2.2010

 

Stellvertretende Stadtsuperintendent Thomas Höflich, Stadtkirchenverband Hannover:

Mit großem Bedauern müssen wir die Entscheidung von Frau Dr. Margot Käßmann akzeptieren. Als EKD-Ratsvorsitzende und als Landesbischöfin hat sie sich richtungsweisend für den Protestantismus in Deutschland und Niedersachsen engagiert. Sie hat die evangelische Kirche nicht nur lebendig repräsentiert, sondern sie auch prägend gestaltet und bewegt. Ihre innovative Schubkraft, ihr unerschütterlicher Mut und ihr tiefer Glaube haben sie zu einer wegweisenden Persönlichkeit der evangelischen Kirche gemacht. Dankbar sind wir für ihre Unterstützung und Stärkung, als evangelische Kirche in der Großstadt ein zeitgemäßes und zugleich biblisch fundiertes Profil zu finden. Mit großem Respekt vor ihrer Entscheidung wünschen wir ihr die nötige Kraft und Gottes Begleitung für die vor ihr liegende Zeit.

Thomas Höflich, Stellvertretender Stadtsuperintendent
Hannover, 24.2.2010

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Eckard Nagel und Ellen Ueberschär für den Vorstand des Deutschen Evangelischen Kirchentags:

Fulda/Hannover (epd). Mit Betroffenheit hat der Deutsche Evangelische Kirchentag den Rücktritt von Margot Käßmann von ihren kirchlichen Spitzenämtern aufgenommen. "Trotzdem ist unser Bedauern und unsere Traurigkeit sehr groß, dass wir Sie als kirchenleitende Persönlichkeit verlieren", schreiben Eckhard Nagel für den Vorstand und Ellen Ueberschär als Generalsekretärin des Kirchentages in einem offenen Brief.

Darin heißt es, Käßmann sei eine "großartige Impulsgeberin für den Protestantismus in Deutschland" und eine "große Freundin" des Kirchentages. "Es ist unsere tiefe christliche Überzeugung, dass Fehler vergeben werden können, gerade dort, wo Verantwortung übernommen wird", schreiben Nagel und Ueberschär. Vor ihrer Wahl zur hannoverschen Landesbischöfin 1999 war Käßmann Generalsekretärin des Kirchentages.

epd lnb bas mir/24.2.2010/ Copyrigh www.epd-niedersachsen-bremen.de