Presseerklärung der Landeskirche zum Rücktritt von Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann / Erklärung Käßmann im Wortlaut

Nachricht 24. Februar 2010

Erklärung der kirchenleitenden Organe der Landeskirche:


Die Landeskirche respektiert den Entschluss der Landesbischöfin und hat hohen Respekt davor, wie sie zu ihrer Verantwortung steht und entscheidet.



Die Landeskirche bedauert es sehr, dass die gute und erfolgreiche Zeit mit Landesbischöfin Dr. Käßmann nun zu Ende geht und empfindet als es als großen Verlust, dass die Landesbischöfin nicht mehr für die Arbeit in der Landeskirche zur Verfügung steht.



Wir sind dankbar für die hervorragenden Leistungen der Landesbischöfin in ihrer Leitung und Verkündigung für die Landeskirche. Sie hat unsere Kirche in wichtigen Arbeitsfeldern und bei vielen aktuellen Themen entscheidend vorangebracht. Es war ihr unbedingtes Anliegen, mit dem Evangelium mitten in der Welt präsent zu sein und den Verkündigungsauftrag der Kirche öffentlich wahrzunehmen. Dadurch hat sie viele Menschen angesprochen, sie mit der Botschaft des Evangeliums erreicht und neues Vertrauen zur Evangelischen Kirche geweckt.



Dankbar sind wir auch für die vertrauensvolle und verlässliche Zusammenarbeit in den letzten zehneinhalb Jahren in den Leitungsgremien der Landeskirche.



Wir wünschen Frau Dr. Käßmann für ihren weiteren Lebensweg Gottes Segen.
Unsere guten Wünsche werden sie in der kommenden Zeit begleiten.



Weitere Informationen:
Am Donnerstag, dem 25.2.2010 tritt der Kirchensenat der Landeskirche zu Beratungen zusammen.


Hannover, 24.2.2010

Pressestelle der Landeskirche

Dr. Johannes Neukirch

Pressesprecher






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Erklärung der Vorsitzenden des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann



Am vergangenen Samstagabend habe ich einen schweren Fehler gemacht, den ich zutiefst bereue. Aber auch wenn ich ihn bereue, und mir alle Vorwürfe, die in dieser Situation berechtigterweise zu machen sind, immer wieder selbst gemacht habe, kann und will ich nicht darüber hinweg sehen, dass das Amt und meine Autorität als Landesbischöfin sowie als Ratsvorsitzende beschädigt sind. Die Freiheit, ethische und politische Herausforderungen zu benennen und zu beurteilen, hätte ich in Zukunft nicht mehr so wie ich sie hatte. Die harsche Kritik etwa an einem Predigtzitat wie „Nichts ist gut in Afghanistan“ ist nur durchzuhalten, wenn persönliche Überzeugungskraft uneingeschränkt anerkannt wird.



Einer meiner Ratgeber hat mir gestern ein Wort von Jesus Sirach mit auf den Weg gegeben: „Bleibe bei dem, was dir dein Herz rät“ (37,17). Und mein Herz sagt mir ganz klar: Ich kann nicht mit der notwendigen Autorität im Amt bleiben. So manches, was ich lese, ist mit der Würde dieses Amtes nicht vereinbar. Aber mir geht es neben dem Amt auch um Respekt und Achtung vor mir selbst und um meine Gradlinigkeit, die mir viel bedeutet.



Hiermit erkläre ich, dass ich mit sofortiger Wirkung von allen meinen kirchlichen Ämtern zurücktrete. Ich war mehr als 10 Jahre mit Leib und Seele Bischöfin und habe all meine Kraft in diese Aufgabe gegeben. Ich bleibe Pastorin der hannoverschen Landeskirche. Ich habe 25 Jahre nach meiner Ordination vielfältige Erfahrungen gesammelt, die ich gern an anderer Stelle einbringen werde.



Es tut mir Leid, dass ich viele enttäusche, die mich gebeten haben, im Amt zu bleiben, ja die mich vertrauensvoll in diese Ämter gewählt haben. Ich danke allen Menschen, die mich so wunderbar getragen und gestützt haben, für alle Grüße und Blumen, die meiner Seele sehr gut getan haben in diesen Tagen. Dem Rat der EKD danke ich sehr, dass er mir gestern Abend deutlich sein Vertrauen ausgesprochen hat.



Ich danke allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in der hannoverschen Landeskirche und in der EKD, die mich haupt- und ehrenamtlich unterstützt haben. Insbesondere danke ich meinem engsten Team, das mir in manchem Sturm die Treue gehalten hat. Ich danke allen Freundinnen und Freunden, allen guten Ratgebern. Und ich danke meinen vier Töchtern, dass sie meine Entscheidung so klar und deutlich mittragen und heute hier sind.



Zuletzt: Ich weiß aus vorangegangenen Krisen: Du kannst nie tiefer fallen als in Gottes Hand. Für diese Glaubensüberzeugung bin ich auch heute dankbar.



Dr. Margot Käßmann, 24. Februar 2010



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Reinhard Mawick

Evangelische Kirche in Deutschland (EKD)