"Halten Sie durch, Frau Käßmann" - Echo auf Alkoholfahrt der EKD-Ratsvorsitzenden Käßmann in den Internetcommunitys

Nachricht 24. Februar 2010

Hannover (epd). Nach der Autofahrt Margot Käßmanns mit Alkohol am Steuer gehen die Meinungen im Internet weit auseinander. Die hannoversche Landesbischöfin und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wird kritisiert, erhält aber auch viel Rückendeckung. "Halten Sie durch, Frau Käßmann. Sie stehen das durch. Es ist kein Grund für einen Rücktritt", schreibt eine Nutzerin im Portal "evangelisch.de". Und "Christian1980" stimmt zu: "Ich fände es angesichts ihrer bisherigen Arbeit äußerst schade, wenn Frau Käßmann das Amt wieder abgeben müsste."



Zugleich äußern viele Nutzer Unverständnis über die Fahrt. "Sich mit viel Alkohol ans Steuer zu setzen, ist nicht verantwortlich", schreibt Irene P. aus Rodgau. Ein Lehrer für Chemie und Religion bei Karlsruhe schreibt: "Meine Schüler werden mich in der nächsten Stunde auf die Alkoholfahrt ansprechen. Was soll ich ihnen sagen?"



Immer wieder wird dagegen auch ein Bibelvers zitiert: "Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein." Und "Simone" findet: "Frau Käßmann ist auch nur ein Mensch, und jeder, der jetzt den Finger hebt, sollte sich mal an seine eigene Nase fassen!"



Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" fragte in ihrem Online-Portal: "Soll Landesbischöfin Margot Käßmann zurücktreten?" Das Ergebnis: 59 Prozent stimmten mit Nein, 38 Prozent mit Ja, drei Prozent hatten keine Meinung dazu. "Sie ist ein Mensch wie jeder andere auch, und die, die nun am lautesten schreien, wurden vermutlich bisher nur noch nicht erwischt", schreibt "Torsten".



"ABzee" merkt an: "Das ist der Super-GAU! War doch dank Margot Käßmann endlich wieder einmal seitens der EKD etwas zu Themen zu hören, die unsere Gesellschaft angehen." Ein Harald J. gibt dagegen zu bedenken: "Trunkenheitsfahrten sind nun mal kein Kavaliersdelikt. Da gibt es nichts zu verharmlosen." Manche mutmaßen, "dass sie vielen ein Dorn im Auge ist und sie deshalb zu Fall gebracht werden soll".



Ein Leser des "Kölner Stadt-Anzeigers" schreibt auf ksta.de: "Na klar hat Frau Käßmann die juristischen Sanktionen, die jetzt folgen müssen, verdient. Nicht verdient hat sich jedoch die Häme, die Schadenfreude und das scheinheilige Pharisäerverhalten derer, die keine Gelegenheit auslassen, den Kirchen am Zeug zu flicken." Auf spiegel.de meint ein Nutzer: "Frau Käßmann wird ihre Strafe durch ein Gericht bekommen. Sie beschönigt nichts und wird diese Strafe annehmen."



Leser der "Bild"-Zeitung kommentieren das Thema im Internet wie folgt: "Fehler oder nicht: Als Chefin von 25 Millionen evangelischen Christen darf so etwas nicht passieren." Die Zeitung hatte als erste über das Thema berichtet. Ein anderer "Bild"-Leser gibt unter dem Namen "Sammie" jedoch zu bedenken: "Es ist natürlich falsch, unter Alkoholeinfluss Auto zu fahren und natürlich ist es richtig, wenn ihr der Führerschein entzogen wird, aber damit muss es auch gut sein. Ich möchte nicht wissen, wie viele Polizisten, Richter etc. schon einmal angetrunken Auto gefahren sind, aber glücklicherweise nicht erwischt wurden. Sie ist auch nur ein Mensch."



epd lnb mig mir / 24.2.2010

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