Passionszeit, Passions-Oratorien, Passionsspiele

Nachricht 22. Februar 2010

Die Passionszeit, von lateinisch „passio = Leiden“, beginnt in den evangelischen Kirchen mit dem Sonntag nach Aschermittwoch. Dieser Sonntag trägt den Namen „Invocavit“ – nach dem Anfangswort des altkirchlichen Introitus für diesen Tag aus Psalm 91,15: „Invocavit = er hat mich angerufen“. In der katholischen Kirche ist der Sonntag Invocavit der erste Sonntag der 40-tägigen Fastenzeit.

Sie beginnt mit dem Aschermittwoch und endet mit der Ostervigil, der Feier der Osternacht. Von den Kalendertagen umfasst die Fastenzeit eigentlich nicht 40, sondern 46 Tage. Da aber die sechs Sonntage als Fest der Auferstehung Christi vom Fasten ausgenommen sind, verbleiben 40 Fastentage. Die Zahl 40 symbolisiert dabei biblisch gesehen einen Zeitraum, in dem sich das Leben in der Begegnung mit Gott ändert.



In den Gottesdiensten während der Passionszeit stehen das Leiden und Sterben Jesu im Mittelpunkt. Viele Kirchengemeinden bieten in dieser Zeit auch an einem Wochentag Passionsandachten an. Bestandteil der Passionsgottesdienste waren und sind, wenn auch heute nicht mehr in der Regel, Passionsmusiken. Die frühesten Vertonungen der Passionsgeschichten aus den vier Evangelien stammen aus dem fünften Jahrhundert. Hierbei handelt es sich um keine glänzenden Kompositionen, sondern um die Wiedergabe einer Reihe gregorianischer Sätze.

Die frühesten mehrstimmigen Passionsmusiken kommen aus der Mitte des 15. Jahrhunderts und wurden in England komponiert. Ebenfalls im 15. Jahrhundert schufen niederländische Meister die Motetten-Passion, in der der ganze Bibeltext, auch die Worte der Einzelpersonen, im mehrstimmigen Chorsatz a capella durchkomponiert ist. Im Passions-Oratorium wurde der Bibeltext durch freie Dichtungen erweitert. Johann Sebastian Bach kehrte dann zum Evangelien-Text zurück und erreichte mit seinen Passionen nach Johannes (1723) und Matthäus (1729) einen Höhepunkt dieser Musikgattung.



Hinsichtlich der Passionsspiele lässt sich sagen, dass diese seit dem 14. Jahrhundert nachweisbar sind. Es handelt sich dabei um geistliche Schauspiele, die die Leidensgeschichte Christi darstellen. Ihr Umfang wuchs sich bisweilen zu mehrtägigen Veranstaltungen aus. Damit stieg aber auch die Zahl der Mitspieler, so dass diese Spiele dann von Bürgern auf dem Marktplatz aufgeführt wurden. In katholischen Gegenden haben sich die Passionsspiele vereinzelt bis heute gehalten. Am bekanntesten sind die Oberammergauer Passionsspiele.



Entnommen aus „1x1 des Kirchenjahres“ von Jörg Buchna

22.2.2010