Tanz und Klebestreifen im Kirchen-Raum

Nachricht 17. Februar 2010

Ungewöhnliche Perspektiven beim 12. Aschermittwoch der Künste in Nienburg

Die Martinskirche liegt inmitten der Stadt, umgeben von einem Platz und alten Häusern. Schneebedeckt und sanft von leicht wärmender Wintersonne beleuchtet. Aus drei Richtungen kommt Musik. Saxophon, Posaune und Tuba vereinen sich und führen rund 150 Gäste um die Kirche, wo sie immer wieder überraschend einer solistischen Tanzperformance von Ursula Wagner begegnen. Die Kreise um die Kirche werden enger, schließlich führt die Musik alle Gäste ins Gotteshaus.



Zum 12. Mal hatten Landeskirche, Hanns-Lilje-Stiftung und das Arbeitsfeld Kunst und Kultur im Haus kirchlicher Dienste zum Aschermittwoch der Künste eingeladen. Zum dritten Mal folgten rund 150 Gäste aus Kirche, Kunst und Kultur der Einladung in einen Ort außerhalb Hannovers. Im Mittelpunkt stand die Martinskirche in Nienburg/Weser mit der Fragestellung, was ist Raum, was ist Kirchenraum, wie verhalten sich Innen und Außen, Kirche als Raum in der Stadt.



Dr. Julia Helmke, Pastorin und Leiterin des Arbeitsfeldes Kunst und Kultur im Haus kirchlicher Dienste, ging theologisch dieser Frage nach. In Kirchenräumen seien Gedächtnis, Andacht und Hoffnung zeitgleich erfahrbar, sie seien Heimatorte für den Glauben. Dennoch sind Räume ständig in Bewegung, sie verändern sich, unsere Wahrnehmung verändert ich. In diesem Zusammenhang spielt auch Kunst eine wichtige Rolle, denn sie tritt in Kommunikation mit dem Raum.



Praktisch erfahrbar wurde dies in der Installation „Geborgene Räume“ von Henning Diers, der ein kleines Modell der Martinskirche in luftgetrocknete Ziegelsteine eingedrückt hatte, mit denen er im Raum separate Wege und Räume kenntlich machte.
Ina Raschke hatte unter dem Titel „unsettled conditions #2“ in den Gewölben der Kirche grafische Ornamente angebracht, die erst bei genauerem Hinsehen erkennbare Formen ergeben. Ihr Material: simple Klebestreifen.



Im Gespräch zwischen Künstlern, Publikum und Pastorin Imke Schwarz wurde die unterschiedliche Wahrnehmung deutlich, was auch die gastgebende Pastorin Henrike Müller betonte, die sich freute, dass die Kunstinstallationen das Gemeindeleben noch eine gewisse Zeit begleiten werden.



Eine letzte praktische Raumerfahrung bot sich den geladenen Gästen, die in Kirchenbänken an langen Tafeln im Seitenschiff Platz nahmen und sich bei angeregten Gesprächen mit warmen Suppen stärkten.



Christian Weisker
17.2.2010



Im Internet: Kirche Kunst Kultur