Suchtberater von Diakonie und Caritas betreuen alkoholisierte Jugendliche beim Karnevalsumzug

Nachricht 14. Februar 2010

Von Martina Schwager (epd)



Osnabrück (epd). "Osna Helau" schallt es vielstimmig vom Wagen der
Osnabrücker Karnevalsgesellschaft Accordium. Doch davon bekommt
Daniela* schon nichts mehr mit. Die 15-Jährige ist total betrunken.
Um 11.11 Uhr am Sonnabendvormittag haben sich die 93 Wagen und
Gruppen des Osnabrücker Karnevalsumzugs "Ossensamstag" in Bewegung
gesetzt. Eine Stunde später liegt die Schülerin bereits im
Rettungszelt des Technischen Hilfswerks, muss sich immer wieder
übergeben. "Wir haben ihre Eltern benachrichtigt - die holen sie dann
demnächst ab", sagt Caritas-Mitarbeiterin Sandra Kolmer. Sie kümmert
sich während des "Ossensamstags" mit drei weiteren Kolleginnen um
alkoholisierte, hilflose Jugendliche.



Der Karnevalsumzug ist auch in Osnabrück für immer mehr
Jugendliche ein Anlass, sich hemmungslos zu betrinken. Ein junger
Mann mit dünnem Bartflaum, eine Packung Orangensaft und eine Flasche
Wodka in der Hand, bringt es auf die griffige Formel: "Karneval und
Alkohol - das gehört für mich einfach zusammen." Er findet den in der
Atemluft gemessenen Alkoholwert von 1,3 Promille nicht schlimm.
Suchtberater Dirk Litzberski-Otten sieht das anders. Am Stand der
Diakonie direkt an der Route des Umzugs zeigt er ihm die rote Karte
und fordert ihn auf, die Finger vom Wodka zu lassen.



Diakonie und Caritas, Ordnungsamt und Polizei versuchen in
Osnabrück seit einigen Jahren, das Problem der sich betrinkenden
Jugendlichen am Ossensamstag durch Präventionsprojekte und verstärkte
Präsenz vor Ort in den Griff zu bekommen. Beamte kontrollieren im
weiten Umkreis vor, während und nach dem Umzug, stellen Spirituosen
und Mixgetränke sicher. Denn laut Jugendschutzgesetz gilt: 0,0
Promille für Jugendliche unter 16 Jahren. Keine Spirituosen für junge
Menschen unter 18.



Diakonie und Caritas wollen im Sinne eines verantwortungsbewussten
Umgangs, aber ohne erhobenen Zeigefinger, auf die Jugendlichen
einwirken. "Feiern kann auch Spaß machen, wenn ihr nicht völlig
betrunken seid", sagt Litzberski-Otten. Am Diakoniestand während des
"Ossensamstags" haben die Mitarbeiter für Abstinenzler und
vernünftige Konsumenten attraktive Preise parat: Signierte
Originaltrikots der deutschen Fußball-Nationalmannschaft etwa oder
ein Treffen mit der Popband "Culcha Candela". Alle anderen bekommen
symbolisch die rote Karte gezeigt.



Dass einige sich die Ermahnungen offenbar nur scheinbar zu Herzen
nehmen, ist auch den Experten klar. Dennoch sei es wichtig, mit
solchen Aktionen in der Öffentlichkeit präsent zu sein. Zum einen, um
immer wieder darauf hinzuweisen, wie sehr der Alkohol das noch im
Wachstum befindliche Gehirn schädigt. Zum anderen, weil nicht nur
Jugendliche exzessiv Alkohl trinken. Der höchste Wert, den die
Diakonie am Sonnabend gemessen hat, ist 2,6 Promille - bei einem etwa
30-jährigen Erwachsenen. "Eine Gesellschaft, die frei mit Alkohol
umgeht, und in der Alkoholkonsum sogar soziale Anerkennung genießt,
ist mitverantwortlich für die Misere", sagt Achim Bockbreder, Leiter
der Diakonie-Suchtberatung in Osnabrück.



Derweil wird es im Rettungszelt des Technischen Hilfswerks langsam
voller. Nacheinander werden zwei junge Mädchen und zwei junge Männer
liegend eingeliefert. Zwei Caritas-Mitarbeiterinnen stützen zwei
weitere Mädchen, die sich kaum noch auf den Beinen halten können.
Einige Opfer des Alkohlmissbrauchs haben Schnittverletzungen und
deutliche Spuren von Prügeleien. Der Alkohol erhitzt die Gemüter. Die
Straßen sind mittlerweile übersät mit Flaschen und Scherben.



Dennoch sei die Lage bis zum Nachmittag etwas entspannter als im
vergangenen Jahr, sagt Polizeisprecher Georg Linke. Er führt das auf
die gute Präventionsarbeit und die starke Polizeipräsenz zurück.
Traurige Rekordhalterin sei eine 16-Jährige mit einem Promillegehalt
von 1,88 gewesen, die in Begleitung eines 14-Jährigen mit 0,84
Promille war. "Dem hatte seine Mutter nach seiner Aussage erlaubt,
fünf oder sechs Bier zu trinken."



*Name geändert



epd lnb mas mig / 14.2.2010

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen

Suchtberater von Diakonie und Caritas
betreuen alkoholisierte Jugendliche beim Karnevalsumzug

Von Martina Schwager (epd)



Osnabrück (epd). "Osna Helau" schallt es vielstimmig vom Wagen der
Osnabrücker Karnevalsgesellschaft Accordium. Doch davon bekommt
Daniela* schon nichts mehr mit. Die 15-Jährige ist total betrunken.
Um 11.11 Uhr am Sonnabendvormittag haben sich die 93 Wagen und
Gruppen des Osnabrücker Karnevalsumzugs "Ossensamstag" in Bewegung
gesetzt. Eine Stunde später liegt die Schülerin bereits im
Rettungszelt des Technischen Hilfswerks, muss sich immer wieder
übergeben. "Wir haben ihre Eltern benachrichtigt - die holen sie dann
demnächst ab", sagt Caritas-Mitarbeiterin Sandra Kolmer. Sie kümmert
sich während des "Ossensamstags" mit drei weiteren Kolleginnen um
alkoholisierte, hilflose Jugendliche.



Der Karnevalsumzug ist auch in Osnabrück für immer mehr
Jugendliche ein Anlass, sich hemmungslos zu betrinken. Ein junger
Mann mit dünnem Bartflaum, eine Packung Orangensaft und eine Flasche
Wodka in der Hand, bringt es auf die griffige Formel: "Karneval und
Alkohol - das gehört für mich einfach zusammen." Er findet den in der
Atemluft gemessenen Alkoholwert von 1,3 Promille nicht schlimm.
Suchtberater Dirk Litzberski-Otten sieht das anders. Am Stand der
Diakonie direkt an der Route des Umzugs zeigt er ihm die rote Karte
und fordert ihn auf, die Finger vom Wodka zu lassen.



Diakonie und Caritas, Ordnungsamt und Polizei versuchen in
Osnabrück seit einigen Jahren, das Problem der sich betrinkenden
Jugendlichen am Ossensamstag durch Präventionsprojekte und verstärkte
Präsenz vor Ort in den Griff zu bekommen. Beamte kontrollieren im
weiten Umkreis vor, während und nach dem Umzug, stellen Spirituosen
und Mixgetränke sicher. Denn laut Jugendschutzgesetz gilt: 0,0
Promille für Jugendliche unter 16 Jahren. Keine Spirituosen für junge
Menschen unter 18.



Diakonie und Caritas wollen im Sinne eines verantwortungsbewussten
Umgangs, aber ohne erhobenen Zeigefinger, auf die Jugendlichen
einwirken. "Feiern kann auch Spaß machen, wenn ihr nicht völlig
betrunken seid", sagt Litzberski-Otten. Am Diakoniestand während des
"Ossensamstags" haben die Mitarbeiter für Abstinenzler und
vernünftige Konsumenten attraktive Preise parat: Signierte
Originaltrikots der deutschen Fußball-Nationalmannschaft etwa oder
ein Treffen mit der Popband "Culcha Candela". Alle anderen bekommen
symbolisch die rote Karte gezeigt.



Dass einige sich die Ermahnungen offenbar nur scheinbar zu Herzen
nehmen, ist auch den Experten klar. Dennoch sei es wichtig, mit
solchen Aktionen in der Öffentlichkeit präsent zu sein. Zum einen, um
immer wieder darauf hinzuweisen, wie sehr der Alkohol das noch im
Wachstum befindliche Gehirn schädigt. Zum anderen, weil nicht nur
Jugendliche exzessiv Alkohl trinken. Der höchste Wert, den die
Diakonie am Sonnabend gemessen hat, ist 2,6 Promille - bei einem etwa
30-jährigen Erwachsenen. "Eine Gesellschaft, die frei mit Alkohol
umgeht, und in der Alkoholkonsum sogar soziale Anerkennung genießt,
ist mitverantwortlich für die Misere", sagt Achim Bockbreder, Leiter
der Diakonie-Suchtberatung in Osnabrück.



Derweil wird es im Rettungszelt des Technischen Hilfswerks langsam
voller. Nacheinander werden zwei junge Mädchen und zwei junge Männer
liegend eingeliefert. Zwei Caritas-Mitarbeiterinnen stützen zwei
weitere Mädchen, die sich kaum noch auf den Beinen halten können.
Einige Opfer des Alkohlmissbrauchs haben Schnittverletzungen und
deutliche Spuren von Prügeleien. Der Alkohol erhitzt die Gemüter. Die
Straßen sind mittlerweile übersät mit Flaschen und Scherben.



Dennoch sei die Lage bis zum Nachmittag etwas entspannter als im
vergangenen Jahr, sagt Polizeisprecher Georg Linke. Er führt das auf
die gute Präventionsarbeit und die starke Polizeipräsenz zurück.
Traurige Rekordhalterin sei eine 16-Jährige mit einem Promillegehalt
von 1,88 gewesen, die in Begleitung eines 14-Jährigen mit 0,84
Promille war. "Dem hatte seine Mutter nach seiner Aussage erlaubt,
fünf oder sechs Bier zu trinken."



*Name geändert



epd lnb mas mig / 14.2.2010

Copyright: epd-Landesdienst Niedersachsen-Bremen