Winterkälte fordert erstes Todesopfer unter Obdachlosen in Hannover

Nachricht 11. Februar 2010

Diakonie appelliert: Hilfsangebote müssen verbessert werden

Hannover (epd). Das kalte Winterwetter hat in Hannover ein erstes Todesopfer unter Obdachlosen gefordert. Der 57-jährige Mann sei extrem geschwächt gewesen, sagte der hannoversche Diakoniepastor Hans-Martin Joost am Donnerstag in Hannover vor Journalisten. Wohnungslose seien bei den herrschenden Wetterbedingungen besonders gefährdet. Die genaue Todesursache des Mannes, der Bert C. genannt wurde, liege jedoch im Dunkeln.



Der hannoversche Sozialarbeiter Joachim Teuber sagte, der Winter habe bundesweit bereits 22 Menschen das Leben gekostet. In Hannover lebten auch bei den aktuellen Minusgraden "eine Handvoll Menschen" auf der Straße. Sie seien nicht bei Bekannten untergekommen oder weigerten sich aus persönlichen Gründen, einen Platz in einer Wohnungslosenunterkunft aufzusuchen.



Beratungsstellenleiter Gottfried Schöne vom Diakonischen Werk Hannover appellierte, den Tod des Wohnungslosen als Alarmsignal zu sehen: "Wir müssen den Skandal in dieser Stadt wahrnehmen und können nicht zur Tagesordnung übergehen." Er forderte das Land Niedersachsen auf, die Hilfsangebote für Obdachlose zu verbessern. Die Landesregierung setze auf feste Anlaufstellen, erläuterte Diakoniepastor Joost. Dabei werde jedoch die Sozialarbeit vernachlässigt, die auf die Obdachlosen zugehe.



Joost sagte, dass es allein Spenden zu verdanken sei, dass es nicht schon früher zu Kältetoten gekommen sei. So habe im vergangenen Jahr ein privater Spender 150 Schlafsäcke zur Verfügung gestellt. Der Pastor rief die Bevölkerung zu mehr Wachsamkeit auf: "Jeder sollte sehr aufmerksam nachschauen, ob jemand Hilfe bracht."



Die Besucher des Kontaktladens in Hannover reagierten bestürzt auf den Tod von Bert C., sagte Teuber: "Es ist so wie in jeder Familie, wenn ein Todesfall eintritt, dann wird hin und her überlegt." Schöne beschrieb den Verstorbenen als verschlossenen Einzelgänger. "Wenn ich ihn auf der Straße angesprochen habe, dann hat er sich abgewendet und ist weitergegangen." Er habe den Obdachlosen seit mehr als 20 Jahren gekannt.



Zuletzt habe der Mann an offenen Beinen gelitten und wiederholt medizinische Hilfe durch eine Krankenschwester des Diakonischen Werkes erhalten, sagte Schöne: "Er hatte auch einen Hausarzt, den er aber nicht oft besucht hat." Schöne widersprach der Darstellung der Polizei, dass Bert C. unter einem Alkoholproblem gelitten habe: "Das war nicht vorherrschend."



epd lnb pat mir / 11.2.2010

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