Landeskirche plant Anlaufstelle für Missbrauchsopfer

Nachricht 09. Februar 2010

Hannover (epd). Die hannoversche Landeskirche plant, eine Anlaufstelle für die Opfer von sexuellem Missbrauch im kirchlichen Bereich einzurichten. An dem Konzept werde bereits seit längerem gearbeitet, sagte der Sprecher der evangelischen Landeskirche, Johannes Neukirch, am Mittwoch auf Nachfrage dem epd. Es sei keine Reaktion auf die Missbrauchsfälle an Einrichtungen des katholischen Jesuitenordens, die zuletzt für Schlagzeilen sorgten. Vielmehr wolle die Landeskirche niedrigschwellige Hilfe bieten und ihre besondere Verantwortung gegenüber möglichen Opfern wahrnehmen.



Grundsätzlich werde in der Landeskirche sofort gehandelt, wenn sexuelle Übergriffe durch Pastoren oder Diakone bekannt würden, betonte Neukirch: "Das hat die sofortige Suspendierung zur Folge." Wenn die Staatsanwaltschaft nicht bereits ermittle, werde sie eingeschaltet. An das Strafverfahren schließe sich dann ein kirchliches Disziplinarverfahren an. Betrage das Strafmaß ein Jahr oder mehr, werde der Verurteilte entlassen. Auch bei geringeren Strafen sei dies möglich.



Neukirch zufolge wurden in den vergangenen zehn Jahren zwei Diakone und zwei Pastoren wegen sexuellen Missbrauchs belangt. Die größte evangelische Landeskirche in Deutschland mit knapp drei Millionen Mitgliedern hat zurzeit rund 2.000 Pastorinnen und Pastoren. Sie umfasst drei Viertel Niedersachsens.



epd lnb mir mig / 9.2.2010

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