Zustimmung zur geplanten evangelischen Gesamtschule überwiegt

Nachricht 02. Februar 2010

Hinte/Kr. Aurich (epd). In der Debatte um die niedersachsenweit erste Integrierte Gesamtschule (IGS) in kirchlicher Trägerschaft überwiegt nach Ansicht der hannoverschen Oberlandeskirchenrätin Kerstin Gäfgen-Track die Zustimmung bei den Eltern. Die Schuldezernentin der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers hatte sich am Montagabend den Fragen der Mütter und Väter in den ostfriesischen Gemeinden Hinte und Pewsum gestellt. Dort soll aus den bisherigen Haupt- und Realschulen eine evangelische IGS entstehen. Schulbeginn könnte bereits der 1. August sein.


Die kritischen Nachfragen drehten sich vor allem um das geplante Schulgeld in Höhe von 45 Euro. Dies kann Gäfgen-Track zufolge sozial gestaffelt werden, so dass kein Kind nur wegen des Schulgeldes eine andere Schule besuchen muss. Wer bedürftig sei, müsse das Schulgeld nicht zahlen.


"Die privaten Schulträger sind gehalten, ein Schulgeld zu nehmen", sagte Gäfgen-Track dem epd. "Wir wollen kleinere Klassen, Lehr- und Lernmittelfreiheit, Förderunterricht und ein kostenloses Mittagessen für alle Schüler." Dies sei mit den staatlichen Zuschüssen, dem Beitrag der Kommunen und dem nicht unerheblichen Beitrag der Landeskirche allein, nicht zu finanzieren. "Darum brauchen wir, wie fast alle Privatschulen, das Schulgeld."


Gäfgen-Track betonte vor den rund 250 Eltern, dass die Kirche die IGS nicht gegen deren Willen übernehmen wolle. Zunächst sollten alle Erziehungsberechtigten in den Grundschulen befragt werden, aus denen die ersten Schüler der IGS kommen sollen. Sprächen sich diese und die Gemeinderäte für die evangelische IGS aus, müsse nur noch das Kultusministerium zustimmen. Vertreter von SPD und CDU aus den Gemeinderätin sicherten der Kirche ihre Unterstützung zu.


Die Theologin sagte, die evangelische IGS solle kein "Missionszentrum" werden. Selbstverständlich werde Religion als ordentliches Fach unterrichtet, wie an staatlichen Schulen auch: "Nur mit dem Unterschied, dass es bei uns nicht ausfällt." In dem Fach werde nicht der Glaube bewertet, sondern abfragbares Wissen über die Religionen. Das Fach Werte/Normen als Alternative für Kinder ohne religiöse Bindung werde es dagegen nicht geben.


Die Bürgermeister der Gemeinden Hinte und Krummhörn waren auf die Landeskirche zugegangen, weil die beiden Haupt- und Realschulen aufgrund ihrer Schülerzahlen auf Dauer keine Überlebenschance hätten. "Mit der Kirche als Trägerin können wir den Schülern Bildungschancen bieten, die ihnen staatliche Schulen in dieser ländlichen Region nicht bieten können", sagte der Bürgermeister von Hinte, Wolfgang Schneider.


Bisher befinden sich vier allgemeinbildende Schulen in Niedersachsen in Trägerschaft der hannoverschen Landeskirche. Seit mehreren Jahrzehnten werden das Gymnasium Andreanum in Hildesheim und die Paul-Gerhardt-Schule in Dassel von der Kirche unterhalten. 2007 kam eine Grundschule in Wolfsburg hinzu, 2008 ein Gymnasium in Nordhorn. 2010 soll eine weitere allgemeinbildende Schule in Meine bei Gifhorn eröffnet werden.



epd lnb jön mil / 2.2.2010

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