Ehrenamtliches Engagement in der Jugendarbeit

Nachricht 01. Februar 2010

In Hannover fand jetzt in der aej-Geschäftsstelle der Fachtag „Ehrenamtliches Engagement“ statt. Die Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland e.V. (aej), die Evangelische Studentinnen- und Studentengemeinde (ESG) und das Evangelische Landesjugendpfarramt Hannover hatten Hauptberufliche eingeladen, um über die Perspektiven des ehrenamtlichen Engagements in der Jugend- und Studierendenarbeit nachzudenken.


Eröffnet wurde der Fachtag durch ein Grundsatzreferat der profilierten Engagementforscherin Sibylle Picot, die durch ihre Beteiligung sowohl an den Freiwilligensurveys wie an den Shell-Jugendstudien sehr aussagekräftige Daten zu den Lebenslagen und Einstellungen junger Menschen vorweisen konnte. Picots Leitfrage: „Wie engagiert sich eine ‚pragmatische Generation unter Druck‘?“ Die Daten zeigen, dass die krisenhafte Stimme in der Praxis nicht unbegründet ist.


Auch wenn die Zahlen zum Engagement seit über zehn Jahren stabil bleiben, sind doch auf lange Sicht Verschiebungen und leichte Rückgänge zu bemerken. Vor allem die starke Interessenbezogenheit des Engagements junger Menschen („Was bringt mir mein Engagement?“) fällt auf, aber auch der teilweise starke Rückgang in besonderen Gruppen junger Menschen, z. B. von Männern mit niedrigem Bildungsstatus.


Sibylle Picot schlussfolgerte: „Die Bereitschaft zum freiwilligen Engagement steht unter dem Primat der beruflichen Perspektive. Junge Menschen haben Angst, dass ihnen kein Platz in dieser Gesellschaft eingeräumt wird. Ein solcher Platz aber hängt immer entscheidender von einem gelungenen Berufseinstieg ab.“ Erfreulich ist, dass der kirchliche Sektor dennoch nach wie vor Zuwächse bei den Engagiertenzahlen aufzuweisen hat - wohl auch eine Frucht der vermehrten Anstrengungen, engagementfreundliche Rahmenbindungen zu schaffen.


Vier Blitzlichter aus der Kinder- und Jugend-, Jugendverbands- und Studierendenarbeit sowie aus der Jugendpolitik rundeten den Vormittag ab und zeichneten ein detaillierteres Bild der Veränderungen in den Lebenswelten und wie unterschiedlich sich dies in den einzelnen Arbeitsfeldern niederschlägt.


In vier Arbeitsgruppen wurden als konkrete Ansätze Freiwilligendienste in der Kinder- und Jugendarbeit, Freiwilligenmanagement, Anerkennungsmöglichkeiten für Ehrenamtliches Engagement an den Hochschulen und peer-education-Modelle vorgestellt und diskutiert. Dabei wurde klar, dass Kirche u. a. deshalb als Ort für Engagement funktioniert, weil die kontinuierlichen Strukturen eine angemessene Begleitung, Förderung und Unterstützung Engagierter ermöglichen. Eben diese stützenden Strukturen kommen im Zuge öffentlicher und kirchlicher Einsparungen immer öfter an ihre Grenzen, während gleichzeitig immer mehr Engagierte höhere Anforderungen mit sich bringen.


Am Ende des Fachtages zog die hannoversche Landesjugendpastorin und Mitveranstalterin des Fachtages, Cornelia Dassler eine kirchenpolitische Bilanz: „Kirche kann nicht nur nehmen, sie muss auch geben: Ein entsprechendes Unterstützungssystem für Ehrenamtliche muss mit allen Kräften aufrechterhalten werden!“


Kontakt:

aej-Geschäftsstelle

Florian Dallmann

Otto-Brenner-Straße 9, 30159 Hannover

Telefon: 0511 1215-147, Fax: 0511 1215-247

E-Mail: da@aej-online.de


Internet: www.evangelische-jugend.de


1.2.2010