Käßmann sieht keine Eiszeit in der Ökumene

Nachricht 24. Januar 2010

Marburg/Hannover (epd). Nach Ansicht der Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Margot Käßmann, kann von einer Eiszeit in den ökumenischen Beziehungen keine Rede sein. Davon zu sprechen, wäre "leichtsinnig", sagte Käßmann am Sonnabend beim Marburger Ökumenegespräch mit dem Speyerer katholischen Bischof Karl-Heinz Wiesemann. Viele Menschen freuten sich riesig auf den Ökumenischen Kirchentag in München: "Der Kirchentag wird uns schnell das Gefühl nehmen, das es vielerorts gibt, es sei eine ökumenische Eiszeit. Ich sehe sie jedenfalls nicht", sagte die hannoversche Landesbischöfin.



Allerdings erkenne sie im Moment nicht, dass die Konfessionen in der Ökumene vor einem "Durchbruch" stünden. "Wir werden in München noch kein gemeinsames Abendmahl feiern können. Aber wir werden an gemeinsamen Tischen sitzen", erklärte die EKD-Ratsvorsitzende. Zu den ökumenischen Aufgaben zähle auch das Reformationsjubiläum 2017. Es gebe auf katholischer Seite "eine Art Störgefühl". Die evangelische Kirche wolle jedoch keinen "Glaubenshelden" Martin Luther inszenieren, "sondern auch die Schattenseite reflektieren". Käßmann lud dazu ein, das Ereignis gemeinsam zu feiern.


Auch der katholische Speyerer Bischof Wiesemann sprach von einer "gewissen Ernüchterung" in den ökumenischen Beziehungen. Vor allem in ethischen Fragen wie der Fortpflanzungsmedizin oder der Sterbebegleitung gebe es "neue Unterschiede", so Wiesemann zum Thema "Neuer Konfessionalismus - Eiszeit in der Ökumene?"



Die Marburger Ökumenegespräche finden seit 1987 statt. Die Stadt Marburg veranstaltet sie gemeinsam mit der Philipps-Universität sowie der evangelischen und der katholischen Kirche. Die Veranstaltung steht in loser Verbindung zu den berühmten Religionsgesprächen zwischen Luther, Zwingli und anderen Reformatoren 1529 in Marburg und will Christen beider Konfessionen zu aktuellen Fragen ins Gespräch bringen.



epd lnb bas mir / 23.1.2010

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