LWB beeindruckt von weltweiter Hilfsbereitschaft / Haiti braucht langfristige Partnerschaft / Diakonie unterstützt 300 Familien mit Werkzeugen

Nachricht 13. Januar 2010

Port-au-Prince (Haiti)/Genf, 15. Februar 2010 (LWI) - Ein erster heftiger Tropenregen genau einen Monat nach der verheerenden Erdbebenkatastrophe in Haiti hat die Überlebenden in ihren Notunterkünften überrascht und hochschrecken lassen. Spontan seien viele Menschen im Zentrum der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince zusammenkommen und hätten Material für neue Unterkünfte verlangt, berichtet Bobby Waddell, der seit drei Wochen als leitender Nothilfeberater der Abteilung für Weltdienst (AWD) des Lutherischen Weltbundes (LWB) in Haiti arbeitet. Für den AWD-Mitarbeiter des Genfer LWB-Sekretariats ist und bleibt die Errichtung von regenfesten Unterkünften für Hunderttausende Obdachlose weiterhin oberste Priorität. Der erste Tropenregen war nur ein Vorbote der bald beginnenden Regenzeit.



In den vergangenen Wochen haben die Mitarbeitenden des LWB/AWD-Länderprogramms in Haiti Tausende Menschen mit sauberem Trinkwasser, Nahrung und lebensnotwendigen Hilfsgütern versorgt. Und der Bedarf ist weiterhin riesig. Das LWB/AWD-Länderprogramm arbeitet eng mit anderen Organisationen des Bündnisses “ACT Alliance”, dem weltweit größten Netzwerk kirchlicher und kirchennaher Nothilfe- und Entwicklungsorganisationen, zusammen. In den ersten Wochen seit dem Erdbeben hat das Bündnis bereits über 150.000 Menschen mit Wasser, Nahrung, Hygiene-Sets und Hilfsgütern versorgt.



Entscheidend sei jetzt, dass die Menschen wieder Hoffnung fassten, so Raulo. Zwar seien die Herausforderungen, vor denen Haiti und die Hilfsorganisationen stünden immens, auch die geschwächten staatlichen Institutionen und Probleme wie staatliche Korruption erschwerten die Situation, doch alles hänge nun davon ab, dass die Haitianer wieder bereit seien, an eine Zukunft zu glauben, und den Willen aufbrächten, nach dieser schweren Katastrophe ihr Land wieder aufzubauen.



Nach einer ersten Phase der Soforthilfe plane die LWB/AWD den Ausbau seines Hilfsprogramms in Haiti, berichtet Rudelmar Bueno de Faria, AWD-Koordinator für Programmabwicklung. In gezielter Abstimmung mit den Partnerorganisationen der “ACT Alliance” sei nun mit den Vorbereitungen für den Wiederaufbau begonnen worden. Dies schließe auch Bildung, den Aufbau von Wasser- und Sanitäreinrichtungen, provisorische und dauerhafte Unterkünfte, psychosoziale Betreuung und die Bereitstellung landwirtschaftlicher Geräte und von Saatgut ein. Die Bauern und Bäuerinnen müssten umgehend mit der Aussaat beginnen, um in diesem Jahr noch eine Ernte zu haben.

Die LWB/AWD werde sich vorrangig auf Städte wie Leogane und Gressier und Gebiete außerhalb der Hauptstadt Port-au-Prince konzentrieren, wo 80 Prozent der Bevölkerung ihre Wohnungen und Häuser verloren hätte, so de Faria. Für Notunterkünfte würden Plastikplanen und teilweise auch Zelte zur Verfügung gestellt. Wichtig sei dabei, intensiv mit Partnern vor Ort zusammenzuarbeiten und eine zielgerichtete und problemlose Verteilung zu gewährleisten.



Langfristig will sich das AWD-Länderprogramm auch beim Bau von dauerhaften Unterkünften engagieren. So sei in den kommenden sechs bis 18 Monaten ein Programm zum Bau von Häusern geplant, in dessen Rahmen die Familien nach dem Prinzip “Cash for Work” (Bargeld gegen Arbeit) auf vorhandenes Baumaterial zurückgreifen sollen. Mit Unterstützung von lokalen Maurern und Zimmerleuten sollen so auf stabilen Fundamenten widerstandsfähigere Häuser errichtet werden. Über das genaue Design müsse noch entschieden werden, so de Faria.




Hier finden Sie weitere Informationen über das
LWB/AWD-Karibik-/Haitiprogramm:



www.lutheranworld.org/Arbeitsfelder/Awd/Laenderprogramme/AWD-Karibik-Haiti.html




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Diakonie Katastrophenhilfe: Konto 502 707

Postbank Stuttgart, BLZ 600 100 70

oder online www.diakonie-katastrophenhilfe.de

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Haiti braucht langfristige Partnerschaft

Stuttgart, 08. Februar 2010. Für eine Hilfe im Rahmen einer langfristigen Partnerschaft mit den Menschen in Haiti hat sich die Direktorin der Diakonie Katastrophenhilfe, Pfarrerin Cornelia Füllkrug-Weitzel, ausgesprochen. Nach dem schweren Erdbeben vom 12. Januar brauche das Land mehr als Nothilfe, um Stabilität und nachhaltige Entwicklung zu schaffen, sagte die Theologin am 8. Februar bei einer Pressekonferenz des evangelischen Hilfswerks in Stuttgart zur Hilfe in Haiti. Rainer Lang, Sprecher der Diakonie Katastrophenhilfe, der erst kürzlich aus dem Erdbebengebiet zurückgekehrt ist, hat nochmals auf das katastrophale Ausmaß der Zerstörung hingewiesen. "Zum Teil bieten sich albtraumhafte und apokalyptische Szenen in den zerstörten Regionen", fügte er hinzu.


Der Schwerpunkt der Arbeit der Diakonie Katastrophenhilfe liegt in der Region Jacmel, also im ländlichen Bereich, wo das evangelische Hilfswerk schon vor dem Erdbeben tätig war. Dort wurden am Wochenende die ersten 100 von rund 2.000 Familienzelten aufgestellt. "Dank unserer engen Zusammenarbeit mit lokalen Selbstorganisationen und in Abstimmung mit den Vereinten Nationen, den lokalen Behörden und den anderen Organisationen vor Ort sind unsere Nothilfsmaßnahmen angelaufen", betonte Füllkrug-Weitzel.



"Wir sind und werden auch künftig überwiegend auf dem Land tätig sein, wo die Mehrheit der Bevölkerung am allerärmsten ist: Über 80% der Menschen auf dem Land haben nicht mehr als 1 US Dollar täglich zur Verfügung", so die Theologin. Nun stünden sie noch vor dem zusätzlichen Problem, die Binnenflüchtlinge aufnehmen zu müssen, die - auch mit Aufforderung der Regierung - Port-au-Prince verlassen haben und auf dem Land Zuflucht suchen. "Vor der Hurrikansaison im Herbst bedarf neben dem Wiederaufbau für die Landbevölkerung die Frage zusätzlicher Unterkünfte für die Flüchtlinge einer dringenden Antwort. Und es muss sichergestellt werden, dass die Aussaat im März gelingt. Das alles muss in den nächsten sechs Monaten als Nothilfe laufen", betonte die Direktorin.



Lang wies darauf hin, dass in den spontan entstandenen Notunterkünften drangvolle Enge herrsche. "Aber es ist bewundernswert, dass die Menschen, die unter diesen Bedingungen leben, sich selbst organisieren und versuchen, trotz des Chaos ein Stück Ordnung zurückzugewinnen. Es ist offensichtlich, dass sie noch unter Schock stehen", so Land. Wie können sie mit den Schmerzen, Verlusten und Ängsten weiterleben, sei eine Frage, die er sich immer wieder stelle. "Es ist gut zu sehen, dass die Partner der Diakonie Katastrophenhilfe bei der Verteilung auf andere Wege setzen, in direktem Kontakt mit den Betroffenen, sei es in den Camps oder in den Stadtgebieten. Das geht ohne Auseinandersetzungen, Drängeleien oder Gewalt ab."



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Familien mit Werkzeugen unterstützt


Port-au-Prince, 30. Januar 2010. Nach über einer Stunde in einer Warteschleife kann die A 340 der Airbus Industries endlich auf dem Flughafen von Haitis Hauptstadt Port-au-Prince landen. An Bord hat das Großraumflugzeug zehn Tonnen Hilfsgütern der Diakonie Katastrophenhilfe, die von den Helfern sehnsüchtig erwartet werden. Der Airbus A 340 war von Hamburg aus gestartet. Es war der zweite Hilfsflug des evangelischen Hilfswerks. Mit den Werkzeugsets an Bord wird die Diakonie Katastrophenhilfe in der Stadt Jacmel im Südosten Haitis ein "Food for Work"-Programm (Nahrung für Arbeit) für 300 Familien starten.



Die Betroffenen können sich so an der Beseitigung der Trümmer sowie am Wiederaufbau beteiligen. Bezahlt werden sie in Nahrungsmittel, die die Vereinten Nationen bereit stellen. Damit wird die Ernährung für Familien in der schwierigen Phase nach dem Erdbeben, in der auch die Preise für Nahrungsmittel stark gestiegen sind, gesichert. Der Schwerpunkt der Arbeit der Diakonie Katastrophenhilfe ist in Jacmel im Südosten Haitis. Hier und in Bainet hat das evangelische Hilfswerk seit Jahren landwirtschaftliche Projekte.



"Wir sind sogar ein bisschen früher dagewesen als geplant", sagte Flugkapitän Klaus-Dietrich Flade. Eigentlich sollte der große Airbus um 15 Uhr Ortszeit landen. Es wurde dann aber doch mehr als eine Stunde später. Erst mussten zwei große Transportmaschinen Platz machen für das große Flugzeug. "Der Hinflug ist reibungslos verlaufen", fügte Flade hinzu. Die Besonderheit: der Airbus A 340 ist ein Testflugzeug. Deshalb freute sich der Pilot, dass er und sein Team den Testflug dazu nutzen konnten, um Hilfsgüter nach Haiti zu bringen.



Die 10 Tonnen Werkzeuge werden jetzt nach Jacmel weiter transportiert. Dort werden sie an die betroffenen Familien verteilt. Darüber hinaus wird die Diakonie Katastrophenhilfe 2.000 Zelte, Decken, Haushalts- und Hygienesets sowie Plastikplanen in Jacmel und Bainet verteilen. Ebenso sollen in der Region 300 beschädigte Häuser und zwei Schulen mit Unterstützung des evangelischen Hilfswerks wieder aufgebaut werden. Außerdem wird das Hilfswerk Toiletten und Duschen für Erdbebenopfer errichten.



Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet dringend um Spenden.

Diakonie Katastrophenhilfe:

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30.1.2010


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Bericht eines Erdbebenhelfers

Göttingen/Port-au-Prince, 26.1.2010. Thomas Ziaja ist als Berufsfeuerwehrmann in Göttingen und ehrenamtlicher Erdbebenhelfer ein Profi. Was er aber bei seinem letzten Einsatz in Haiti leisten und miterleben musste, war auch für ihn unvorstellbar: Amputationen unter freiem Himmel, Leichen unter Trümmern, Exekutionen auf der Straße. Jetzt ist er nach einer achttätigen Tour mit einem USAR-Team (Urban Search and Rescue) durch das vom Erdbeben zerstörte Haiti zurückgekehrt. Die bedrückenden Erlebnisse verarbeitet der 52-Jährige, in dem er viel darüber spricht.

Zwei Tage nach dem Beben ging es los. Flug in die Dominikanische Republik, gesponsert von Air Berlin, mit 17 Erdbebenhelfern aus Deutschland an Bord - und Suchhund Pablo. Der wurde später zu einer kleinen Berühmtheit. Von Haitis Nachbarland brachte sie ein Hubschrauber der US-Armee in die Katastrophenregion. "Eigentlich sollte das die UNO übernehmen, aber die Koordination hat nicht funktioniert", sagt Ziaja.

"Zuerst haben wir nach Überlebenden in den Trümmern gesucht", beschreibt er die Arbeit. In manchen Stadtteilen der Hauptstadt Port-au-Prince sei kein Stein mehr auf dem anderen geblieben. "Zum Teil sind 80 Prozent der Häuser zerstört. Am Tag sieben nach dem Beben erlebte Ziaja mit seinem Team dann ein "Wunder". Bei US-Kollegen hatte ein Detektor etwas geortet. Suchhund Pablo aus dem deutschen Team musste genauer nachschnüffeln - und schlug an. In dem Berg aus Schutt musste sich eine lebende Person befinden. Aus den meterhohen Trümmern eines zerstörten Hauses befreiten die Helfer nach zwei Stunden eine 69 Jahre alte Frau. Sie war nach Medienberichten auf dem Weg zur nahegelegen Kathedrale, als sie vom Erdbeben überrascht und verschüttet wurde.

Ziaja und seine Kollegen gingen dann dazu über, medizinische Hilfe zu leisten. Gemeinsam mit Mediziner-Teams aus Großbritannien, Taiwan und Ungarn stießen sie in der Nähe der von den Einheimischen so genannten "Church Cathedral" zufällig auf ein halbwegs intaktes Krankenhaus, dass mit Verletzten überfüllt war. Dort kam ihre Hilfe wie gerufen. "Wir amputierten Gliedmaßen, versorgten Kopfverletzungen - und das oft ohne Betäubung - bis zum Einbruch der Dunkelheit." Dann mussten sie aus Sicherheitsgründen wieder ins Camp am Flughafen, wo die meisten internationalen Hilfskräfte untergebracht waren.

"Für die Hilfe waren die Leute mehr als dankbar, viele hatten Tränen in den Augen", sagt Ziaja. Vor allen Dingen, weil sein Team im Gegensatz zu anderen in den Slums von Port-au-Prince unterwegs war. "Da konnten wir uns nur hinein trauen, weil wir uns selbst einen Trupp US-Soldaten als Schutz organisiert hatten." Ohne ihre Hilfe wäre der Einsatz wohl lebensgefährlich gewesen. "Ich habe selbst Exekutionen auf der Straße beobachtet." 

"Und dann gibt es noch genug Leute, die plündern", sagt Ziaja - vor allem in den etwas besseren Gegenden der Stadt. Ohne anklagend zu klingen, ergänzt er: "Ich weiß nicht, wie einer in Deutschland reagieren würde, wenn es ums nackte Überleben geht. Wenn die Stadt in Trümmern liegt, dann ist die Ethik abgehakt."

Insgesamt beschreibt er die Lage in Haiti auch zwölf Tage nach dem Erdbeben als "mehr als chaotisch." Das liege aber auch an der UNO. In dem Camp am Flughafen warteten 2.000 Helfer auf ihre Einsätze. Aber nur 300 würden täglich hinausgelassen, weil es entweder keine Lkw's oder keine UN-Kräfte zur Sicherung gebe. "Wir haben uns dann irgendwann einen Lkw von einem Einheimischen gemietet und 3.000 Dollar privat gezahlt", sagt Ziaja. 

"Eine Zerstörung solchen Ausmaßes habe ich noch nicht erlebt", sagt Ziaja, der schon nach dem Erdbeben 2005 in Pakistan für die USAR im Einsatz war. Auch wenn er mit seinem Team vielen Menschen im Chaos Hoffnung gegeben hat, so bleibt er doch realistisch: "Was wir gemacht haben, war nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Haiti wird noch viele Jahre Hilfe benötigen." Für seinen nächsten Einsatz hat der ehrenamtliche Erdbebenhelfer auch etwas gelernt: Genügend Bargeld mitnehmen, damit das persönliche Engagement nicht verpufft, wenn offizielle Stellen versagen.

Internet: www.erdbebenrettung.de

Internet-Video vom Einsatz: http://cnn.com/video/?/video/world/2010/01/19/sanchez.cooper.woman.rescued.cnn 

epd lnb fra mig/ Jan Fragel/26.1.2010
Copyright www.epd-niedersachsen-bremen.de

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Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet dringend um Spenden.

Diakonie Katastrophenhilfe:
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- Im Internet: www.diakonie-katastrophenhilfe.de/haiti
- Per SMS: Spender können an die 8 11 90 eine SMS mit dem Stichwort 'BEBEN' schicken. Von der Mobilfunk-Rechnung werden dann 5 Euro abgebucht.

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Diakonie Katastrophenhilfe ununterbrochen im Einsatz

Stuttgart, 23. Januar 2010. Das Team der Diakonie Katastrophenhilfe hat bis zum Wochenende 7,5 Tonnen Hilfsgüter von Haitis Hauptstadt Port-au-Prince in die Stadt Jacmel weiter im Süden transportiert. Die Güter konnten nur per Helikopter befördert werden, weil der Zustand der Straßen noch zu schlecht ist. Mit der Verteilung der Medikamente, Decken, Plastikplanen, Wasserkanister und Nahrungsmittel wird umgehend begonnen. Der Bedarf der Opfer an Hilfe ist enorm. „Die meisten Menschen in der Hauptstadt Port-au-Prince schlafen weiterhin im Freien“, sagt Rainer Lang, der für die Diakonie Katastrophenhilfe vor Ort ist.

„Viele Häuser und Wohnungen sind zerstört, viele Menschen haben aber auch Angst vor den ständigen Nachbeben, die es im Katastrophengebiet täglich gibt“, berichtet Lang. Als erstaunlich beschrieb er, wie die Menschen in dem Chaos der Zerstörung ihr Leben organisieren. Zum Wochenende hin hat sich die Lage im Katastrophengebiet seiner Einschätzung nach ein Stück weit entspannt. Hilfsgüter erreichen nach und nach die Betroffenen, auch wenn die logistischen Herausforderungen enorm sind. Dazu zählt vor allem der schlechte Zustand der Straßen, der eine geordnete Verteilung der Hilfsgüter sehr erschwert.

Trotz der schwierigen Situation ist die Lage bislang erstaunlich ruhig geblieben. Es gibt jetzt wieder Benzin, auch Banken und Supermärkte sind zum Teil wieder geöffnet. Über das Ausmaß der Zerstörung in der Innenstadt zeigt sich Lang schockiert. Immer noch hängt über vielen Gebäuden der Verwesungsgeruch und in den Trümmern liegen noch Tote. „Viele Überlebende stehen nach wie vor unter Schock und können noch gar nicht das ganze Ausmaß der Katastrophe fassen“, berichtet Rainer Lang. „Auch für uns Helfer ist die Lage oft bedrückend. Hier ist langfristige Hilfe nötig“, betont er im Blick auf die bittere Armut, die in dem Land herrscht.

Die Diakonie Katastrophenhilfe, die seit fünf Jahren ein eigenes Büro in Haiti hat, ist inzwischen in Kontakt mit allen ihren lokalen Partnerorganisationen, die selbst betroffen sind von der Katastrophe. Gemeinsam mit ihnen und den Partnern im globalen kirchlichen Hilfsnetzwerk ACT (Kirchen helfen gemeinsam) arbeitet die Diakonie Katastrophenhilfe in einem lokal eingebundenen Hilfsnetzwerk.

Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet dringend um Spenden.

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- Im Internet: www.diakonie-katastrophenhilfe.de/haiti
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LWB-Generalsekretär Noko fordert neues und dauerhaftes Engagement in Haiti

Genf (LWI) - Angesichts der grossen Verluste an Menschenleben und des Ausmasses der Verwüstung nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti vom 12. Januar hat der Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes (LWB), Pfr. Dr. Ishmael Noko, zu einem neuen und dauerhaften Engagement in Haiti aufgerufen, “das über Nothilfemassnahmen und –pläne hinausgeht und eine tiefere Solidarität mit Haitis Kampf für Stabilität und Entwicklung einschliesst.” Auch für die Zeit, wenn das Erdbeben und seine Folgen aus den Schlagzeilen der internationalen Medien wieder verschwunden seien, müsse “die Vülkergemeinschaft Haiti weiter in einer neuen langfristigen Partnerschaft begleiten, die auf einer klaren Lageanalyse basiert und die historischen, politischen und wirtschaftlichen Prozesse anerkennt, die Haiti bereits vor dem Erdbeben in eine so kritische Situation gebracht haben.”

Angesichts der Zerstürung des ganzen Landes, in dem die lebensnotwendige Infrastruktur verwüstet und der Regierungsapparat lahm gelegt sei, müsse die globale Katastrophenhilfe den Herausforderungen in dieser beispiellosen Situation entsprechen. Mit hüchster Priorität müssten die Bedingungen dafür geschaffen werden, dass eine effektive und umfassende Verteilung lebensnotwendiger Güter in allen betroffenen Gebieten müglich ist, so Noko.

Laut LWB-Generalsekretär Noko ist die Zeit gekommen, “Haitis Geschichte der Not und Verarmung umzukehren und Hoffnung in die Zukunft des Landes aufzubauen.” Die Perspektiven der ersten schwarzen Republik der Welt seien bereits von Anfang an durch wirtschaftliche und politische Unterdrückung von aussen vergiftet worden. Haiti sei in einem Teufelskreis aus Verschuldung und Unterentwicklung versunken, aus dem es sich bis heute noch nicht habe befreien künnen, so Noko.

Mit Blick auf Haitis Geschichte in- und ausländischer Ausbeutung und der daraus resultierenden ökologischen Zerstörung und sozialen Verelendung sowie auf die aktuellen katastrophalen Folgen des Erdbebens sei es illegitim, die Auslandsschulden des Karibikstaates weiterhin einzufordern. “Ich rufe zu einem unverzüglichen und vollständigen Moratorium für Haitis Schuldendienstverpflichtungen und für einen Erlass der Restschulden auf. Ich rufe dazu auf, dass die internationale Unterstützung für Haiti - einschliesslich der vom Internationalen Währungsfonds zugesagten Soforthilfe – in Form von Zuwendungen vergeben wird und nicht als Darlehen, wie jenes, das die neu gegründete Republik in unüberwindbare Armut führte und sie in eine kritische Situation brachte.” Weiterhin rief der LWB-Generalsekretär zu “konzertierter internationaler Zusammenarbeit bei der Rückführung finanzieller Mittel auf, die dem haitianischen Volk von früheren Diktatoren gestohlen wurden.” Für die Zeit nach der Katastrophe forderte Noko eine langfristige internationale Zusammenarbeit für verstärkte Bildungsförderung und Investitionen in Haiti.

Die weltweite lutherische Gemeinschaft setze mit der LWB-Abteilung für Weltdienst (AWD) und in Zusammenarbeit mit den Partnerorganisationen im Bündnis “ACT Alliance” sowie der Vereinten Nationen alles daran, den Menschen in Haiti unter aussergewöhnlich schwierigen Bedingungen Hilfe zu leisten. Der LWB verstärke seine Nothilfemassnahmen in Haiti und führe gleichzeitig seine reguläre Entwicklungsarbeit fort, um den Menschen beim Aufbau von Existenzgrundlagen zu helfen.

Noko machte darauf aufmerksam, dass es infolge des Erdbebens zu beträchtlichen Bevölkerungsverschiebungen komme, da Menschen aus den am schwersten getroffenen Städten in andere Gemeinden und aufs Land fliehen würden. Die genaue Zahl der Binnenflüchtlinge sei noch nicht bekannt, werde aber schnell auf 500.000 bis 600.000 ansteigen.

Der LWB plane, so versicherte Noko, in Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedern der “ACT Alliance”, dem weltweit grössten Netzwerk kirchlicher und kirchennaher Nothilfe- und Entwicklungsorganisationen, und UN-Organisationen sichere und dauerhafte Unterkünfte für diese Menschen bereitzustellen.

“Ich bete für die Menschen, die Regierung und die Kirchen Haitis - einschliesslich der Eglise Luthérienne d’Haiti -, die für den Wiederaufbau ihres Lebens, ihrer Gemeinschaften und ihrer Hoffnung inmitten dieser Katastrophe kämpfen”, so der Generalsekretär.

22.1.2010
LUTHERISCHE WELT-INFORMATION, Postfach 2100, CH-1211 Genf 2, Schweiz
Deutsche Redaktion: Dirk-Michael Grützsch