Epiphaniasempfang in Loccum zwischen Tradition und Moderne

Nachricht 06. Januar 2010

Loccum/Kr. Nienburg (epd). Seit 60 Jahren lädt die Evangelisch-lutherische Landeskirche Hannovers Vertreter aus Politik, Wirtschaft und kulturellem Leben zu ihrem Empfang in das 847 Jahre alte Zisterzienserkloster Loccum ein. Der ehemalige Abt zu Loccum und Landesbischof Hanns Lilje hatte 1950 nach seiner Wahl zum Abt erstmals am 28. Dezember zum "Empfang zwischen den Jahren" gebeten. Lilje zu Ehren, der am 6. Januar 1977 starb, wurde die Feier auf den Epiphaniastag verlegt. Sie ist seitdem der erste offizielle Termin des neuen Jahres in Niedersachsen.



Zwischen Tradition und Moderne hat der Empfang bis heute einen besonderen Charakter. Lilje bezeichnete seine Gäste gern als "Notabeln des Landes", wie einst die Mitglieder der königlichen Ratsversammlungen in Frankreich genannt wurden. In Loccum beschränkt sich ihre Zahl schon immer auf 140 Personen. Mehr sind nicht im Refektorium, dem ehemaligen Speisesaal der Mönche, unterzubringen. Ein Zeitzeuge erinnert sich: "Der liebe Gott hatte immer ein Einsehen und schickte Glatteis, so dass nicht jeder kommen konnte und doch noch alle einen Platz fanden."



Eng wird es immer noch, denn auch heute gilt es als etwas Besonderes, auf der Einladungsliste zu stehen. Dagegen sind die Jahre, als die einzige Rolle von Frauen das Kaffee-Ausschenken war, schon länger vorbei. Doch erst Landesbischöfin Margot Käßmann sorgt seit ihrem Amtsantritt vor elf Jahren konsequent dafür, dass die Frauenquote von Jahr zu Jahr steigt.



Noch immer sind die offiziellen Reden allein der Bischöfin, dem Abt und dem Ministerpräsidenten vorbehalten. Früher wurde danach allerdings neben Kaffee und Butterkuchen nur noch der eine oder andere Schnaps zum Aufwärmen gereicht, bevor sich alle in der oft eiskalten Klosterkirche zur Andacht versammelten.



Heute ist das Angebot um Orangensaft, Sekt und Salzgebäck erweitert. Die Kirche ist beheizt. Und mit der Bischöfin und Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland spricht inzwischen eine Frau den Segen zum neuen Jahr. Für ein ehemaliges Männerkloster aus dem Jahre 1163 erfolgten die Veränderungen der vergangenen Jahre schnell, sagen Beobachter, wenn auch manch anderes noch ganz beim Alten geblieben sei.



epd lnb mil mir / 6.1.2010

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