Käßmann bekräftigt Forderung nach gerechtem Frieden in Afghanistan / Rede der Landesbischöfin im Wortlaut

Nachricht 06. Januar 2010

Loccum/Kr. Nienburg (epd). Die hannoversche Landesbischöfin Margot Käßmann hat erneut dazu aufgerufen, dem Afghanistan-Konflikt vorrangig mit zivilen Mitteln zu begegnen. "Ich bleibe dabei: Wir brauchen mehr Fantasie für den Frieden, für ganz andere Formen, Konflikte zu bewältigen", sagte Käßmann am Mittwoch im Kloster Loccum. Die Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) wiederholte ihre Aussage, die in den vergangenen Tagen heftige Kritik von Politikern ausgelöst hatte: "Wer - beim besten Willen - möchte dem Satz widersprechen, dass in Afghanistan nichts gut ist."



Käßmann betonte, sie habe Hochachtung vor allen Politikern, die Entscheidungen über die Präsenz der Bundeswehr in dem Land treffen müssten. Viele seien überzeugt gewesen, dass die durch UN und Bundestag eingeschlagenen Strategien helfen könnten, in der Region Frieden zu bringen. Die Entsendung der Truppen, die auch mit militärischen Mitteln versuchten, Frieden zu schaffen, sei als als "ultima ratio" notwenig gewesen. Doch dürfe das letzte Mittel des militärischen Einsatzes nicht zum Normalfall werden, auch um der Soldaten willen, die ihr Leben riskierten.



"Es ist doch auch die Sorge um unsere Soldatinnen und Soldaten, die mich fragen lässt, ob wir nicht eine klare Exit-Strategie brauchen", sagte die Bischöfin. Wer das nicht verstehe, wolle sie gezielt missverstehen. Sie wisse aus persönlichen Begegnungen, welche traumatischen Erfahrungen viele der jungen Frauen und Männer bei ihrem Einsatz machten.



"Die Anfeindungen der letzten Tage befremden mich, weil sie eine klare politische Kultur infrage stellen, in der es möglich ist, in Freiheit Fragen zu stellen - auch als Frau der Kirche", so die Theologin. Gleichzeitig habe sie viel Unterstützung erfahren. Offenbar sei es notwendig, dass die Gesellschaft diese Debatte führe. "Ich denke, eine Mahnung zum Frieden gehört genuin zum bischöflichen Amt."



Die Ratsvorsitzende verlangte, noch mehr Geld und Personal in die Entwicklungshilfe und den zivilen Aufbau zu investieren. Diese Forderung vertrete sie genauso nachdrücklich wie die Einsicht in die Notwendigkeit von Soldaten unter UN-Mandat in dem Land: "Also nicht nur 30.000 weitere Soldaten, sondern mindestens auch 30.000 weitere Entwicklungshelfer, Lehrkräfte oder Verwalter." Der Vorrang für zivile Mittel dürfe nicht aus dem Blick geraten.



Die Bischöfin sprach beim traditionellen Epiphanias-Empfang der hannoverschen Landeskirche im 847 Jahre alten Zisterzienserkloster Loccum vor rund 140 Gästen aus Politik und Gellschaft. Der Empfang jährte sich in diesem Jahr zum 60. Mal. Am 28. Dezember 1950 hatte der ehemalige Abt zu Loccum und Landesbischof Hanns Lilje erstmals eingeladen.



epd lnb mil/mir / 6.1.2010

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